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12.03.2014

09:56 Uhr

Lkw-Hersteller mit roten Zahlen

Sondereffekte drücken MAN in Verlustzone

Der Fahrzeugbauer MAN hat 2013 operativ nur noch halb so viel wie im Jahr davor verdient – Sondereffekte und Millionenrückstellungen inklusive führt das zu einem Nettoverlust. Die Konzernspitze zeigt Optimismus.

Hauptsitz der MAN Truck & Bus AG in München: Sondereffekte bremsen den Lkw-Hersteller aus. dpa

Hauptsitz der MAN Truck & Bus AG in München: Sondereffekte bremsen den Lkw-Hersteller aus.

MünchenFür den Münchner Lastwagen- und Maschinenbauer MAN war 2013 ein bitteres Jahr. Die Geschäfte liefen vor allem in der ersten Jahreshälfte schleppend. Spediteure in Europa verkniffen sich die Bestellung neuer Lastwagen, die dümpelnde Werftindustrie bestellte deutlich weniger Schiffsmotoren. Der operative Gewinn der VW-Tochter brach im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte auf 475 Millionen Euro ein, der Umsatz hielt sich mit 15,7 Milliarden Euro in etwa auf dem Niveau von 2012, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte.

„Trotz großer Marktschwankungen hat MAN mit einem operativen Ergebnis von rund einer halben Milliarde Euro gezeigt, dass wir stark genug sind, auch bei hohen Wellen Kurs zu halten“, sagte Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen. Zufrieden sei er mit den Zahlen allerdings nicht. Immerhin: Das vierte Quartal lief für die Münchner bereits viel besser als die ersten neun Monate. Mit 296 Millionen Euro verdiente der Konzern fast zwei Drittel seines Gewinns im Schlussviertel. Doch unter dem Strich hat das alles nichts geholfen.

Denn Steuereffekte und Sonderbelastungen drückten MAN wie erwartet tief in die roten Zahlen und brockten dem Unternehmen nach Steuern einen Verlust von 513 Millionen Euro ein. Unter anderem sind darin Belastungen durch die frühere Tochter Ferrostaal und von der Übernahme durch VW enthalten. Vor Steuern steht ein Gewinn von 172 Millionen Euro nach 316 Millionen 2012. Eigentlich würde bei dieser Entwicklung die Steuerlast sinken, doch die Sondereffekte verhinderten dies. Bereits zum dritten Quartal war das aber bekannt und verbucht.

Die größten Lkw-Bauer der Welt

Platz 10

Weichai Power - Shaanxi (China) - 104.100 neu zugelassene Fahrzeuge in 2013

Die Sinotruk-Tochter gehörte zu den ersten Firmen, die in China Dieselmotoren produzierte. In Deutschland wurde das Unternehmen durch seinen Einstieg beim Gabelstaplerhersteller Kion bekannt.

Quelle: IHS Automotive

Platz 9

Tata (Indien) - 133.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Mutterkonzern von Jaguar und Land Rover gehört auch im Nutzfahrzeugbereich zu den ganz Großen. Insbesondere im Heimatmarkt spielt das Unternehmen eine führende Rolle.

Platz 8

BAIC - Foton (China) - 136.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Daimlers Schlüssel zum chinesischen Markt ist auch die Kooperation mit den Chinesen. Mit dem Lkw-Bauer Foton, der zum Reich von BAIC gehört, betreiben die Stuttgarter seit 2012 das Joint-Venture BFDA.

Platz 7

Paccar (USA) - 139.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Hersteller aus Bellevue, Washington, baute im Zweiten Weltkrieg noch Panzer. Durch mehrere Übernahmen gehören die Amerikaner zu den Weltmarktgrößen im Lkw-Bereich.

Platz 6

CNHTC - Sinotruk (China) - 150.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Der hinesische Lkw-Produzent beherrscht rund 20 Prozent des heimischen Marktes. Seit 2009 hält der deutsche Lkw-Bauer MAN 25 Prozent an den Chinesen.

Platz 5

Volvo Trucks (Schweden) - 177.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Aus Göteborg in die Welt: Bei den ganz schweren Jungs gehören die Schweden zu den größten in Europa. Seit 2011 werden die Volvo Lastwagen auch in den USA gebaut.

Platz 4

Volkswagen (Deutschland) - 178.500 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit den Marken MAN und Scania unter ihrem Dach schaffen es die Wolfsburger im weltweiten Vergleich auf die oberen Ränge. Geht es nach den Plänen des Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll das Duo die Weltspitze erobern.

Platz 3

First Automotive Works (China) - 180.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit mehreren internationalen Herstellern unterhalten die Chinesen Joint Ventures, darunter Volkswagen und Toyota. Auch bei den Lastwagen gibt der Konzern, der einst mit sowjetischer Hilfe aus der Taufe gehoben wurde, den Ton an.

Platz 2

Dongfeng (China) - 264.400 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Ostwind, wie die Marke übersetzt heißt, bläst weiter kräftig. Im Segment der mittelgroßen Lkw beherrscht das Unternehmen den wachsenden Heimatmarkt. Nur ein Konzern verkauft noch mehr Lastwagen.

Platz 1

Daimler (Deutschland) - 355.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Neue Modelle geben dem Marktführer neuen Rückenwind - auch weil die Stuttgarter mit ihren internationalen Marken Freightliner, Fuso und Barat Benz auch international gut aufgestellt sind.

Pachta-Reyhofen will 2013 rasch abhaken. Grund zur Zuversicht liefert ihm vor allem das letzte Quartal. Gerade im Lastwagengeschäft ging es zuletzt wieder deutlich besser. Doch schon nach dem dritten Quartal warnte der Manager vor zu großer Euphorie. Etliche Spediteure hätten vor dem Start der strengeren Abgasnorm Euro 6 im Januar noch günstigere Lkw mit Euro 5 Motoren gekauft und dürften nun erstmal nicht mehr ihre Flotte erneuern. Dennoch sei auch der Start ins Jahr erfolgreich verlaufen. Mittelfristig soll das operative Ergebnis von MAN Truck & Bus „auf jährlich mehr als 800 Millionen Euro“ steigen, kündigte Spartenchef Anders Nielsen am Mittwoch in München an. Sein früherer Arbeitgeber Scania, der wie MAN zum Volkswagen -Imperium gehört und von den Wolfsburgern jetzt ebenfalls an die kurze Leine genommen wird, wies für das vergangene Jahr 945 Millionen Euro aus.

Auch bei der Rendite zuckelten die Bayern weiter hinter den Schweden her. Während Scania 2013 eine operative Marge von 9,7 Prozent hinlegte, erzielte MAN mit seinen Lastwagen und Bussen insgesamt nur 3,8 Prozent. Das europäische Nutzfahrzeuggeschäft lieferte eine Marge von 2,5 Prozent, die Sparte in Lateinamerika 7,8 Prozent. Schon 2014 soll die Umsatzrendite im Geschäftsfeld Commercial Vehicles spürbar steigen, kündigte MAN an. Dazu wird der Konzern kräftig sparen und die Effizienz steigern müssen, denn der Absatz soll stagnieren und der Umsatz leicht unter dem Vorjahreswert liegen. Dies spricht für weiter sinkende Preise, zumal in Europa wegen der Hamsterkäufe vor der Einführung schärferer Abgasregeln mit einem Rückgang im Nutzfahrzeugmarkt gerechnet wird.

VW hatte Ende Februar angekündigt, Scania komplett zu übernehmen, um die störrische schwedische Tochter doch noch in die seit langem geplante Lkw-Ehe mit MAN zu zwingen. Langfristig sollen so mindestens 650 Millionen Euro pro Jahr gespart werden, allerdings dauert es bis dahin zehn bis 15 Jahre. Kommen die bis Ende 2014 angekündigten Kostenvorteile von 200 Millionen Euro hinzu, nähern sich die Lastwagenbauer dann endlich dem Wert von einer Milliarde, den VW-Patriarch und Strippenzieher der Lkw-Allianz Ferdinand Piech schon vor Jahren ausgegeben hatte.

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