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30.07.2014

13:57 Uhr

Lkw-Hersteller

Stagnation in Brasilien belastet MAN

Die VW-Tochter hat einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Schuld daran war das schwache Geschäft in Südamerika. Auch die Aufträge gingen zurück. Trotzdem konnte MAN einen Gewinn verbuchen.

MAN hat wegen des schwachen Geschäfts in Südamerika einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. dpa

MAN hat wegen des schwachen Geschäfts in Südamerika einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmen müssen.

MünchenDie schwache Wirtschaftsentwicklung im einstigen Boomland Brasilien macht dem Lastwagen- und Maschinenbauer MAN schwer zu schaffen. „Während MAN die konjunkturelle Lage in Europa wieder optimistischer bewertet, sieht sich das Unternehmen im sehr wichtigen brasilianischen Markt mit größeren Herausforderungen konfrontiert“, erklärte die VW-Tochter am Mittwoch. In Brasilien, wo MAN zuletzt drei von knapp 16 Milliarden Euro Jahresumsatz erwirtschaftete, werde der Konzern im laufenden Jahr voraussichtlich 700 Millionen Euro Umsatz verlieren.

Weil das Geschäft im größten Markt Lateinamerikas auch im vergangenen Quartal um 17 Prozent einbrach, schraubte MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen seine Umsatzerwartungen für den gesamten Konzern zurück. Der Manager erwartet einen Umsatz, der „spürbar unter dem Vorjahreswert liegen dürfte“ – bisher hatte er lediglich einen „leichten“ Rückgang in Aussicht gestellt. Im zweiten Quartal schrumpften der Auftragseingänge um zwei und die Umsätze um zwölf Prozent.

In Brasilien kamen zur sinkenden Nachfrage auch Kursverluste durch die Abwertung des Real hinzu, so dass bei dem deutschen Konzern in Euro nicht mehr so viel ankam wie erhofft. Die Brasilien-Tochter arbeite jedoch profitabel, betonte Pachta-Reyhofen. Das Wirtschaftswachstum des Landes hatte sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt.

Einen Hoffnungsschimmer machte der MAN-Chef dagegen in Europa aus. Die Zuversicht schlug sich aber noch nicht bei den Lkw-Bestellungen nieder, die Auftragseingänge in Europa stagnierten im zweiten Quartal.

Der Betriebsgewinn, der im vergangenen Jahr noch von Rückstellungen für missratene Kraftwerksprojekte belastet worden war, werde aber wie geplant deutlich steigen, bekräftigte der Vorstandschef. Denn erstens habe MAN die Kraftwerksprobleme mittlerweile im Griff, die Rückstellungen dafür sollten ausreichen. Zweitens könne MAN seine Kosten senken. Durch die Integration in den Volkswagen-Konzern profitiere MAN von dessen günstigeren Einkaufsbedingungen beispielsweise für Stahl. Außerdem habe sich MAN von Leiharbeitern getrennt.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Im ersten Halbjahr verdiente MAN deshalb bereits mehr als zwei Drittel dessen, was operativ im gesamten vergangenen Jahr übrigblieb: Von Januar bis Juni stand ein Betriebsgewinn von 222 Millionen Euro zu Buche, davon 154 Millionen im zweiten Quartal. Für das Gesamtjahr 2013 hatte der Konzern ein Ergebnis von 309 Millionen Euro ausgewiesen.

Sorgen macht dem Münchner Konzern auch der russische Markt, der zuletzt allerdings nur fünf Prozent zum Umsatz beitrug. Angesichts der Ukraine-Krise verzeichnet MAN in Russland einen Auftragseinbruch. Die Nachfrage der verunsicherten russischen Kundschaft sei im zweiten Quartal um 20 bis 25 Prozent zurückgegangen, sagte Vorstandsmitglied Anders Nielsen. „Das ist das, was am meisten wehtut in Russland.“

Die Abwertung des Rubel und die Wirtschaftssanktionen westlicher Staaten sorgten den Vorstand dagegen weniger, fügte Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen hinzu. Er unterstütze die wirtschaftlichen Druckmittel des Westens, auch wenn man damit eigene Nachteile in Kauf nehme. „Sanktionen sind nie gut, Konflikte aber auch nicht. Der Konflikt hat zuerst begonnen. Deswegen finde ich es ganz richtig, das Sanktionen folgen.“

MAN gehört wie das Schwesterunternehmen Scania zum Volkswagen-Konzern. VW will aus seinen Lkw-Töchtern eine schlagkräftige Allianz schmieden, die es mit den führenden Lastwagenbauern Daimler und Volvo aufnehmen kann. Die zähe Erholung in Europa bremste den schwedischen Lkw-Bauer Volvo im zweiten Quartal. Scania profitierte dagegen von der wirtschaftlichen Erholung auf dem Heimatkontinent. Alte Lkw würden zunehmend ersetzt, der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal leicht an.

Von

rtr

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