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04.04.2016

15:12 Uhr

Lkw-Platooning

Schön der Reihe nach

VonLukas Bay

Sechs Lkw-Hersteller schicken ihre Trucks auf große Tour: In vernetzten Kolonnen sollen die Brummis selbstständig nach Rotterdam rollen. Ein Vorbild für die Zukunft, sagen die Hersteller. Doch stimmt das?

Beim Platooning gibt der erste Lkw das Tempo vor, alle anderen folgen. Scania

Vernetzte Scania-Lkws

Beim Platooning gibt der erste Lkw das Tempo vor, alle anderen folgen.

Vorsicht, Elefantenherden: Auf deutschen Autobahnen dürften in diesen Tagen mehrere Lkw-Kolonnen gesichtet werden, die bedenklich nah auffahren. Grund zur Panik besteht aber nicht. Hier wird nämlich die Zukunft des Transportwesens getestet, zumindest wenn man den teilnehmenden Herstellern glauben kann.

„European Truck Platooning Challenge“ heißt das Vorhaben. Initiiert hat es die niederländische Regierung, die derzeit auch die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Insgesamt sechs Hersteller nehmen am Experiment teil. Neben Daimler sind das MAN, Scania, Volvo, DAF und Iveco. Sie lassen ihre Trucks in vernetzten Kolonnen zum Hafen von Rotterdam rollen.

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Der einsame Brummi-Fahrer ist Geschichte: Lkw sollen auf der Autobahn zu Herdentieren werden. Autobauer Daimler setzt auf die Vernetzung der Trucks – und investiert eine halbe Milliarde Euro in den Bereich.

Die Trucks von MAN starten am Montag in München, die von Daimler in Stuttgart und fahren über Frankfurt nach Rotterdam. Aber auch aus Skandinavien rollen die Kolonnen über Deutschland. Scania lässt seine vernetzten Trucks im schwedischen Södertälje starten, Volvo in Göteborg. Ihr Weg führt über Bremen in die Niederlande.

Der grenzüberschreitende Großversuch soll Erkenntnisse liefern, wie alltagstauglich die voll vernetzten Lkw-Kolonnen heute schon sind. Gelingt der Feldversuch, könnte die Technologie schon in den kommenden Jahren marktreif werden – und eventuell auch bei selbstfahrenden Autos eingesetzt werden.

Das sind die größten Lkw-Märkte

Platz 10

Osteuropa - 48.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014*

Die Transportbranche in Osteuropa gilt als großer Hoffnungsträger für die Branche - und ist nach Ansicht der Unternehmensberater von Deloitte einer der dynamischsten Märkte weltweit. Die Verkäufe soll jährlich um zehn Prozent anziehen.

*Quelle: Deloitte Truck-Studie

Platz 9

Mittelamerika - 65.500 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die Nähe zu den USA lässt die Industrie florieren, die Nachfrage nach Transportdienstleistungen steigt - und damit auch die Lkw-Verkäufe. Bis 2024 soll der Absatz jährlich um fünf Prozent zulegen.

Platz 8

Japan - 77.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Auf den japanischen Straßen ist der Platz begrenzt, gefragt sind darum vor allem mittelgroße Lkw. Allerdings dürfte sich das Wachstum in Grenzen halten. Prognostiziert wird ein Marktzuwachs von jährlich einem Prozent.

Platz 7

Russland - 116.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der russische Markt hat viel Potential, obwohl in Russland viele Güter über die Schiene transportiert werden. Die aktuelle politische Lage verhagelt die Bilanz. Mittelfristig sieht die Perspektive besser aus.

Platz 6

Brasilien - 164.700 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Die größte Volkswirtschaft Südamerikas hat viel Dynamik eingebüßt. Auch für den Lkw-Absatz sind die Prognosen mau. Der Markt soll bis 2024 jedes Jahr um etwa ein Prozent zulegen.

Platz 5

Südostasien - 168.100 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Thailand, Malaysia und Indonesien gelten als Wirtschaftsnationen mit Potential. Und auch die Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen legt jährlich um fünf Prozent zu.

Platz 4

Indien - 237.300 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch fristet der indische Lkw-Markt ein Schattendasein. Doch die Potentiale sind gigantisch. Im Jahr 2024, so prognostiziert es die Unternehmensberatung Deloitte, sollen dort 544.400 Lkw verkauft werden. Das jährliche Wachstum beträgt neun Prozent.

Platz 3

EU - 297.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Noch landet aber Europa, der Heimatmarkt von Daimler, MAN/Scania und Volvo, auf dem dritten Rang. Mit einem jährlichen Wachstum von vier Prozent bis 2024 ist die Entwicklung durchaus positiv.

Platz 2

USA - 377.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Bis auf Daimler tun sich die europäischen Hersteller noch schwer auf dem US-Markt. Nach Jahren der Konsolidierung sind dort deutlich weniger Wettbewerber im Markt.

Platz 1

China - 985.000 verkaufte Lkw im Jahr 2014

Der größte Lkw-Markt der Welt wird regiert durch die lokalen Hersteller. Die schiere Menge an verkauften Lkw kaschiert, dass es sich dabei vor allem um kleine, günstige Modelle handelt. Auch die Wachstumsprognosen sind nach Ansicht von Deloitte eher bescheiden. Sie gehen von einem jährlichen Wachstum von einem Prozent aus.

„Platooning“ nennen Fachleute die Technologie. Der Begriff entstammt der Militärsprache. Und tatsächlich funktioniert das System wie die Elefantenkompanie aus dem Dschungelbuch. Der erste Lkw gibt dann das Tempo vor, alle anderen folgen. Das funktioniert, weil sich die Lkws untereinander vernetzen. Durch automatische Bremssysteme reagieren die Trucks schneller – und können daher weniger Abstand halten. Bis zu zehn Fahrzeuge können eine gemeinsame Kolonne bilden.

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