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27.10.2013

16:46 Uhr

Lobbyismus

Autobranche wirkte entscheidend auf Öko-Label ein

Der VDA soll das umstrittene Öko-Label bei Autos entscheidend mitbestimmt haben. Akten aus dem Wirtschaftsministerium belegen laut eines Berichts, dass der Verband sogar die Abstimmung der Ministerien mitkoordinierte.

Kanzlerin Angela Merkel und VDA-Präsident Matthias Wissmann im Gespräch bei der IAA. Offenbar war der Verband stärker in die Einführung des umstrittenen Öko-Labels eingebunden als bisher bekannt. Reuters

Kanzlerin Angela Merkel und VDA-Präsident Matthias Wissmann im Gespräch bei der IAA. Offenbar war der Verband stärker in die Einführung des umstrittenen Öko-Labels eingebunden als bisher bekannt.

HamburgDie Autoindustrie hat einem Medienbericht zufolge bei der Einführung eines umstrittenen Öko-Labels für den Verbrauch von Autos stärker mitbestimmt als bisher bekannt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) habe bei der Bundesregierung nicht nur für seine Positionen geworben, sondern sogar direkt zwischen den Ministerien vermittelt, berichtete „Zeit Online“ am Sonntag unter Berufung auf Akten des Bundeswirtschaftsministeriums.

VDA-Präsident Matthias Wissmann schrieb dem Bericht zufolge etwa im Februar 2010 an das Verkehrsministerium, sein Verband und das Wirtschaftsministerium seien sich „über einen konkreten Vorschlag einig“. Es gehe nun darum, auch das Umweltministerium davon zu überzeugen. Im April 2010 habe der VDA das Wirtschaftsministerium darüber informiert, dass das Bundesumweltministerium einen Vorschlag des Wirtschaftsressorts falsch verstehe. Man müsse dem Umweltministerium die Formeln nochmals erklären. „Sonst rechnet das BMU falsch“, mahnte der VDA-Vertreter laut des Berichts.

Die größten Autobauer der Welt

Platz 10

Suzuki - 2,69 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Auch wenn der Absatz der Japaner stagniert treibt auch hier der Yen-Wechselkurs die Gewinne nach oben. Der Gewinn legt um satte 50 Prozent zu.

Platz 9

PSA Peugeot Citroën- 2,82 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Franzosen stecken weiter tief in der Krise und haben im Jahr 2013 rund fünf Prozent weniger Autos verkauft. Mit frischem Geld aus China soll es dieses Jahr wieder aufwärts gehen.

Platz 8

Honda - 4,28 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Kaum ein Autokonzern weltweit hat bei den Verkäufen so stark zugelegt wie die Japaner. Unterm Strich steht ein Plus von satten 12 Prozent.

Platz 7

Fiat/Chrysler - 4,42 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Fusion soll dem italienisch-amerikanischen Duo neuen Schwung verleihen. Für Gewinne sind im Markenreicht von Fiat, zu dem auch Maserati, Alfa Romeo und Jeep zählen, vor allem die Amerikaner zuständig.

Platz 6

Nissan- 5,1 Millionen verkaufte Fahrzeuge

In Deutschland erfreut sich vor allem der SUV Qashqai enormer Beliebtheit, aber auch weltweit läuft es rund für Japaner. Unter Strich steht ein Absatzplus von etwa drei Prozent.

Platz 5

Ford- 6,33 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner haben nicht nur eines der besten Jahre der Unternehmensgeschichte hinter sich, sondern mit dem Focus erneut das meistverkaufte Auto der Welt in ihren Reihen. Für das Treppchen reicht das allerdings nicht.

Platz 4

Hyundai/Kia- 7,61 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Das rasante Wachstum der vergangenen Jahre ist etwas abgekühlt, doch die Koreaner legen weiterhin stetig zu. Das Duo landet trotz starker Heimatwährung beim Absatz im Plus.

Platz 3

Toyota- 9,03 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Beim Gewinn hängt Toyota die Konkurrenz um die Weltmarktspitze locker ab, doch beim Absatz reicht es nur für Bronze. Vor allem weil der Absatz im Vergleich zum Vorjahr nur stagniert.

Platz 2

Volkswagen- 9,51 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der VW-Konzern kommt beim Absatz auf den zweiten Platz. Mit allen zwölf Konzernmarken, darunter auch Audi und Porsche, erwirtschaften die Wolfsburger ein Absatzplus von vier Prozent.

Platz 1

General Motors - 9,71 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Beim Absatz behaupten die Amerikaner im Dreikampf mit Toyota und Volkswagen die Krone. Ob sich der Titel angesichts der aktuellen Rückrufprobleme verteidigen lassen wird?

Quelle

Ernst&Young-Studie „Die größten Automobilhersteller weltweit“, Gesamtjahr 2013

„Hier hat ein Lobbyverband nicht einfach nur seine Positionen übermittelt, sondern gleich noch die Ressortabstimmung übernommen“, sagte Christina Deckwirth von der Antilobbyismus-Initiative LobbyControl „Zeit Online“. Der VDA handle offenbar als verlängerter Arm der Bundesregierung.

Auch die Deutsche Umwelthilfe kritisierte, dass der VDA „weitgehend die Regie bei der Erstellung der Verordnung“ übernommen habe. Ans Licht kam die Korrespondenz dem Bericht zufolge nur, weil die Umwelthilfe sich die Einsicht in die Akten vor dem Europäischen Gerichtshof erstritten hatte.

Die umstrittene Verordnung war im Dezember 2011 in Kraft getreten. Das Label soll Verbraucher beim Kauf eines Neuwagens über Energieverbrauch und Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid informieren. Ähnlich wie bei Elektrogeräten gibt es Effizienzklassen. Umweltverbände kritisierten das System schon bei der Einführung als irreführend und wenig aussagekräftig, da es bestimmte Modelle bevorzuge.

Es ist nicht der erste Fall in den vergangenen Wochen, in denen ein enges Verhältnis zwischen Politik und Autoindustrie für Aufsehen sorgt. Kurz nach der Wahl hatten CDU und FDP drei Großspenden der Familie Quandt erhalten. Johanna Quandt und ihre Kinder halten große Anteile am Autobauer BMW. Fast zeitgleich stellte sich die Bundesregierung bei einem Treffen der EU-Umweltminister gegen strengere Abgaswerte. Von denen wären besonders Oberklassenlimousinen betroffen gewesen.

Von

afp

Kommentare (30)

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Brechreiz

28.10.2013, 07:51 Uhr

Und selbst wenn dort Einfluss genommen wird, können wir alle froh über das Ergebnis sein. Die Menschen scheinen zu vergessen, wie viele Arbeitsplätze an der Automobil-Industrie und deren Zulieferer hängen. Welches Land in der Welt hat gemessen an seiner Größe soviele Autohersteller vorzuweisen, wie Deutschland? Ist doch schon traurig genug, dass unser Land und unser Wohlstand durch das CO2-Die-Welt-geht-unter-Märchen mit einer geplanten Deindustrialisierung ruiniert wird. Zwei Dinge lösen bei mir ständig Brechreiz aus, wenn ich sie höre.
1.nachhaltige Nachhaltigkeit zur nachhaltigen Nachhaltung
2.Erneuerbare Energien, die sich entgegen des Naturgesetzes vom Energieerhaltungssatz auf wundersame Weise erneuern lassen (und das Ganze auch noch von einer Kanzlerin propagiert, die angeblich Physik studiert haben will).

T-G-K

28.10.2013, 07:56 Uhr

Öko-Label für Autos, so ein Quatsch. Letztendlich bestimmt der Trottel hinterm Steuer wie Öko ein Wagen wirklich ist. Ein notorischer Bleifuß bringt macht auch eine Öko-Kiste zum Sprit-Säufer. Und der fußlahme Faulenzer erst recht.

Account gelöscht!

28.10.2013, 08:08 Uhr

Und wundert dies jemanden wirklich?

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