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21.03.2012

19:06 Uhr

Lobbyisten-Affäre

Die undurchsichtige Russland-Verbindung der EnBW

ExklusivInterne Quellen deuten darauf hin, dass der Konzern Millionen an den Lobbyisten Andrej Bykow gezahlt hat - ohne Gegenleistung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auch für Ex-EnBW-Chef Claassen ist Bykow kein Unbekannter.

Ein Angestellter des russischen Gasmonopolisten Gazprom bei einer Pumpstation. Reuters

Ein Angestellter des russischen Gasmonopolisten Gazprom bei einer Pumpstation.

Düsseldorf/Stuttgart/MoskauFrank Mastiaux kennt sich in der Energiebranche bestens aus. Dem Eon-Manager werden die größten Chancen eingeräumt, bald schon an die Spitze des Energiekonzerns EnBW berufen zu werden. Dort müsste er sich nicht nur mit der Zukunft befassen. Dem neuen Chef steht eine Aufarbeitung der Vergangenheit bevor.

Denn die auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Staatsanwaltschaft Mannheim prüft den Anfangsverdacht der Untreue und Steuerhinterziehung. Dabei geht es auch um die Frage, ob sich EnBW – wie einst der in eine Korruptionsaffäre verstrickte Siemens-Konzern – über Zahlungen an Mittelsmänner Vorteile im Auslandsgeschäft verschaffen wollte.

Schlüsselfigur der Affäre ist der russische Geschäftsmann Andrej Bykow. Von ihm verlangt EnBW 120 Millionen Euro zurück – wegen angeblich nicht erfüllter Verträge, unter anderem über die Lieferung und Sicherung von Uran. Bykow dagegen erklärt, das Geld sei nie für Atomgeschäfte gedacht gewesen, sondern für die Anbahnung von Gaslieferungen aus Russland. Fakt ist: Diese kamen nie zustande.

Schon in den Jahren 2001 und 2002 spielte Bykow unter dem damaligen EnBW-Chef Gerhard Goll eine Rolle, angeblich ebenfalls beim Versuch des Energiekonzerns, zum Gaslieferanten aufzusteigen. Goll schloss sechs Beraterverträge im Gesamtvolumen von zehn bis elf Millionen Euro mit Bykow. Merkwürdig: Auch damals kam es zu keiner Gaslieferung.

Unter Golls Nachfolger Utz Claassen nahm EnBW die Beziehung zu Bykow 2005 wieder auf und zahlte zwei Firmen des Lobbyisten die heute umstrittenen 120 Millionen Euro – angeblich, um dem Versorger Uranlieferungen zu sichern. Doch auch hier wurde nie geliefert.

Claassens Anwalt sagte gestern, sein Mandant sei an Gaslieferungen – anders als von Bykow behauptet – nicht interessiert gewesen: „Prof. Claassen hat sich in seiner Zeit als Vorstandschef von EnBW nicht darum bemüht, der EnBW Zugang zu russischen Gasvorkommen zu verschaffen.“ Die Verträge mit Bykow habe er weder angebahnt, noch gekannt.

Insider vermuten, EnBW könnte den Russen genutzt haben, um die Auslandsgeschäfte des Versorgers positiv zu beeinflussen. Dazu Claassens Anwalt: „Prof. Claassen hätte niemals Scheingeschäfte oder die Bildung ,schwarzer Kassen’ toleriert, geschweige denn akzeptiert. Für Prof. Claassen standen und stehen Ordnungsmäßigkeit und Transparenz immer an erster Stelle.“

Auf den neuen EnBW-Chef wartet harte Aufklärungsarbeit. Die Staatsanwaltschaft wird ihm behilflich sein.

Kommentare (1)

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haftgrund

21.03.2012, 19:59 Uhr

sieh da die lichtgestalt professor UTZ CLAASEN retter von SOLAR MILLENIUM im ENBW sumpf.

da kann er seinen studenten ja einiges erzählen unser ältestes WUNDERKIND

die mennemaah staatsanwälte sind aus ordentlichem holz und werden utzwutz schon auf den pfad der tugend führen.

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