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14.02.2011

22:50 Uhr

Löscher, Winterkorn und Co

Vorstandschefs warnen vor Selbstzufriedenheit

VonAxel Höpner

Ganz bewusst in einer Zeit des Aufschwungs bremsen Vorstandschefs wie Martin Winterkorn oder Peter Löscher die neue Euphorie in ihren Konzernen. Selbstzufriedenheit und Euphorie seien gefährlich, warnen die Top-Manager.

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Quelle: Reuters

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn.

MünchenDer weltweite Aufschwung beschert Deutschlands Industrieriesen Milliardengewinne. Dax-Dickschiffe wie Siemens und Volkswagen sind auf Rekordkurs. Doch ausgerechnet ihre Vorstandschefs bremsen jetzt bewusst die neue Euphorie in ihren Konzernen. Selbstzufriedenheit und Euphorie seien gefährlich, warnt Siemens-Chef Peter Löscher heute (DIENSTAG) die 400.000 Mitarbeiter des Münchner Technologieunternehmens. In einem Interview mit der Mitarbeiterzeitung „Siemens-Welt“ spricht er von der atemberaubenden Geschwindigkeit, in der sich die Märkte veränderten. Konsequenz: Die Erfolge von heute können schnell von gestern sein.

Löscher ist mit seinen Sorgen nicht allein. Auch Volkswagens Vorstandschef Martin Winterkorn fürchtet die Zerstörungskraft der Selbstzufriedenheit unter den 400.000 Beschäftigten des Autokonzerns. „Trotz aller Erfolge dürfen wir nicht selbstzufrieden sein“, warnt er. Auf einem Führungskräftetreffen in Dresden mahnte er die aus aller Welt angereisten gut 2.000 Topmanager des Konzerns: „Die globalisierte Wirtschaftswelt und das Automobilgeschäft sind unberechenbar geworden. Unsere Konkurrenten haben Volkswagen zum Zielwettbewerber erklärt. Das ist eine neue Situation für uns und darauf müssen wir uns einstellen.“

Die heimischen Automanager beschleicht zunehmend das Gefühl, dass sie vom Jäger zum Gejagten werden könnten. Die deutschen Hersteller melden zwar Rekordabsätze und wollen weiter expandieren. Ihre Wachstumsaussichten sind auch dieses Jahr gut – das Tempo in der Branche geben jedoch bei Schlüsselthemen der Zukunft vor allem Wettbewerber aus Übersee vor. So haben beim Elektroauto und der Lithium-Ionen-Batterie vor allem Chinesen und Japaner die Führungsrolle übernommen und auch die beiden größten Aufsteiger bei den weltweiten Verkaufszahlen kommen aus Asien: Am stärksten zulegen konnten im abgelaufenen Jahr der japanische Autobauer und Renault-Partner Nissan sowie der südkoreanische Autohersteller Hyundai mit seiner Schwestermarke Kia.

Vor allem die Südkoreaner machen die Manager nervös. Denn lange hatte den heute fünftgrößten Autokonzern der Welt kaum ein wichtiger Konkurrent auf der Liste. Noch vor zehn Jahren war Hyundai-Kia die Nummer zehn weltweit und galt als unscheinbarer Billiganbieter der Szene. Doch damit geben sich die Südkoreaner längst nicht mehr zufrieden. Clever hat der Hersteller, der in Europa seine Kundschaft zunächst mit günstigen Geländewagen für sich gewann, von Modellgeneration zu Modellgeneration die Klasse – und die Preise – seiner Fahrzeuge sukzessive angehoben.

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