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30.06.2013

17:06 Uhr

Lohndumping-Debatte

Daimler-Personalchef spricht von Skandalisierung

Wegen Lohndumping-Vorwürfen ist der Autobauer Daimler kürzlich in die Kritik geraten. Personalchef Wilfried Porth kritisiert die Debatte nun als überzogen – und warnt vor zu hohen Mindestlöhnen.

Der Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth. dpa

Der Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth.

StuttgartDaimler-Personalchef Wilfried Porth hält die aktuelle Debatte um Lohndumping und Werkverträge für übertrieben. „Ich sehe mit Sorge, dass Dinge skandalisiert werden, die kein Skandal sind“, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Mit möglichst hohen Mindestlöhnen oder durch Veränderungen der Werkvertragsgesetzgebung wird die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft gefährdet. Im Endeffekt haben die Arbeitnehmer nichts davon.“

Wegen Leiharbeit kritisierte Firmen

Daimler

In der ARD-Reportage „Hungerlohn am Fließband“ (ausgestrahlt am 13. Mai 2013) wird gegen Daimler der Vorwurf erhoben, illegal Leiharbeiter über Werkverträge zu beschäftigen. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen und dem ausführenden SWR unter anderem vorgeworfen, Passagen des 45-minütigen Films „fingiert“ zu haben. Für die Reportage hatte ein Reporter verdeckt für zwei Wochen im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gearbeitet.

Amazon

Februar 2013: Eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld sorgt für Wirbel. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

BMW

September 2012: BMW kündigt an, die Leiharbeiterquote im Gesamtunternehmen auf acht Prozent zu begrenzen. Zuvor gab es einen jahrelangen Streit mit der Gewerkschaft IG Metall über den Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitnehmer-Vertreter geben an, zu Spitzenzeiten habe die Quote bei über 15 Prozent gelegen.

Deutsche Post DHL

Mai 2012: Internationale Gewerkschaften werfen der Deutschen Post DHL vor, außerhalb Europas Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Die Logistiktochter DHL habe eine „beschämende Bilanz“ beim übermäßigen Einsatz von schlecht bezahlten Zeit- und Leiharbeitern. Die Deutsche Post teilt mit, sie arbeite gemäß nationaler Gesetze und Gepflogenheiten der jeweiligen Länder.

GLS

Mai 2012: In einer TV-Reportage berichtet Journalist Günter Wallraff über seine verdeckte Recherche beim Paketzusteller GLS: Fahrer seien dort zu schwer durchschaubaren Bedingungen und in oft nur mündlichen Verträgen als Subunternehmer verpflichtet worden. Leiharbeiter würden zu Dumpinglöhnen scheinselbstständig angeheuert. GLS weist die Vorwürfe zurück.

Zalando

Juli 2012: Das ZDF berichtet über die Arbeitsbedingungen bei einem Dienstleister des Internet-Versandhandels Zalando in Großbeeren (Brandenburg). Ein großer Teil der Lagerarbeiter dieses Dienstleisters sei als Leiharbeiter beschäftigt. Sie dürften sich während ihrer Arbeitszeit nicht hinsetzen und erhielten nur den Mindestlohn von 7,01 Euro pro Stunde. Zalando weißt darauf hin, dass die 7,01 Euro der Einstiegslohn in der Zeitarbeit in Ostdeutschland sei. Feste Mitarbeiter würden mehr verdienen. Inzwischen hat Zalando ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung umgesetzt.


Der Autobauer war in die Kritik geraten, weil er nach Recherchen des SWR über Werkverträge an seinen Fließbändern Menschen beschäftigen soll, die ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken müssen. Der Konzern hatte der Darstellung des Senders damals widersprochen.

„Löhne, die zwischen Sozialpartnern ausgehandelt worden sind, sollte man nicht skandalisieren. Mann kann nicht diejenigen, die das in Anspruch nehmen, kritisieren, wenn es vorher so ausgehandelt wurde“, betonte er. „Wir werden in diesem Land nicht die Situation haben, wo jeder das Gleiche verdient.“

Kommentare (17)

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dasmeineich

30.06.2013, 18:16 Uhr

hat er da von freier Marktwirtschaft gesprochen?
Herr Porth, wir haben soziale Marktwirtschaft.

Account gelöscht!

30.06.2013, 18:37 Uhr

Willkommen in der "schönen" liberal-wirtschaftlichen Welt.
Es soll nicht skandalös sein, dass man von seinem Lohn nicht leben kann, meinen fett-gefressene Manager.

Account gelöscht!

30.06.2013, 18:53 Uhr

Wer sind denn die Sozialpartner? Großkonzerne und die Leiharbeitsmafia,die vom Arbeitsamt mit Billiglöhnern versorgt werden.Und sich nachher wundern,daß in Deutschland immer weniger Autos verkauft werden.Wo ist den die freie Marktwirtschaft wenn der Staat über die Aufstocker die Industrie indirekt subventioniert?

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