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21.01.2006

13:31 Uhr

Lohnerhöhung

Kritik an Forderung der IG-Metall

Die Forderung nach einer Lohnerhöhung von fünf Prozent, die die IG Metall geäußert hat, stößt vielerorts auf Kritik - allen voran bei Industriepräsident Jürgen Thumann, dem Wirtschaftsweisen Bert Rürup und Wirtschaftsminister Michael Glos.

HB FRANKFURT/MAIN. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) warnte vor einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die IG Metall hatte am Freitag für die rund 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche eine Anhebung der Löhne und Gehälter um fünf Prozent gefordert, um die Binnennachfrage zu stärken. Die Arbeitgeber wiesen diese Forderung umgehend als zu hoch zurück. Die Metall- und Elektroindustrie in Deutschland steuert auf einen erbitterten Tarifstreit zu.

„Das verstehe ich als Aufforderung an die Unternehmen, Deutschland schnell und umfänglich zu verlassen“, sagte Thumann der „Berliner Zeitung“. Die Gewerkschaft zeige Verantwortungslosigkeit gegenüber den Arbeitnehmern. Notwendig sei mehr Spielraum für die Unternehmen bei der Lohnfindung. „Die Tarifverträge sollten eine Bandbreite vorgeben, innerhalb der sich die Lohnabschlüsse der Betriebe bewegen können.“ Thumann ergänzte: „Wenn wir an diesem Punkt nicht weiterkommen, ist der Gesetzgeber gefragt.“

Rürup nannte die Lohnforderung der IG Metall „problematisch“. Die Kalkulation der Arbeitnehmervertreter - Produktivitätszuwachs plus Inflation gleich Lohnforderung - lasse außer Acht, dass die gestiegenen Rostoffpreise nicht den deutschen Unternehmen, sondern dem Ausland zugute kämen, sagte der Wirtschafsweise dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Der „beschäftigungspolitische Verteilungsspielraum“ liege über alle Branchen hinweg bei zwei Prozent. Der schwache Konsum sei letztlich eine Folge der hohen Arbeitslosigkeit. „Entscheidend dafür, ob der Konsum anspringt, wird daher nicht die Höhe des Metall-Abschlusses sein, sondern eine Wende am Arbeitsmarkt.“

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat die Tarifparteien zur Lohnzurückhaltung aufgerufen. Zwar speise sich aus den Löhnen die Verbrauchsnachfrage der Arbeitnehmer, sagte der CSU-Politiker dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Niemandem sei aber gedient, wenn Unternehmen gesamtwirtschaftlich unvertretbare Lohnkosten aufgebürdet würden, die zur Verlagerung oder Vernichtung von Arbeitsplätzen führten. Im Gegenteil müssten die Weichen mit einer beschäftigungsfreundlichen Lohnpolitik so gestellt werden, „dass Arbeitsplätze erhalten bleiben und neue entstehen, die wiederum zu mehr kaufkräftiger Nachfrage beitragen“, wird Glos in einer Vorabmitteilung vom Samstag zitiert.

Der IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide sagte in der „Berliner Zeitung“: „Hohe Lohnabschlüsse werden den Beschäftigungsabbau in Deutschland verschärfen, weil Arbeit noch teurer wird und sich Investitionen im Inland immer weniger lohnen. Mehr Arbeitslose bedeuten unterm Strich weniger Kaufkraft für alle.“ Die Lohnforderung nannte Scheide unrealistisch. „Die Löhne dürfen nur so stark steigen, wie es das jeweilige Unternehmen verkraften kann. Die Frage ist aber, ob das der Flächentarif in seiner bisherigen Form gewährleisten kann. Ich bin da sehr skeptisch.“ Gesamtwirtschaftlich vertretbar wäre über alle Branchen gesehen eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 1,5 Prozent.

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