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18.01.2011

11:39 Uhr

Lokale Netze

Große Energieversorger verteidigen ihre Pfründe

VonJürgen Flauger, Klaus Stratmann

Streitfälle um die lokalen Gas- und Stromnetze stehen an der Tagesordnung. Auch jetzt wieder wollen die Energieriesen ihre Betreiberrechte für die Verteilnetze verteidigen. Die kleinen Anbieter fühlen sich ausgetrickst und verunsichert - wollen aber die Dinge auch aktiver angehen.

Alle 20 Jahre müssen Gemeinden die Konzessionen für den Betrieb ihrer Netze neu vergeben. dpa

Alle 20 Jahre müssen Gemeinden die Konzessionen für den Betrieb ihrer Netze neu vergeben.

DÜSSELDORF/BERLIN. Den Kampf um die Übertragungsnetze haben die vier großen Energiekonzerne verloren: Sie haben sich – nicht ganz freiwillig – von den „Stromautobahnen“ getrennt oder aber zumindest den Einfluss darauf radikal reduzieren müssen. Die kleinen Verteilnetze in den Kommunen wollen sie sich nun nicht auch noch streitig machen lassen. Bei den derzeit laufenden Neuausschreibungen der Konzessionen für lokale Netze – deutschlandweit geht es um viele tausend Verträge – kämpfen sie daher mit harten Bandagen.

„Wir haben großes Interesse daran, auch künftig regionale Netze zu betreiben. Das hat keine ideologischen Gründe. Wir sind vielmehr davon überzeugt, dass wir die Netze effizient und verlässlich betreiben können. Das dient den Kunden und der Region“, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen dem Handelsblatt. Es gehe nicht darum, „um jeden Preis Pfründe zu verteidigen“. Mit reinem Gutmenschentum dürfte das Festhalten der Großkonzerne an den Konzessionen jedoch ebenso wenig zu tun haben. Schließlich bringt ihnen der Betrieb von lokalen Netzen zwar keine exorbitanten, aber immerhin konstante, also verlässliche Gewinne ein.

Das Thema dürfte auch bei der dreitätigen Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft eine Rolle spielen, die seit heute in Berlin stattfindet. Mehr als 1 000 Entscheider aus der Branche sind dabei, darunter die Chefs großer Stadtwerke, aber auch Eon-Chef Teyssen und Tuomo Hatakka, Chef von Vattenfall Europe.

Ein Großteil der Konzessionen läuft in Kürze oder in den nächsten Jahren aus. Damit stehen viele Gemeinden vor der Frage, ob sie die Verträge mit dem bisherigen Konzessionsinhaber – in der Regel eine regionale Tochtergesellschaft der großen Energiekonzerne – verlängern oder über Alternativen nachdenken. In Betracht kommt, ein eigenes Stadtwerk zu gründen, die Konzession einem Stadtwerk aus der Region zu übertragen oder sie einem neuen Betreiber zu verpachten. Nach Angaben des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) haben seit 2007 Stadtwerke mehr als 100 Konzessionsverträge von privaten Unternehmen übernommen, mehr als 40 Stadtwerke wurden neu gegründet.

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