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24.03.2012

10:12 Uhr

London Cabs

Ein Taxi auf Weltreise

VonLukas Bay

London ist berühmt für seine schwarzen Hackney Cabs. Auch international sind die traditionsreichen Taxis gefragt wie nie. Der kleine britische Hersteller Manganese meldet einen weltweiten Rekordabsatz.

Insbesondere in Asien sind die Londoner Taxis beliebt. Hier nicht in der klassischen schwarzen Ausstattung, sondern in Gold. AFP

Insbesondere in Asien sind die Londoner Taxis beliebt. Hier nicht in der klassischen schwarzen Ausstattung, sondern in Gold.

DüsseldorfWenn Ende Mai der Grand-Prix-Zirkus in Aserbaidschans Hauptstadt gastiert, steht ein Gewinner schon fest: Der britische Taxihersteller Manganese Bronze. 1000 typisch britische Taxis sollen die Gäste des Eurovision Songcontests durch die Straßen von Baku transportieren. Das ist die größte Bestellung aus dem Ausland in der Geschichte des kleinen Herstellers, der 2010 insgesamt nur 1879 Autos herstellte. 

In der aserbaidschanischen Hauptstadt werden die Taxis ihr traditionelles Schwarz ablegen. Auf Wunsch des Präsidenten Ilham Aliyev wurden die Taxis in der Nationalfarbe Violett lackiert. Den Preis hat Manganese kräftig reduziert, um das Geschäft in trockene Tücher zu bringen – die Aserbaidschaner bekommen eine abgespeckte Version für 27.000 Dollar pro Stück. Der normale Marktpreis ist fast doppelt so hoch. 

Damit steuert der Hersteller auf einen neuen Umsatzrekord zu - und hofft damit auch aus den roten Zahlen zu kommen. Allein im Jahr 2011 haben die Briten 1502 Taxis im Heimatmarkt verkauft - rund 6,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Degegen stieg die Zahl der Auslandsverkäufe um 323 Prozent auf 705 Taxis. Im aktuellen Geschäftsjahr könnte die Zahl der Verkäufe im Ausland erstmals die Zahl der verkauften Autos auf der Insel übersteigen. 

Auf den Straßen Londons  ist Manganese Bronze bereits Marktführer. 85 Prozent aller Taxis werden von der kleinen Autofabrik in Conventry produziert. Optisch orientieren sich Taxis an den Droschken orientiert, die bis ins 20. Jahrhundert hinein über Londons Straßen kutschierten. Der Name der Taxis geht zurück auf die Zugpferde der Kutschen, der französischen Pferderasse Haquenée gezogen. Auch die ersten motorisierten Taxis bekamen den Titel Hackney. Anfangs waren sie für die Konservativen Londoner ein Stilbruch. Mittlerweile gehören sie zum Stadtbild wie Big Ben und der Buckingham Palace. 

International sind die britischen Taxis gefragt – insbesondere in Asien. Dort sprießen Millionenstädte aus dem Boden, denen vor allem zwei Dinge fehlen: Identität und Tradition. Kaum ein Fahrzeug verkörpert diese Attribute so gut wie ein britisches Taxi. Das aktuelle Modell wird in 15 Länder exportiert, darunter auch Saudi Arabien, Bahrain und Kuwait. 

Seit der Großauftrag aus Aserbaidschan bekannt wurde, steigen die Verkaufszahlen. Ein italienisches Taxiunternehmen hat zuletzt seine Flotte in Rom und Mailand erweitert, selbst in der Ukraine denken einige Unternehmen über den Kauf britischer Taxis für die Europameisterschaft nach. Wichtigster Markt der Briten bleibt aber Asien: Bereits 2006 haben die Briten darum ein Joint Venture mit dem heimischen Autohersteller Geely Automobile Holdings gegründet. Das aktuelle Modell TX4 wird in England und seit 2009 auch in Shanghai gebaut. Auch in Fernost wolle man die „Magie der Londoner Taxis vermarkten“, sagt Manganese-Chef John Russell der Bloomberg Businessweek. 

Welch magische Wirkung die Taxis haben können, berichtet ein Taxifahrer aus Baku. Viele Taxis des staatlichen Taxiunternehmens fahren noch ohne Taxameter. Seit die britischen Wagen die aserbaidschanische Hauptstadt erobern, habe die Zahl der Auseinandersetzungen über den Fahrpreis deutlich abgenommen.

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