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02.10.2014

18:46 Uhr

Luca di Montezemolo

Der Ferrari-Chef steigt vom Pferd

VonThomas Hanke

Auf dem Pariser Autosalon gibt Luca di Montezemolo die letzte Pressekonferenz. Der Abschied ist emotional – auch wegen Schumacher. Doch das Treffen mit Chrysler-Chef Marchionne wird zur Herausforderung für den Gentleman.

Luca Cordero di Montezemolo verabschiedet sich auf dem Pariser Autosalon als Ferrari-Präsident. AFP

Luca Cordero di Montezemolo verabschiedet sich auf dem Pariser Autosalon als Ferrari-Präsident.

Ein wenig melancholisch, doch immer noch streitlustig verabschiedete Luca Cordero di Montezemolo sich am Donnerstag als Ferrari-Chef: „Ich hatte eine fantastische Zeit, wir haben 19 Formel 1-Titel gewonnen und 118 Grands Prix, ich bin glücklich und stolz.“

23 Jahre war di Montezemolo bei der Marke mit dem Cavallino Rampante, dem sich aufbäumenden Pferd. „Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass man in der Formel 1 mal oben und mal unten ist, für Ferrari ist es jetzt an der Zeit, wieder erfolgreich zu sein.“ Angeblich hat Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne ihn zum Ausscheiden gedrängt, weil die bekannteste Automarke der Welt schon zu lange sportlich erfolglos sei.

Doch di Montezemolo ist absolut nicht bereit, sich zum Abschied Asche aufs Haupt zu streuen: „Wir haben ein historisches Resultat auch in wirtschaftlicher Hinsicht erreicht, mit 400 Millionen Euro operativem Ergebnis, 1,5 Milliarden Euro Cashflow trotz hoher Investitionen in neue Modelle.“

Auf dem Pariser Salon stellt die Sportwagenschmiede aus Maranello den 458 Speciale A vor, mit 605 PS der stärkste Spider, der je gebaut wurde. Mit 275 g/km habe er auch „sehr niedrige CO2-Emissionen.“ Das muss ein unfreiwilliger Witz sein – oder eine Frage der Perspektive. Jedenfalls sei das ein guter Moment, sich von Ferrari zu verabschieden, findet di Montezemolo.

Just in diesem Augenblick sinkt die Temperatur im Saal um einige Grad: Marchionne schlurft mit gehöriger Verspätung ins Pressezentrum auf dem Ferrari-Stand. Er setzt sich nicht neben di Montezemolo, sondern in drei Meter Abstand. Mit lustlosem Gesichtsausdruck blättert er in einem Katalog mit Ledermustern – vor, zurück, vor, zurück.

Fragen nach den Gründen des Abschieds und zu einem angeblichen Zerwürfnis mag er zunächst nicht beantworten: „Die Frage ging an Sie, beantworten Sie mal“, fordert er di Montezemolo auf. Schließlich hält es ihn aber nicht mehr, doch seine Reaktion ist etwas zu aggressiv, um hundertprozentig glaubwürdig zu sein: „Diese Gerüchte sind völliger Bullshit! Stellen Sie dieses Radio ab, Sie hören den falschen Sender“, raunzt er die britischen Journalisten an, die nach den Spannungen fragen.

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