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10.03.2006

12:00 Uhr

Luft- und Raumfahrtkonzern

Daimler hält an seiner EADS-Beteiligung fest

VonHolger Alich

Der Autokonzern Daimler-Chrysler hat kurzfristig offenbar keine konkreten Pläne, seine 30-prozentige Beteiligung am Raum- und Luftfahrtkonzern EADS zu reduzieren. Nach Informationen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats gab es im Kontrollgremium noch keine Gespräche über einen Rückzug bei EADS.

FRANKFURT. Gestern hatte der französische EADS-Großaktionär Lagardère angekündigt, sich teilweise aus EADS zurückzuziehen und damit einem möglichen Rückzug der Stuttgarter das Feld bereitet.

Finanzkreise sind sich allerdings sicher, dass Daimler mit einer Reduzierung seiner EADS-Beteiligung liebäugelt. "Das Interesse von Daimler besteht, sich von Teilen der EADS-Beteiligung zu trennen", sagte Auto-Analyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank. Einem hochrangigen Airbus-Manager zufolge wird der Autokonzern aber nur dann Anteile abgeben, wenn auch der französische Staat sein EADS-Paket reduziert. Sonst sei das deutsch-französische Gleichgewicht beim Luftfahrtkonzern gefährdet. Gemessen an der Marktkapitalisierung ist die EADS-Beteiligung gut acht Milliarden Euro wert.

Ein Daimler-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren. Daimler-Finanzchef Bodo Uebber hatte im Februar gesagt, dass Daimler EADS im Rahmen der politischen Bedingungen und eng abgestimmt mit den übrigen Gesellschaftern weiter entwickeln wolle. Nach Worten von EADS-Co-Chef Thomas Enders hat das Unternehmen "keinen Hinweis darauf, dass Lagardère und Daimler-Chrysler die Führung bei EADS aufgeben" wollten. Enders hatte mehrfach betont, dass EADS eine Staatsbeteiligung für überflüssig halte und sich eine Erhöhung des Streubesitzes von knapp 35 Prozent wünsche.

Der Medienkonzern Lagardère hatte angekündigt, seinen mit Frankreich gebündelten Anteil von derzeit 15 Prozent im Jahr 2007 zu verringern. Der französische Staat hält ebenfalls 15 Prozent. Der Aktionärspakt mit Daimler sehe dabei vor, dass der Rückzug von Lagardère nichts am deutsch-französischen Co-Management von EADS ändere, solange die Anteile von Lagardère nicht unter die Grenze von sechs Prozent fallen. Die Verkaufspläne würden zudem keinen Automatismus auslösen, dass Daimler auch verkaufen muss, betonte ein Sprecher des französischen Medienkonzerns.

Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche hatte zuletzt eine Abgabe des EADS-Aktienpakets prinzipiell nicht ausgeschlossen. Erst von 2007 wäre ein Verkauf für Daimler allerdings steuerfrei. Zudem ist EADS ein Politikum. Der französische Staat hat bei den Verkaufsplänen von Lagardère kein Widerspruchsrecht.

Auch die deutsche Regierung beobachtet die Lage bei EADS. Zwar seien staatliche Eingriffsmöglichkeiten gering, hieß es in Berliner Regierungskreisen. Aber die Politik habe Interesse an einem deutsch-französischen Gleichgewicht bei EADS.

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