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02.04.2013

19:34 Uhr

Luft- und Raumfahrtkonzern

EADS investiert Milliarden in eigene Aktien

Für einige Milliarden Euro will EADS eigene Aktien kaufen. Für den Ausstieg des Anteilseigners Lagardère dürfte das eine gute Nachricht sein. Neuigkeiten gibt es auch bei den Umzugsplänen des Luft- und Raumfahrtgiganten.

Der Schriftzug von EADS am Gebäude in Ottobrunn bei München. dpa

Der Schriftzug von EADS am Gebäude in Ottobrunn bei München.

Paris/Amsterdam/München/ToulouseDer Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat einen milliardenschweren Aktienrückkauf beschlossen. In den nächsten 18 Monaten will der Boeing -Konkurrent eigene Anteilsscheine für bis zu 3,75 Milliarden Euro erwerben, wie die Airbus-Mutter am Dienstag nach einer Sitzung des Verwaltungsrats mitteilte. Damit dürfte der Ausstieg des französischen EADS-Anteilseigners Lagardere erleichtert werden.

"Mit dem Aktienrückkaufprogramm werden Finanzmittel von EADS sinnvoll im Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre eingesetzt, ohne dabei unsere strategische Flexibilität oder unsere solide Bilanz zu beeinträchtigen", sagte EADS-Chef Tom Enders. Die zurückgekauften Aktien sollen eingezogen werden, was sich positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken dürfte. EADS werde höchstens 50 Euro je Aktie zahlen. Am Dienstag ging die Aktie 3,6 Prozent höher bei 41,115 Euro aus dem Handel.

Die EADS-Zahlen im Überblick

Der Konzern

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat 2012 deutlich mehr Geld verdient. Der Erfolg geht zu einem großen Teil auf das Konto der Tochter Airbus. Daneben gibt es drei weitere Sparten. Insgesamt beschäftigt EADS weltweit mehr als 133.000 Menschen. Das Geschäft der Divisionen im Überblick.

Airbus

Der Flugzeugbauer mit Sitz in Toulouse ist der Goldesel des Konzerns. Der Boeing-Rivale steht mit Erlösen von fast 38,6 Milliarden Euro für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. 2012 verdiente Airbus vor Zinsen und Steuern (EBIT) gut 1,2 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so viel wie 2011. Mit gut 69 000 Beschäftigten arbeitet mehr als jeder zweite EADS-Mitarbeiter für den Flugzeugbauer. Ein wichtiger Airbus-Standort ist Hamburg.

Eurocopter

Der Hubschrauberhersteller ist 2012 gemessen am Umsatz die zweitgrößte Sparte des Konzerns. Die Erlöse wuchsen um 16 Prozent auf den Rekordwert von fast 6,3 Milliarden Euro. Das EBIT stieg um 20 Prozent auf 311 Millionen Euro. Verantwortlich für das Plus war vor allem das Wartungsgeschäft, die Zahl der ausgelieferten Hubschrauber sank 2012 von 503 auf 475. Auch Eurocopter spürt hier vor allem Kürzungen von Rüstungsausgaben. Das Unternehmen mit Sitz im französischen Marignane beschäftigt knapp 20 800 Menschen.

Astrium

Die Raumfahrttochter ist inzwischen die drittstärkste Division des Konzerns. Der Umsatz des Unternehmens mit Hauptsitz in Paris stieg vor allem wegen des Service-Geschäfts um 17 Prozent auf gut 5,8 Milliarden Euro. Das EBIT stieg ebenfalls um 17 Prozent auf 312 Millionen Euro. Astrium steht vor allem für die europäische Trägerrakete Ariane, aber auch für den Bau von Satelliten. Die Sparte beschäftigt weltweit rund 16 600 Menschen.

Cassidian

Die Rüstungstochter bekommt die Sparzwänge in vielen europäischen Ländern besonders deutlich zu spüren. Die geplatzte Fusion mit BAE Systems machte zudem Hoffnungen der EADS-Spitze zunichte, Zugang zu weiteren Märkten zu bekommen. Der Umsatz von Cassidian sank 2012 leicht um 1 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro, das EBIT brach allerdings um 57 Prozent auf 142 Millionen Euro ein - vor allem wegen der Kosten für den Umbau und Jobstreichungen. 2011 war die Sparte mit Sitz in der Nähe von München gemessen am Umsatz noch die Nummer 2 im EADS-Konzern. Cassidian hat rund 20 900 Beschäftigte.

Zudem wählte der vergangene Woche von den Eignern bestellte Verwaltungsrat den Ex-Chef des französischen Rüstungskonzerns Thales, Denis Ranque, zu seinem Vorsitzenden. Er folgt auf Arnaud Lagardere, dessen Konzern sich künftig auf das Kerngeschäft konzentrieren will. Zugleich wurde EADS-Chef Tom Enders in seinem Amt bestätigt.

Zuvor wurde außerdem bekannt, dass die Umzugspläne des Konzerns in trockenen Tüchern sind. Zum 1. April sei die neue Struktur der Unternehmenszentrale in Kraft getreten, teilte das Unternehmen am Dienstag in Amsterdam mit. Der operative Hauptsitz des Unternehmens wird in Toulouse eingerichtet.

Mit den Arbeitnehmervertretern hat sich das Unternehmen dafür auf die Verlagerung von 75 Stellen aus München und weiteren 116 Stellen aus Paris nach Toulouse geeinigt. „Diese Vereinbarung ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur weiteren Integration von EADS“, erklärte Konzernchef Tom Enders.

Vor seinem Wechsel an die EADS-Spitze im vergangenen Jahr hatte Enders die Flugzeugtochter Airbus mit Sitz in Toulouse geführt. In Branchenkreisen war der Umzug der Konzernzentrale als Schritt gewertet worden, dem Gewicht von Airbus im Konzern entsprechend Rechnung zu tragen.

Widerstand kam bei Bekanntwerden der Pläne vor gut einem Jahr aus der deutschen Politik: Vor allem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wetterte dagegen und drohte sogar damit, die Übernahme eines EADS-Anteils durch den Bund zu verhindern, falls sie nicht wieder in den Schubladen verschwinden.

Zum 1. September soll die neue EADS-Zentrale in Toulouse voll einsatzbereit sein, hieß es in der Mitteilung. Künftig sollen dort dauerhaft mehr als 500 Stellen beheimatet sein, einschließlich der integrierten Bereiche Personalwesen und Finanzen von EADS und Airbus sowie weiterer Funktionen.

In München verbleiben mehr als 300 Stellen und in Paris rund 250 Stellen. „Ich möchte mich bei den Betriebsräten in Deutschland und Frankreich für die konstruktiven und vertrauensvollen Verhandlungen der letzten Monate bedanken“, erklärte Enders.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

02.04.2013, 18:25 Uhr

Den Menschen in der EU, allen voran natürlich hier bei uns in Deutschland, wird das verbindende 'Wir'-Gefühl einer nationalen Identität ausgetrieben.

Damit verloren geht damit auch das Verantwortungsgefühl gegenüber dieser Gemeinschaft - die latent vorhandene, urmenschliche Bereitschaft, sich zum Wohle und Nutzen 'seiner' Gruppe einzusetzen.

Es verbleibt eine auf das Ego reduzierte, sinnentleerte, im Kern resignative Daseinsbewältigung, quasi "innere Kündigung mit Dienst nach Vorschrift".

Die Zersetzung der Moral des Gegners ist die Königsdisziplin einer Kriegführung. Unfokussierte Hansel sind schöne Fähnchen im Wind, herrlich benebelt & orientierunglos, bestens reduziert auf die einträgliche Form des unkritischen Konsumenten, der funktioniert und trottet.

Was das mit dem Artikel zu tun hat?

Solche schmählichen Abwanderungen, die im Kern substanzielle Schwächung durch Industriedemontage und Unterwerfung unter Fremddoktrin darstellen, kann ich widerstandslos nur dulden und ertragen, wenn ich innerlich abgeschlossen habe.

Und dann gehts verloren, eines nach dem anderen.

WAS geht verloren? Das, was unsere Vorgänger einst enthusiastisch gefordert, gefördert, erkämpft haben...

teer_schweinstueck

02.04.2013, 18:28 Uhr

...somit hat dieser unsägliche Enders diese Firma sang- und klanglos nach Frankreich verscherbelt. Da wo das Entscheidungszentrum sitzt, werden auch die Weichen gestellt. Erinnert fatal an die Zerschlagung von Hoechst und das Aufgehen dieser Firma in Sanofi-Avensis in Frankreisch.....

Vogelperspektive

02.04.2013, 18:35 Uhr

Herr Enders ist unser zweiter Herr Dormann: Was Herr Dormann mit Hoechst vollzogen hat, führt Herr Enders mit EADS fort. Das sind wirklich klasse Manager für Deutschland.

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