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13.09.2012

08:02 Uhr

Luftfahrt und Rüstung

EADS und BAE planen 36-Milliarden-Euro-Fusion

Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und sein britischer Konkurrent BAE Systems führen Fusionsgespräche. Vor mehr als einem Jahrzehnt waren derartige Pläne gescheitert. Die Börse reagierte bereits heftig.

BAE Systems gehört unter anderem zum Konsortium, das das Kampfflugzeug Eurofighter baut. dpa

BAE Systems gehört unter anderem zum Konsortium, das das Kampfflugzeug Eurofighter baut.

LondonIn der Luftfahrt- und Rüstungsbranche bahnt sich ein milliardenschwerer Zusammenschluss an: Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und sein britischer Wettbewerber BAE Systems verhandeln über eine Fusion. „Die mögliche Verschmelzung würde einen weltweit führenden internationalen Konzern in den Bereichen der Luft- und Raumfahrt, Rüstung und Sicherheit mit wesentlichen Produktions- und Technologiekapazitäten in Frankreich, Deutschland, Spanien, Großbritannien und den USA schaffen“, gaben beide Unternehmen am Mittwoch in getrennten Pressemitteilungen bekannt. EADS und BAE Systems arbeiten bereits seit längerer Zeit zusammen und sind derzeit Partner in einer Reihe von Projekten wie dem Kampfflugzeug Eurofighter

Beide Unternehmen sollen bei einer Fusion als eine Gruppe agieren, aber an der Börse getrennt geführt werden. Sollte es zu einer Transaktion kommen, würden die BAE-Aktionäre mit 40 Prozent und die EADS-Aktionäre mit 60 Prozent an dem neuen Konzern beteiligt. BAE Systems ist nach Reuters-Berechnungen derzeit 13,4 Milliarden Euro an der Börse wert, EADS 23,2 Milliarden Euro. Zusammen kommen die beiden Konzerne damit auf eine Marktkapitalisierung von rund 36,6 Milliarden Euro.

Gegen wen EADS und BAE antreten

Umkämpfter Markt

Die Politik spielt immer eine große Rolle bei Rüstungsfirmen, schließlich ist sie nicht zuletzt der wichtigste Kunde. Das spiegelt sich auch in der Konkurrenzsituation der Konzerne wieder. Ein Überblick.

Boeing

Der Erzrivale von EADS und dessen Tochterfirma Airbus, momentan vor allem bei Verkehrsflugzeugen mit über 100 Sitzplätzen. Die beiden Konzerne sind führend auf dem Weltmarkt. Verkaufsschlager sind die Mittelstreckenflieger der Baureihen A320 und B737. Airbus hatte in den vergangenen Jahren die Nase vorn, doch Boeing konnte den Konkurrenten im ersten Halbjahr bei den Auslieferungen überholen.

Boeing

Boeing liefert gleichzeitig so etwas wie die Blaupause für die geplante Fusion der Europäer. Der Konzern hatte 1997 den heimischen Wettbewerber McDonnell-Douglas übernommen und damit sein militärisches Standbein ausgebaut. Im ersten Halbjahr steuerte das Rüstungs- und Sicherheitsgeschäft zusammen mit der Raumfahrt knapp die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Zu den Produkten gehören Kampfhubschrauber (AH-64 Apache), Kampfjets (F/A-18), Transportflugzeuge (C-17 Globemaster III) sowie unbemannte Drohen und Aufklärungsmaschinen (E-3 Awacs).

Boeing

Vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erwies sich die Rüstungssparte als wertvoll. Boeing profitierte von den steigenden Militärausgaben der USA und konnte damit die Bestelleinbrüche bei den Passagiermaschinen abfedern. Momentan sind Verkehrsjets die Renner, während das Rüstungs-Standbein mit Einschnitten in den Militärbudgets vieler Staaten klarkommen muss.

Lockheed Martin

Amerikas größter Rüstungskonzern. Das Unternehmen stellt die Kampfjets F-16, F-22 und F-35 her sowie die Transportflieger C-130J Super Hercules und die riesige C-5 Galaxy. Daneben baut Lockheed-Martin unter anderem gepanzerte Fahrzeuge, Raketen, Hubschrauber und Radaranlagen. Weitere Standbeine sind die Raumfahrt- sowie Informationstechnik.

Northrop Grumman

Hersteller von unbemannten Drohnen wie dem Global Hawk, von Radaranlagen, Steuersystemen oder Raketen. Bekanntestes Produkt ist der futuristisch aussehende Tarnkappenbomber B-2.

General Dynamics

Der Konzern baut unter anderem Kriegsschiffe und U-Boote, stellt Artilleriesystem und Munition her und steckt hinter dem US-Kampfpanzer Abrams. Ziviles Standbein sind die Gulfstream-Geschäftsflugzeuge.

Auf Basis der Zahlen vom vergangenen Jahr hätten die beiden Unternehmen zusammengerechnet 220.000 Mitarbeiter weltweit und würden einen Umsatz von rund 72 Milliarden Euro erwirtschaften. Die Fusionsgespräche laufen bereits seit mehreren Monaten. Einer Transaktion müssten die Verwaltungsräte von EADS und BAE noch zustimmen.

Die beiden Unternehmen führten nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit zahlreichen Regierungen. Einer Fusion müssten mehrere Regierungs- und Wettbewerbsbehörden zustimmen. Wahrscheinlich ist, dass EADS und BAE dafür einen Teil ihrer Aktivitäten aufgeben müssen. Bis 10. Oktober wollen die Unternehmen das Zustandekommen oder das Scheitern des Geschäfts verkünden.

Die US-Behörden werden sich laut Kreisen einer Fusion wohl nicht in den Weg stellen. Es sei eher unwahrscheinlich, dass das US-Verteidigungsministerium sowie die Kartellwächter den Zusammenschluss zum weltweit umsatzstärksten Luftfahrt- und Rüstungskonzern blockieren, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochabend.

Dies hänge unter anderem damit zusammen, dass die Airbus-Mutter EADS nur wenige staatliche US-Rüstungsaufträge erhalten habe. Ferner gebe es wenig Überlappungen in den Geschäften von EADS und dem Kampfhubschrauber- und U-Boote-Hersteller BAE in den USA. Bisher ist das Pentagon nach eigener Auskunft allerdings noch nicht offiziell über die geplante Fusion informiert worden.
EADS und BAE hatten am Mittwoch überraschend mitgeteilt, in fortgeschrittenen Verhandlungen über einen Zusammenschluss zu sein. Ein gemeinsames Unternehmen hätte einen geschätzten Wert von 48 Milliarden Dollar und würde außerdem Boeing als Marktführer nach Umsatz übertreffen.

Die deutsche, die französische und die britische Regierung sollen jeweils eine sogenannte goldene Aktie erhalten, die den Inhabern besonderen Einfluss sichert. London ist bislang an BAE beteiligt, bei EADS herrscht ein genau austariertes Gleichgewicht zwischen deutschen und französischen Anteilseignern. Die Konstellation hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen geführt. Spanien ist ebenfalls an EADS beteiligt. Die Regierung in London erklärte, sie werde bei einer Fusion „sicherstellen, dass die Interessen Großbritanniens klar geschützt werden“.

Kommentare (3)

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azaziel

12.09.2012, 20:33 Uhr

Eine neue undurchsichtige Geldvernichtungsmaschine. Keine Konkurrenz bei der Beschaffung von militaerischem Grossgeraet. And of course TOO BIG TO FAIL!

Account gelöscht!

12.09.2012, 22:33 Uhr

Solange nicht irgendwann diese fusionierte Firma ihren Hauptsitz in Frankreich hat und mehrheitlich von den sprechenden Camemberts gehalten wird, nur zu!

Navium

13.09.2012, 05:43 Uhr

Alle wichtige EADS Gesellschaften haben schon jetzt ihren Hauptsitz in Frankreich. Airbus, Eurocopter und Astrium.
Die EADS hat ihren unternehmerischen Hauptsitz in den Niederlanden.
Nur die Cassidian Division hat ihren Hauptsitz in Muenchen. 3 der 4 Divisionshauptsitze befinden sich also in Frankreich und der "Haupt-Hauptsitz" in den Niederlanden.

Ein nicht so tolles Bild fuer Deutschland

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