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02.02.2009

07:42 Uhr

Luftfahrtindustrie

MTU macht Luftfahrt Mut

VonMarkus Fasse

MTU Aero Engines schwimmt gegen den Strom, Während viele Unternehmen in der Wirtschaftsflaute lieber gar keine Prognose mehr abgeben wollen, startet der Triebswerkshersteller durch. MTU will seine Ziele - allen Turbulenzen zum Trotz - erreichen. Vor allem für die Luftfahrtindustrie ist das eine gute Nachricht, ein Silberstreif am Horizont.

Ein Messebauer reinigt ein Triebwerk von MTU Aero Engines. Foto: ap ap

Ein Messebauer reinigt ein Triebwerk von MTU Aero Engines. Foto: ap

MÜNCHEN. Der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines sieht sich für die Wirtschaftsflaute gut gerüstet. "Ich gehe davon aus, dass wir unsere Ziele für 2008 erreicht haben", sagte Vorstandschef Egon Behle im Gespräch mit dem Handelsblatt. Demnach will der Konzern einen Umsatz von 2,65 Mrd. Euro erzielen, der operative Gewinn soll bei 400 Mio. Euro liegen. Für das Krisenjahr 2009 rechnet Behle mit "einem stabilen Geschäftsvolumen in der Größenordnung des Vorjahres".

Damit setzt sich das Unternehmen von den jüngsten Schreckensnachrichten der Branche ab. Boeing kündigte in der vergangenen Woche den Abbau von 10 000 Jobs an, Lufthansa Cargo beantragt Kurzarbeit, und der Weltluftfahrtverband IATA spricht von "schockierenden Einbrüchen" im Luftverkehr. Die werden nach Meinung von Behle aber nicht von langer Dauer sein. "Der Markt könnte auch schon 2010 wieder drehen. In China wachsen die Passagierzahlen wieder, und die Treibstoffpreise sind gesunken", sagte der MTU-Chef.

Die ehemalige Daimler-Tochter ist seit zwei Jahren komplett in Streubesitz, nachdem sich der Finanzinvestor KKR von seinen restlichen Anteilen getrennt hat. Kerngeschäft ist die Beteiligung an Triebwerken für zivile und militärische Jets. Über Kooperationen sind die Deutschen mit Komponenten an fast jedem zivilen Triebwerksprogramm beteiligt. Im militärischen Bereich baut die MTU auch die Antriebe für den Eurofighter und das geplante Transportflugzeug A400M. Fast 40 Prozent der Erlöse stammen mittlerweile aus dem Geschäft mit Wartung und Ersatzteilen.

Nicht alle teilen den Optimismus. So stufte die Commerzbank die MTU-Aktie Mitte Januar von "kaufen" auf "halten" zurück und begründete den Schritt mit den negativen Nachrichten aus der Branche. Im Vergleich zu Wettbewerbern sei die MTU aber gut aufgestellt und könne den in 2009 erwarteten Abschwung besser verkraften, urteilte die Commerzbank.

"Die meisten Airlines stornieren nicht, sondern verschieben ihre Aufträge. Der Bedarf nach neuen Flugzeugen bleibt hoch", sagte der Luft- und Raumfahrtingenieur Behle. Profitieren dürfte die MTU auch von geplanten Staatshilfen, die Frankreich und Deutschland klammen Airbus-Kunden in Aussicht stellen. MTU ist über eine Kooperation an den Standardantrieben für den Riesenairbus A380 und die A320-Familie beteiligt. Die Beschäftigung der weltweit 7 300 MTU-Mitarbeiter sei gesichert, sagte Behle.

Deren Zukunft hängt vor allem an einem gesunden Mix aus kostenintensiver Entwicklung und margenstarkem Produktions- und Ersatzteilgeschäft. Denn die Entwicklung neuer Triebwerke ist aufwendig und teuer, Airbus und Boeing verlangen immer effizientere Antriebe. Die Milliardeninvestitionen der Triebwerkshersteller rentieren sich oft erst nach zehn Jahren über hohe Stückzahlen, das Ersatzteil- und Servicegeschäft. Partnerschaften sollen die wirtschaftlichen Risiken beherrschbar machen.

Zuletzt unterzeichnete die MTU eine Kooperation mit General Electric, die eine Beteiligung an dem neuen GENX-Triebwerk vorsieht. Die Düsenantriebe sollen die Boeing-Flaggschiffe 787 und 747 im neuen Jahrzehnt ausrüsten, doch Boeing kämpft mit erheblichen Produktionsproblemen. Mit Pratt & Whitney kooperieren die Deutschen bei einem neuen Triebwerk, das erstmals die einzelnen Turbinenstufen über ein Getriebe verbindet. Die Partner versprechen eine Treibstoffersparnis von bis zu 15 Prozent; Lärm soll um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Mitsubishi und Bombardier wollen die neue Düsentechnik in ihren Regionaljets einsetzen, Airbus testet das Triebwerk ebenfalls.

Mittelfristig will Behle den Markt für Triebwerkszulieferer konsolidieren. "Wir beobachten die Kandidaten, die in Europa infrage kommen", betont Behle. "Wir sind der stärkste Zulieferer in Europa. Wenn wir nicht konsolidieren, wer dann?" Nach Angaben aus Branchenkreisen sind Verhandlungen mit Volvo Aero und der italienischen Avio in den vergangenen Monaten ergebnislos verlaufen. Volvo wird vom gleichnamigen Industriekonzern kontrolliert, die Mehrheit an Avio hält der Finanzinvestor Cinven.

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