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02.01.2014

15:59 Uhr

Luftfahrtkonzern

Airbus will europäische Aktiengesellschaft werden

Übernahmen gehen leichter über die Bühne, vieles soll weniger kompliziert sein: Airbus, wie EADS nun heißt, will sich als europäische Aktiengesellschaft neu aufstellen – und aus den Negativschlagzeilen kommen.

Airbus-Chef Tom Enders (r.) weist seinem für Strategie und Marketing zuständigen Manager Marwan Lahoud den Platz zu. Sie wollen ihr Unternehmen neu aufstellen – neuer Name, neue Rechtsform. Reuters

Airbus-Chef Tom Enders (r.) weist seinem für Strategie und Marketing zuständigen Manager Marwan Lahoud den Platz zu. Sie wollen ihr Unternehmen neu aufstellen – neuer Name, neue Rechtsform.

MünchenAus dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ist zum Start ins neue Jahr die Airbus Group geworden. Wie geplant wechselte das Unternehmen nicht nur seinen Namen, sondern änderte auch die Organisation der bisher vier Geschäftsfelder. Neben der größten Tochter, dem Flugzeugbauer Airbus, bündelt der Konzern sein Raumfahrt- und Rüstungsgeschäft nun in der neuen Sparte Airbus Defence & Space, sowie seine Hubschrauberproduktion im Bereich Airbus Helicopters, wie die Airbus Group am Donnerstag mitteilte. Im Zuge des Umbaus will der Konzern zudem Tausende Stellen streichen.

„Die Bündelung unter der starken Marke Airbus verleiht unseren Geschäften und Mitarbeitern die nötige Schubkraft für den Erfolg auf den Weltmärkten“, sagte Konzernchef Tom Enders. Vor allem will die Airbus Group ihr schwächelndes Rüstungsgeschäft auf Vordermann bringen. Dazu werden die Sparten Astrium (Raumfahrt) und Rüstung (Cassidian) zusammengelegt. Bis 2016 sollen dabei rund 5800 Jobs abgebaut werden, 2600 davon in Deutschland. Die neue Sparte Airbus Defence & Space hat ihren Sitz in Ottobrunn bei München. Die bisherige Cassidian-Zentrale in Unterschleißheim wird geschlossen.

Vom Superjumbo bis Ariane – was Airbus alles herstellt

Airbus

Der weltgrößte Hersteller von Passagierflugzeugen bietet eine breite Palette an: vom 100 Sitze zählenden A318 bis hin zum Superjumbo A380, in dem 500 Menschen Platz finden. Insgesamt gibt es 14 Modelle. Mehr als 6000 Airbus-Flugzeuge sind weltweit unterwegs. Die Tochter der nun gleichnamigen Mutter stellt bislang auch Militärflugzeuge her, darunter den Transporter A400M. Airbus kam 2012 auf einen Umsatz von 37 Milliarden Euro, davon 2,1 Milliarden Euro aus dem Rüstungsgeschäft.

Astrium

Dahinter verbirgt sich das europäische Raumfahrtgeschäft von Airbus. Hergestellt werden beispielsweise Satellitensysteme. Bekanntestes Produkt sind die Ariane-Raketen, mit denen Satelliten ins Weltall transportiert werden. Astrium kam 2012 auf einen Umsatz von knapp sechs Milliarden Euro.

Cassidian

Die Rüstungssparte produziert etwa den Kampfjet Eurofighter und das Aufklärungssystem Awacs. Das rentabelste Segment des Konzerns kämpft mit mauen Zukunftsaussichten und schlechter Exportlage. Vor allem dort erwartet die IG Metall den stärksten Personalabbau. Über Cassidian ist Airbus auch am Eurofighter-Konsortium beteiligt und Anteilseigner beim Raketensystemanbieter MBDA. Dieser Geschäftsbereich machte 2012 rund 5,8 Milliarden Euro Umsatz.

Eurocopter

Der Hersteller von Zivil- und Militärhubschraubern kommt auf einen weltweiten Marktanteil von rund 30 Prozent. Zu den bekanntesten Produkten gehören der militärisch genutzt Tiger und der zivile EC225 Super Puma. Diese Sparte erlöste 2012 rund 6,3 Milliarden Euro.

In den kommenden Monaten will Airbus mit Arbeitnehmervertretern die Details für den geplanten Stellenabbau verhandeln. Die IG Metall fordert von der Airbus Group, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten - und fordert Unterstützung von der Politik. Der Konzern schließt Kündigungen bisher nicht aus. Vor dem Jahreswechsel hatte der Betriebsrat auf Betriebsversammlungen über die bisher bekannten Eckpunkte der Abbaupläne informiert, die vor allem das Rüstungsgeschäft treffen werden.

Dort bekommt die Airbus Group die Sparpolitik der europäischen Regierungen deutlich zu spüren. Programme werden gekürzt oder gestoppt. Enders wollte den Problemen mit Größe begegnen und EADS mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems zusammenschließen. Doch vor allem die Bundesregierung stemmte sich gegen die Pläne, das Projekt scheiterte. Enders kündigte gleich danach an, alles auf den Prüfstand zu stellen. Erstes Ergebnis war der große Konzernumbau.

Zudem will der Konzern, der seinen rechtlichen Sitz in den Niederlanden hat, 2015 auch seine Rechtsform ändern. Dann soll die Airbus Group N.V. (Naamlooze Vennootschap, zu deutsch etwa Aktiengesellschaft) in eine europäische Gesellschaft, SE (Societas Europaea), umgewandelt werden. Diesem Schritt muss im Mai 2015 noch die Hauptversammlung zustimmen. Die kommende Aktionärsversammlung muss der Umbenennung zudem noch zustimmen, was aber als sicher gilt.

Von

dpa

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