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07.11.2012

12:15 Uhr

Luftfahrtkonzern

Ermittler durchsuchen EADS-Standorte

Ein Deal mit Österreich hat für EADS Folgen: Ermittler durchsuchten mehrere Standorte des Rüstungskonzern, weil es vor zehn Jahren beim Verkauf von Kampfjets zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein soll.

Die Staatsanwaltschaft durchsuchte mehrere EADS-Standorte, da es zu Unregelmäßigkeiten beim Kauf von Kampfjets gekommen sein soll. dapd

Die Staatsanwaltschaft durchsuchte mehrere EADS-Standorte, da es zu Unregelmäßigkeiten beim Kauf von Kampfjets gekommen sein soll.

MünchenErmittler haben mehrere Standorte des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS durchsucht. Dabei geht es um mögliche Unregelmäßigkeiten beim Verkauf von Kampfjets des Typs Eurofighter an Österreich vor zehn Jahren.

Dem Vernehmen nach gab es Aktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, unter anderem auch in der Zentrale in Ottobrunn bei München. Ein EADS-Sprecher bestätigte die Ermittlungen, nannte aber keine weiteren Details: „Wir unterstützen die Behörden. Aufgrund des laufenden Verfahrens machen wir keine weiteren Aussagen dazu.“

EADS-Aktionärsstruktur mit politischer Brisanz

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Die Staatsanwaltschaft München bestätigte, dass sie wegen Bestechungsverdachts ermittelt. Im Zuge dieses Verfahrens seien mehrere Objekte in Deutschland durchsucht worden, sagte ein Behördensprecher. Haftbefehle seien dabei nach seiner Kenntnis nicht vollzogen werden. Zur Zahl der Verdächtigen wollte sich der Sprecher nicht äußern. Diese stünden jedenfalls unter dem Verdacht, ausländische Amtsträger bestochen zu haben.

Vor zehn Jahren hatte die damalige Regierung des österreichischen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel beim Rüstungskonzern für rund zwei Milliarden Euro 18 Eurofighter bestellt. Nach einem Regierungswechsel wurde die Zahl der Flugzeuge auf 15 und der Kaufpreis auf rund 1,6 Milliarden Euro reduziert. Bereits kurz nach der Bestellung der Eurofighter kam der Verdacht auf, dass es bei dem Geschäft zu Schmiergeldzahlungen gekommen sei. Deren Höhe soll Medienberichten zufolge im dreistelligen Millionenbereich liegen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

07.11.2012, 20:34 Uhr

Man weiss immer nicht so genau ob jetzt Schneuzland oder Oestereich den ersten Platz als das korrupteste Land in Europa innehat. Italien faellt aus dem Rennen, die haben schliesslich zwei voneinander unabhaengige Regierungen, da ist es zu schwierig den Score zu berechnen.

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