Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2012

16:41 Uhr

Luftfahrtmesse

Boeing schließt bei Bestellungen zu Airbus auf

Airbus beendet die Auftragsjagd auf der Luftfahrtmesse mit einer gemischter Bilanz: Während die Mittelstreckenflieger weiter punkten, findet der Riesenjet A380 keine Käufer. Boeing hingegen zieht mit der neuen 737 nach.

Eine Boeing 787 Dreamliner startet in Farnborough in den bewölkten Himmel. Boeing stahl auf der Luftfahrtmesse seinem Konkurrent Airbus die Show. dapd

Eine Boeing 787 Dreamliner startet in Farnborough in den bewölkten Himmel. Boeing stahl auf der Luftfahrtmesse seinem Konkurrent Airbus die Show.

FarnboroughDer Flugzeugbauer Airbus musste seinem Erzrivalen Boeing auf der Luftfahrtmesse in Farnborough den Vortritt lassen. Insgesamt sammelte die wichtigste Tochter des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS Aufträge und Vorverträge für 115 Flugzeuge im Wert von 16,9 Milliarden US-Dollar (13,8 Milliarden Euro) ein. Bei der Luftfahrtschau in Le Bourget bei Paris ein Jahr zuvor hatte Airbus dank seines neuen, spritsparenden Mittelstreckenfliegers A320neo noch Käufer für 730 Flugzeuge im Wert von 72,2 Milliarden Dollar gefunden. Diesmal holte US-Konkurrent Boeing seinen Rückstand aus dem Vorjahr ein Stück weit auf.

Für den US-Flugzeughersteller Boeing könnte es kaum besser laufen: Der Airbus-Rivale hat einen Auftrag über 150 Mittelstreckenflieger vom Typ 737 von der weltgrößten Fluggesellschaft United Continental erhalten. Die Maschinen kosten laut Preisliste 14,7 Milliarden Dollar oder umgerechnet 12,1 Milliarden Euro, allerdings sind bei derart großen Bestellungen satte Rabatte üblich.

Boeing-Chef Jim McNerney und United-Chef Jeff Smisek verkündeten das Megageschäft am Donnerstag. 100 der bestellten Maschinen entfallen auf die neue, spritsparende Variante 737 MAX, weitere 50 auf die aktuelle Variante Next Generation. Schon zuvor hatte Boeing zahlreiche Aufträge auf der Luftfahrt-Messe im britischen Farnborough eingesammelt und Kunden für über 200 Exemplare der 737 präsentiert.

Airbus hingegen kann nur eine durchwachsene Bilanz vorweisen: „Wir haben diesmal keine 700 Bestellungen erwartet“, sagte der neue Airbus-Chef Fabrice Brégier am Donnerstag vor Journalisten in Farnborough. Im Gesamtjahr rechnet er allerdings weiter mit festen Aufträgen für mindestens 600 Maschinen, davon sind nach der Messe bereits mehr als 300 erreicht.

„Die Jahre 2011 und 2012 zusammengenommen, kommen wir dann auf mehr als 2000 Bestellungen“, sagte Brégier der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Von einer Krise könne daher keine Rede sein. Mit 600 Fliegern läge der Auftragseingang erneut über der Jahresproduktion von 570 Maschinen.

Auf der Messe entfiel der Großteil der Bestellungen mit 86 Flugzeugen auf die Mittelstreckenjets der A320-Familie. Im Gegensatz zum Rivalen Boeing punktete Airbus aber auch mit den größeren und teureren Langstreckenfliegern. Die Messe läuft noch bis zum 15. Juli, die Auftragsflut konzentriert sich aber auf die ersten Tage.

Boeings Dreamliner: Bestseller mit Verspätung

Erzrivale liefert 2013 aus

Der lang erwartete „Dreamliner“ von Boeing soll das Reisen über den Wolken revolutionieren: Mit mehr als drei Jahren Verspätung liefert der US-Flugzeugbauer die erste 787 aus. Die japanische All Nippon Airways (ANA) übernahm 2011 den ersten der Langstreckenjets. Damit soll eine neue Ära in der Luftfahrt beginnen. Erzrivale Airbus wird sein Konkurrenzmodell A350 voraussichtlich erst ab Ende 2013 ausliefern.

Gute Luft und wenig Sprit

Der „Dreamliner“ wartet nach Boeing-Angaben mit größeren Fenstern, einer angenehmeren Luft und einem geringeren Spritverbrauch auf als bisherige Typen. Möglich macht das die großflächige Verwendung der leichten und stabilen Karbonfasern statt des üblichen Aluminiums.

Ärger mit der Technik

Das neue Kunststoff-Material bescherte den Amerikanern jedoch auch jede Menge Ärger, weil die Ingenieure die Technik erst erlernen mussten. Es kam zu wiederholten Verzögerungen und jeder Menge Misstönen. Eigentlich hätte der erste „Dreamliner“ schon im Mai 2008 ausgeliefert werden sollen. Von der Bestellungen her ist die 787 aber schon ein Bestseller.

Air Berlin wird deutscher Erstkunde

Boeing liegen insgesamt 799 Orders (Stand: Januar 2012) vor. Deutscher Erstkunde soll 2014 Air Berlin werden. „Jetzt, da das Flugzeug fertig zur Auslieferung ist, kann das ganze Team feiern“, sagte „Dreamliner“-Programmchef Scott Fancher nach der Unterzeichnung der Verträge mit All Nippon Airways.

Mehrkosten in Milliardenhöhe

Die Verzögerungen kosteten die Mitarbeiter nicht nur Nerven und die Kunden viel Geduld. Es entstanden auch milliardenschwere Mehrkosten. Noch ist unklar, ab welcher Stückzahl der Airbus-Rivale mit dem Flugzeug überhaupt Geld verdient.

Bis zu 290 Passagiere

Da der „Dreamliner“ laut Hersteller 20 Prozent weniger Sprit als bisherige Typen verbraucht, lohnt es sich, bislang uninteressante Langstrecken-Routen direkt zu fliegen. In der kleineren Variante des „Dreamliner“, der 787-8, finden 210 bis 250 Passagiere Platz, in der verlängerten 787-9 bis zu 290.

Nach einer langen Flaute entschied sich mit der Fluggesellschaft Cathay Pacific wieder ein Käufer von Airbus für die Langversion des neuen Hightech-Fliegers A350. Cathay will gleich 26 Exemplare des A350-1000 genannten Modells abnehmen, dessen Erstauslieferung Airbus vor einem Jahr auf 2017 verschoben hatte. Auch das Langstreckenmodell A330 fand Interessenten. Der Flugzeugfinanzierer CIT und der Konzern Synergy Aerospace aus Kolumbien wollen zusammengerechnet 19 der Maschinen kaufen. Airbus rüstet den Jet in den kommenden Jahren auf: Mit sparsameren Triebwerken und verbesserter Aerodynamik soll er ein höheres Startgewicht vertragen und weiter fliegen können als bisher.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×