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11.01.2013

09:25 Uhr

Luftsicherheitsbehörde

Dreamliner-Pannenserie wird untersucht

Ein Feuer im Rumpf einer Boeing 787 alarmiert die US-Flugsicherheit: Nach einer Pannenserie nimmt die Luftfahrtbehörde Ermittlungen gegen den Dreamliner auf. Der Hoffnungsträger wird zum Sorgenkind.

Die Pannenserie des Dreamliners geht weiter. dpa

Die Pannenserie des Dreamliners geht weiter.

Washington/TokioDie Pannenserie bei Boeings hochmodernem Langstreckenflieger 787 „Dreamliner“ hat die US-Luftfahrtbehörde auf den Plan gerufen. Die FAA kündigte am Freitag an, die kritischen Systeme des Modells genau unter die Lupe zu nehmen. Sie wird sich dabei sowohl die grundlegende Konstruktion als auch die Fertigungsprozesse anschauen. Die Boeing-Aktie fiel daraufhin im frühen New Yorker Handel um zwei Prozent.

Der „Dreamliner“ hatte im August 2011 die Zulassung für die Produktion erhalten und war kurz danach in den Liniendienst gegangen. Seitdem gab es immer wieder Pannen, die sich in dieser Woche jedoch häuften. Am spektakulärsten war ein Feuer im elektrischen System eines am Boden stehenden „Dreamliners“ von Japan Airlines am Montag in Boston. Passagiere waren zu dem Zeitpunkt keine an Bord.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Auch am Freitag gab es weitere Pannen. Bei einer Maschine der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) trat während eines Fluges über Japan im Cockpit-Fenster ein spinnennetzförmiger Riss auf, wie die Gesellschaft bestätigte. Bei einem anderen ANA-Flugzeug wurde nach der Landung im südlichen Miyazaki ein Ölleck entdeckt. ANA hatte erst am Mittwoch einen Inlandsflug nach Tokio streichen müssen, weil die Computersteuerung für die Bremsen Probleme machte.

ANA war der Erstkunde für den „Dreamliner“, von dem Boeing mittlerweile 50 Stück an acht Kunden ausgeliefert hat. Chefingenieur Mike Sinnett hatte das Flugzeug zuletzt verteidigt: „Wir sind sehr, sehr zufrieden damit, wie es sich schlägt.“ Wie bei jedem neuen Modell gebe es jedoch in den ersten ein, zwei Jahren Probleme. Die Fehlerquote sei vergleichbar mit der Einführung der größeren 777.

Der „Dreamliner“ steht allerdings nicht ohne Grund unter besonderer Beobachtung, denn er hatte bereits in der Entwicklung große Probleme bereitet. In dem Modell werden großflächig leichte Verbundwerkstoffe verbaut, während herkömmliche Flugzeuge aus Aluminium bestehen. Zudem hat der Computer noch mehr Steuerungsaufgaben übernommen.

Die Verbundwerkstoffe, so sehr sie die Entwickler forderten, machen im laufenden Betrieb jedoch bislang keine Schlagzeilen. Stattdessen sind es vor allem die Elektrik und die Mechanik.

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