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26.10.2015

15:29 Uhr

Luxus-Modell Phaeton schwächelt

Eine Stadt bangt um das VW-Spitzenmodell

Das VW-Luxus-Modell Phaeton aus der Gläsernen Manufaktur in Dresden schwächelt – nun soll es elektrisch werden. Wann es soweit sein wird, ist aber noch unklar. Dresden bangt um ein Aushängeschild, die Mitarbeiter hoffen.

Nicht nur für die Marke VW und den Konzern ist die Gläserne Manufaktur mit der transparenten Autoproduktion ein Aushängeschild. dpa

Gläserne Manufaktur in Dresden

Nicht nur für die Marke VW und den Konzern ist die Gläserne Manufaktur mit der transparenten Autoproduktion ein Aushängeschild.

DresdenNahezu lautlos gleiten die schwarz-glänzenden Nobelkarossen an Fließbändern über den Boden. An jeder Station stehen Monteure in weißen Overalls, die Hände stecken in weißen Handschuhen. Bedächtig und Schritt für Schritt lassen die Arbeiter das Innenleben der Phaetons wachsen – sie bauen in der Gläsernen Manufaktur in Dresden das Spitzenprodukt der Kernmarke VW.

Eigens für den Phaeton wurde der Glaskasten errichtet, seit 2001 ist der wuchtige Luxuswagen aus Sachsen das Aushängeschild des Konzerns. „Es ist vor allem die Atmosphäre der Ruhe und Klarheit, die eher an einen Operationssaal erinnert“, heißt es auf der Homepage der Gläsernen Manufaktur. Doch mit der Ruhe ist es vorbei – nicht nur wegen des Bekanntwerdens der Abgas-Affäre Mitte September.

„Wir waren natürlich erst einmal schockiert, als wir davon erfahren haben“, beschreibt es einer der VW-Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen möchte. Eine Zeit lang hat der 42-Jährige in der Manufaktur gearbeitet, auch seine Familie lebt in Dresden. Seit Monaten pendelt er nun aber in das Zwickauer Werk – gut eine Autostunde von der sächsischen Landeshauptstadt entfernt. So wie er werden mittlerweile ein Teil der 500 Beschäftigten an andere Standorte ausgeliehen. „Das muss man auch positiv sehen, keiner von uns ist arbeitslos geworden.“

Es ist kein Geheimnis, dass sich der Phaeton nicht so gut verkauft wie erwartet. Heute werden gerade einmal acht Luxuslimousinen am Tag montiert. 4000 Phaetons liefen 2014 vom Band, 2011 waren es noch 11.166. Weil die Produktion nicht ausgelastet ist, wird seit 2013 auch die Bentley-Luxuslimousine Flying Spur in Dresden gefertigt.

Hieß es nach der Abgas-Affäre zunächst, dass das geplante Nachfolgemodell mit Verbrennungsmotor auf dem Prüfstand stehe, ist nun klar: Der neue Phaeton kommt – und er wird elektrisch. Langstreckentauglich soll er sein und neu definiert werden, kündigte VW-Markenchef Herbert Diess kürzlich an.

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Quelle: dpa

Mit welchen Kosten muss VW rechnen?

Darüber rätseln Beobachter derzeit. Bislang bekannt ist: Volkswagen hat 6,5 Milliarden Euro für Kosten aus dem Abgas-Skandal zurückgelegt. Das Geld ist aber wohl in erster Linie für eine technische Umrüstung der Autos mit Manipulations-Software bestimmt, wie Finanzchef Hans Dieter Pötsch laut dem Fachblatt „Auomobilwoche“ kürzlich vor VW-Managern erklärte. Unklar ist, welche Strafzahlungen auf VW zukommen. Dazu dürften noch mindestens drei andere mögliche Kostenblöcke kommen: Strafzahlungen, Schadenersatzforderungen, Anwaltskosten. Wie hoch diese Ausgaben sein werden, lässt sich derzeit nur grob schätzen. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet derzeit mit einem Schaden von 47 Milliarden Euro für den Konzern. Ein möglicher Imageverlust und damit verbunden ein Rückgang der Autoverkäufe ist dabei noch nicht eingerechnet. Allerdings werden die Kosten wohl nicht auf einmal anfallen, sondern sich über Jahre verteilen.

Wie viel Geld hat VW auf der hohen Kante?

Vergleichsweise viel. VW hat sich in den vergangenen Jahren ein stattliches Kapitalpolster zugelegt. Zur Jahresmitte hatte der Konzern rund 18 Milliarden Euro Bargeld auf dem Konto. Das ist mehr als ganze Dax-Konzerne wie Adidas oder Lufthansa einzeln an der Börse wert sind. „Über den Daumen gepeilt kann VW davon die Hälfte verwenden, um mögliche Kosten zu begleichen“, sagt Nord-LB-Analyst Frank Schwope. Dazu kommen bei VW noch schnell veräußerbare Wertpapiere über 15 Milliarden Euro und Schätzungen zufolge mindestens 5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Beteiligungen am ehemaligen Partner Suzuki und an einer niederländischen Leasingfirma.

Könnte VW durch den Abgasskandal pleitegehen?

Das ist sehr unwahrscheinlich. VW könnte sich über Anleihen und Kredite Geld leihen, auch wenn einige Ratingagenturen ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit des Konzerns zuletzt angepasst hatten. Wenn es irgendwann hart auf hart käme, könnte Volkswagen immer noch sein Tafelsilber verkaufen. Am einfachsten ließen sich wohl die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini aus dem Konzern herausnehmen. Nord-LB-Analyst Schwope schätzt den möglichen Verkaufserlös für die drei Marken und den Motorradhersteller Ducati auf 5 bis 10 Milliarden Euro. Durch einen Verkauf der Lastwagenbauer MAN und Scania ließen sich nach seinen Berechnungen sogar 30 bis 35 Milliarden Euro erzielen. Das wertvollste Juwel in der Sammlung, den Sportwagenbauer Porsche, dürften die VW-Anteilseigner kaum abgeben wollen.

Könnte sich Volkswagen über eine Kapitalerhöhung Geld besorgen?

Nur begrenzt. Eine Kapitalerhöhung - also die Ausgabe neuer Aktien - ist bei VW nicht so leicht wie in anderen Konzernen. Damit die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner ihre Macht im Konzern nicht verlieren, darf sich deren jeweiliger Anteil an den Stammaktien nicht stark verringern. Vor allem Niedersachsen dürfte aber derzeit kaum ein Interesse daran haben, weitere Stammaktien zu kaufen und Geld in den VW-Konzern zu stecken. VW könnte deshalb wohl höchstens neue Vorzugsaktien ausgeben, das sind Aktien ohne Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Konzerns. Laut Aktiengesetz darf die Zahl dieser Vorzugsaktien die Zahl der Stammaktien allerdings nicht übersteigen. VW könnte deshalb höchstens rund 114 Millionen neue Aktien ausgeben und damit auf Basis derzeitiger Kurse rund 11 Milliarden Euro einsammeln.

An welchen Stellen kann VW für die Bewältigung der Krise sparen?

In der Regel setzen Sparmaßnahmen bei großen Konzernen zuerst bei den Mitarbeitern an: Weniger Gehalt, Einstellungsstopps, bis hin zu Stellenstreichungen und Entlassungen. Bei Volkswagen wäre das allerdings nicht so einfach. Die Arbeitnehmervertreter haben in Wolfsburg deutlich mehr Macht als in anderen Konzernen. Einfacher wäre die Kürzung geplanter Investitionen. Hier hatte Volkswagen angepeilt, bis 2019 eine Summe von mehr als 100 Milliarden Euro in Standorte, Modelle und Technologien zu stecken. Laut Experte Schwope könnte VW hier den Rotstift ansetzen und so 2 Milliarden Euro jährlich sparen, vor allem bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Nur: Dann besteht die Gefahr, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Der Zeitpunkt wäre denkbar ungünstig - die Autoindustrie steht durch Digitalisierung und Elektroantriebe vor einem Umbruch.

Wann der Wagen nun aber tatsächlich auf den Markt kommt, ist noch ungewiss – aus Kreisen des Konzerns heißt es: frühestens 2019. Unklar ist auch, was die neuerliche Verschiebung für Dresden bedeutet.

„Jetzt wird man sich mit bestimmten Konzepten beschäftigten, was wir als Übergangsszenarien machen können“, sagt Jens Rothe, Betriebsratsvorsitzender von VW Sachsen. Es gebe viele Ideen, noch sei aber keine spruchreif. „Alle Parteien sind sich aber der Verantwortung bewusst, da werden wir eine Lösung finden“, gibt sich Rothe zuversichtlich.

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