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28.12.2012

16:12 Uhr

Luxusliner „Oasis“

STX France sichert sich Milliarden-Auftrag

Die französische Werft STX France wird den Luxusliner „Oasis“ bauen. Der Auftrag soll dem Unternehmen mehr als eine Milliarde Dollar einbringen. Es ist der erste Auftrag für die Werft seit zwei Jahren.

Der Luxusliner „Europa 2“, der derzeit von der STX France-Werft renoviert wird. Die Werft hat sich einen Milliarden-Auftrag gesichert. AFP

Der Luxusliner „Europa 2“, der derzeit von der STX France-Werft renoviert wird. Die Werft hat sich einen Milliarden-Auftrag gesichert.

ParisDer umkämpfte Auftrag für eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt geht nach Frankreich: Die Werft STX France im westfranzösischen Saint-Nazaire werde den 361 Meter langen und 47 Meter breiten Luxusliner vom Typ „Oasis“ für das US-Kreuzfahrtunternehmen Royal Caribbean International bauen, teilte STX am Freitag mit. Der Auftrag in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro sichert laut französischer Regierung mehr als zehn Millionen Arbeitsstunden für die Werft und ihre Zulieferer. Auch eine finnische Werft von STX hatte auf den Auftrag gehofft.

In Saint-Nazaire, wo 2100 Menschen direkt bei der Werft und 4000 weitere bei Zulieferern beschäftigt sind, war die Erleichterung groß. Denn in den vergangenen zwei Jahren hatte die Werft STX France keinen neuen Auftrag mehr an Land gezogen, ohne den Bau des neuen Kreuzfahrtschiffes wäre das Unternehmen vermutlich in Schwierigkeiten geraten. „Wir sind sehr zufrieden, die Konkurrenz mit Finnland war hart“, sagte STX-Generaldirektor Laurent Castaing dem Fernsehsender I-Tele.

Das riesige Kreuzfahrtschiff soll Mitte 2016 vom Stapel laufen. Außerdem sicherte sich STX France die Option auf den Bau eines zweiten Ozeanriesen bis Mitte 2018. Bei der 1861 gegründeten Traditionswerft in Saint-Nazaire, die schon berühmte Kreuzfahrtschiffe wie die „Queen Mary 2“ (2002) gebaut hat, war es zuletzt teilweise zu Kurzarbeit und bei einigen Zulieferern sogar schon zu Entlassungen wegen der schlechten Auftragslage gekommen.

Freude über den Auftrag herrschte daher auch bei der sozialistischen Regierung in Paris, deren Hauptziel es im nächsten Jahr ist, die unablässig steigende Arbeitslosigkeit in Frankreich in den Griff zu bekommen. Regierungschef Jean-Marc Ayrault sprach im Sender RTL von einer „Sauerstoffzufuhr“ und „viel Hoffnung“ für die Region sowie die französische Industrie insgesamt.

Die größten Werft-Pleiten Deutschlands

Mai 1996

Der Bremer Vulkan geht als größter deutscher Werftenverbund in Konkurs. Knapp 2000 Beschäftigte verlieren ihren Job. Der Konzern hatte umgerechnet mindestens 435 Millionen Euro Subventionen zweckentfremdet, die eigentlich für Tochterfirmen in Ostdeutschland bestimmt waren. Der im Herbst 1995 zurückgetretene Vorstandschef Friedrich Hennemann und zwei weitere Mitarbeiter werden später wegen Untreue zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Februar 2004

Die Lloyd Werft Bremerhaven mit rund 500 Beschäftigten beantragt Insolvenz. Die finanziellen Probleme entstanden vor allem durch die Havarie des gekenterten Kreuzfahrtschiffes „Pride of America“. In der Folgezeit gelingt die Sanierung des Unternehmens, 2006 steigen die italienische Staatswerft Fincantieri und eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Bremen als Gesellschafter ein. 2011 arbeiten 200 Menschen bei Lloyd.

September 2008

Die Kieler Traditionswerft Lindenau stellt Insolvenzantrag. Die auf Doppelhüllen-Tanker spezialisierte Werft verfügt nach eigenen Angaben über Aufträge von zusammen 225 Millionen Euro. Anfang 2012 geht der Millionenauftrag für eine größere Reparatur des Marine-Segelschulschiffes Gorch Fock an die Konkurrenz. Von den ehemals 370 Beschäftigten arbeiten noch 38 bei Lindenau.

Januar 2009

Die Bremerhavener Schichau Seebeck Werft meldet Insolvenz an. Offene Verbindlichkeiten bei Lieferanten konnten trotz eines gut gefüllten Auftragsbuches nicht beglichen werden. Auf der Werft arbeiten mehr als 300 Beschäftigte. Kurz darauf wird die Werft geschlossen.

Juni 2009

Für die Wadan-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde wird trotz staatlich verbürgter Kredite in dreistelliger Millionenhöhe Insolvenz beantragt. Es scheitern zunächst alle Versuche, vorhandene Aufträge zu sichern und neue Investoren zu finden. Im August stimmt der Gläubigerausschuss dem Verkauf an den russischen Investor Igor Jussufow zu, der mit 40,5 Millionen Euro einsteigt. Auf den später in Nordic Yards umbenannten Werften arbeiten 2011 noch knapp 970 der einst 2400 Beschäftigten.

November 2011

Deutschlands älteste Werft, die Hamburger Sietas-Gruppe, geht in die Insolvenz. Im Juni 2012 wird das Unternehmen zerschlagen: Die Sietas-Werft geht an die niederländische Veka-Gruppe. Die Bremer Lürssen-Gruppe übernimmt die Reparaturwerft Norderwerft. Die norwegische TTS Group ASA erhält den Zuschlag für die Neuenfelder Maschinenfabrik. Seit dem Insolvenzantrag sind 350 der ehemals 1000 Arbeitsplätze gestrichen worden.

29. August 2012

Die P+S-Werften stellen beim Amtsgericht Stralsund einen Insolvenzantrag für die beiden Schiffbaubetriebe in Stralsund und Wolgast. Knapp 2000 Beschäftigte bangen um ihre Jobs.

Finanzminister Pierre Moscovici und Außenhandelsministerin Nicole Bricq erklärten gemeinsam: „Dieser Vertrag von mehr als einer Milliarde Euro bedeutet mehr als zehn Millionen Arbeitsstunden in den nächsten drei Jahren für die Atlantikwerft und ihre Zulieferer.“ Sie bezogen sich damit auf den Auftrag für ein Schiff. Falls auch das zweite Kreuzfahrtschiff definitiv in Saint-Nazaire gebaut würde, kämen noch entsprechend Arbeitsstunden hinzu.

Die beiden ersten Kreuzfahrtschiffe vom Typ „Oasis", die „Oasis of the Seas" und die „Allure of the Seas", sind die weltweit größten Schiffe. Sie wurden 2009 und 2010 in Finnland ausgeliefert. Mit 2700 Kabinen und 16 Brücken ausgestattet können sie bis zu 5400 Passagiere und 2100 Besatzungsmitglieder aufnehmen. Sie sind mit unterschiedlichsten, teils spektakulären Freizeitangeboten ausgestattet, vom Wellenbad über Kletterwände bis hin zu Eislaufbahnen. Beide Schiffe sind in Florida in den USA beheimatet.

STX France gehört zu 66 Prozent zu STX Europe, einer Filiale der südkoreanischen STX Shipbuilding. Der französische Staat ist zu 33 Prozent an STX France beteiligt.

Von

afp

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