Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.03.2017

12:50 Uhr

Machtkampf bei VW

Der brüchige Frieden von Wolfsburg

VW-Markenchef Diess bietet den mächtigen Gewerkschaftern die Stirn. Hinter den Kulissen wird bei Deutschlands größtem Autokonzern um den Zukunftspakt gerungen. Kommt es in Wolfsburg zum großen Knall?

Bei der VW-Kernmarke ringen Markenchef Herbert Diess (links) und Betriebsratschef Bernd Osterloh (rechts) über die Zukunft. Konzernchef Matthias Müller muss moderieren. dpa

Müller in der Mitte

Bei der VW-Kernmarke ringen Markenchef Herbert Diess (links) und Betriebsratschef Bernd Osterloh (rechts) über die Zukunft. Konzernchef Matthias Müller muss moderieren.

HamburgBei Volkswagen herrscht eine trügerische Ruhe: Betriebsratschef Bernd Osterloh und VW-Markenchef Herbert Diess haben zwar ihren Streit über den Umbau der schwächelnden Marke öffentlich beigelegt. Doch Kenner bezweifeln, dass der Frieden von Wolfsburg von Dauer ist. „Es wird weitere Reibungspunkte geben“, prophezeit ein hochrangiger Manager. Bei dem Plan, mit Kostensenkungen die Rendite der Kernmarke zu steigern, fordert Diess ein hohes Tempo und rüttelt dabei am Machtanspruch der IG Metall und des Betriebsrats. Ob er sich damit durchsetzen kann, steht allerdings in den Sternen. Er hat zwar die Rückendeckung der Eignerfamilien Porsche und Piëch und des Konzernvorstands. Die Mehrheit der Stimmen im Aufsichtsrat haben jedoch die Arbeitnehmer gemeinsam mit dem Land Niedersachsen.

Diess rührt an einen empfindlichen Nerv des Wolfsburger Konzerns, wenn er den Einfluss des Betriebsrat zurückdrängen will. Denn bei Volkswagen haben die Arbeitnehmerrechte historisch eine besonders starke Stellung. Schon früher hatten sich Manager die Zähne daran ausgebissen. Ein prominentes Opfer war einst Diess' Vorvorgänger Wolfgang Bernhard. Der musste vor zehn Jahren seinen Hut nehmen, weil er mit Produktionsverlagerungen drohte.

Um einem ähnlichen Schicksal zu entgehen, schloss Diess Frieden mit Osterloh. Er sagte zu, beim Abbau der Leiharbeiter nicht so schnell vorzugehen, wie er anfangs geplant hatte - und beugte sich damit den Forderungen der Arbeitnehmervertretung. „Mir ist klar, dass auch ich mit meinen Äußerungen zu IG Metall und Betriebsrat manche Irritationen ausgelöst habe. Das bedauere ich.“ Die Mitbestimmung bei Volkswagen sei ein „Grundpfeiler des Unternehmens“, sagte der Manager in einem Doppelinterview mit Osterloh der VW-Mitarbeiterzeitung. Der Betriebsratschef erklärte im Gegenzug die Unstimmigkeiten für beendet: „Wir hatten eher ein Gewitter als einen Platzregen.“ Beides führe bekanntlich zu einer Verbesserung des Klimas. Osterloh wollte damit auch klar machen, wer in Wolfsburg das Sagen hat.

Investoren monieren schon länger die Dominanz des VW-Betriebsrats. „Niedersachsen und die Gewerkschaften müssen anerkennen, dass ein erfolgreiches Automobilunternehmen auf Dauer nicht mit Renditen von zwei Prozent überleben kann“, sagte Ben Walker, Partner des Hedgefonds TCI, vor einem Jahr. Das Land ist mit 20 Prozent der Stimmrechte zweitgrößter Aktionär nach der Familienholding Porsche SE und kann aufgrund seiner Sonderstellung wichtige Entscheidungen blockieren. Zusammen stellen Arbeitnehmer und Niedersachsen zwölf der 20 Mitglieder im Aufsichtsrat.

VW-Kritiker wie TCI und der Investmentberater Evercore ISI werfen dem früheren Management um Konzernchef Martin Winterkorn vor, es sei zu sehr den Wünschen der Gewerkschaft gefolgt und habe sich damit zulasten der Anleger Ruhe im Unternehmen erkauft. Seit dem Dieselskandal ist in Wolfsburg jedoch nichts mehr wie früher. Konzernchef Matthias Müller hat die zentrale Führung des Konzerns abgeschafft und gibt den einzelnen Marken und Regionen mehr Entscheidungsspielraum.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×