Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2010

12:21 Uhr

Magazinbericht

Airbus-Probleme gehen über A400M hinaus

Der europäische Flugzeughersteller Airbus droht sich einem Medienbericht zufolge mit seiner Programmvielfalt zu übernehmen. Konzernchef Thomas Enders berfürchtet demnach ein personelles „Overstretching“ durch zu viele gleichzeitige Projekte. Auch der A380 scheine ein Fass ohne Boden zu sein, soll ein Airbus-Manager dem Bericht zufolge gesagt haben.

Airbus-Chef Thomas Enders befürchtet laut "Wirtschaftswoche", dass sich der Konzern übernimmt. Reuters

Airbus-Chef Thomas Enders befürchtet laut "Wirtschaftswoche", dass sich der Konzern übernimmt.

DÜSSELDORF/BERLIN. Wie die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf Unternehmenskreisen berichtet, befürchtet Airbuschef Thomas Enders ein finanzielles und personelles "Overstretching, "durch zu viele gleichzeitig Ressourcen fressende Entwicklungsprogramme". Enders wird nach Informationen des Magazins am kommenden Dienstag beim Neujahrsempfang in Sevilla eine hochkritische Lage für Airbus schildern. So drohen Airbus nicht nur beim Militärtransporter A400M Mehrausgaben. Auch beim Airbus-Jumbo A380 laufen die Kosten weiter aus dem Ruder. "Die Produktion des Flugzeugs stagniert, weil der Hochlauf wegen weiterhin vieler Probleme in der Produktion noch immer nicht geschafft ist", sagt ein Manager: "Es drohen erhebliche Zusatzkosten und das Flugzeug scheint ein Fass ohne Boden zu sein", fügt er hinzu. Beim Langstreckenflugzeug A350 fürchten Skeptiker im Unternehmen, "dass auch dieses Projekt in die Krise gerät".

Schwacher Dollar belastet Unternehmensgewinn

Zudem wird nach Unternehmensschätzungen - wie 2009 - auch 2010 der Gewinn durch den schwachen Dollar um eine Mrd. Euro gedrückt. Airbus erwartet aufgrund der Probleme und Verzögerungen sowie der zurückgehenden Erträge der krisengeschüttelten Airlines außerdem massive Abbestellungen. Gleichzeitig muss Airbus bis 2013 fünf Mrd. Euro in die Entwicklung des neuen Langstreckenfliegers A350 stecken. Zusammen mit den Kosten für den A380 und dem A400M ist so viel Geld in Entwicklungen gebunden, dass die Belastungen höher werden könnten als die flüssigen Mittel. "Die Probleme könnten das Unternehmen mit der Unerbittlichkeit eines Schraubstocks erdrücken", sagt Denis Gönner, Luftfahrtexperte der internationalen Unternehmensberatung Celerant, der "Wirtschaftswoche".

Auch deshalb bereitet sich Enders konkret auf den Entwicklungsstopp des Militärtransporters A400M vor. Sollten sich die sieben Bestellerländer - vor allem Deutschland, Frankreich und Großbritannien - nicht bis Ende Januar darauf einigen, einen wesentlichen Anteil an den Mehrkosten zu übernehmen, will Enders wichtige Mitarbeiter und Entwicklungsgelder vom A400M abziehen und für den ebenso wichtigen Langstreckenjet A350 verwenden. Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" von hochrangigen Managern gibt es bereits ein konkretes Ausstiegsszenario und konkrete Vorbereitungen. So gibt es bereits eine Liste von rund 100 Ingenieuren, die am 1. Februar vom A400M abgezogen werden und in die Entwicklung des A350 versetzt werden. Nach internen Berechnungen wäre ein Ausstieg aus dem A400M für EADS trotz fälliger Zahlungen günstiger als eine Fortsetzung der Entwicklung auf eigene Kosten. Sollten die Bestellerländer nicht die geforderten 5,3 Mrd. Euro Mehrkosten tragen, die EADS einfordert, "wäre es für uns billiger, das Projekt einzustellen, auch wenn wir dann einige Mrd. Anzahlungen zurückerstatten müssten", sagte ein hochrangiger Airbus-Manager dem Magazin.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

no.7

11.01.2010, 00:37 Uhr

Vollkommen typisch: Großspurige ankündigungen, unrealistische, gar nicht erreichbare Zielsetzungen- alles nur blenderei und hinterher klappt es nicht. Nur damit man angeben kann : Seht mal, wir bauen den Superjumbo weltweit das größte und beste, was es gibt.wenn es dann nicht läuft, stehen sie da und gucken dumm. Die Politik ist nicht besser: Für Milliardengelder neue transporter bestellen. ist das überhaupt nötig ? Kann man nicht ein modell, das eben vor 30 Jahren konstruiert wurde, weiterverwenden ? Wieso denn nicht ? Wir im westen müssen nicht immer das neueste und teuerste haben, ich glaube das sollten wir uns abgewöhnen. denn wir haben beim Zahlen immer größere Schwierigkeiten hier, das geld kann nicht mehr aufgebracht werden in der Zukunft. Daher: schaltet auch beim Militär mal einen Gang zurück, nicht bloß bei sozialleistungen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×