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27.11.2012

12:54 Uhr

Mahindra & Mahindra

Inder greifen nach Aston Martin

VonTobias Döring

Statt „very british“ künftig indisch? Die Hälfte des britischen Sportwagenherstellers Aston Martin könnte an Mahindra & Mahindra gehen. Die Inder haben Erfahrung mit Übernahmen – und mit Traktoren.

Der berühmte Aston Martin DB5, zu sehen im James Bond „Goldfinger“. dpa

Der berühmte Aston Martin DB5, zu sehen im James Bond „Goldfinger“.

DüsseldorfAls James Bond im Jahr 1965 in „Goldfinger“ in einem Aston Martin DB5 über die Leinwände deutscher Kinos brauste, war die Welt des Sportwagenbauers noch „very british“. Der Brite David Brown hatte das 1913 auf Insel gegründete Unternehmen nach dem Krieg übernommen. Und Sean Connery präsentierte den edlen DB5 als Geheimagent ihrer Majestät nun der ganzen Welt.

Doch die goldenen britischen Zeiten gingen schnell vorbei. David Brown verkaufte Aston Martin 1972 in höchster Not, der Autobauer wechselte ein ums andere Mal den Besitzer bis schließlich Ende der 1980er-Jahre Ford einstieg. Vor fünf Jahren kam ein weiterer Schnitt in der ereignisreichen Geschichte des Unternehmens hinzu, als kuwaitische Investoren die Sportwagenschmiede übernahmen.

Die Investitionsgesellschaft Investment Dar von der arabischen Halbinsel hat seither das Sagen am Firmensitz in Gaydon. Von „very british“ kann auf der Besitzerseite also schon lange nicht mehr die Rede sein.

Bald könnte Aston Martin sogar zur Hälfte indisch werden. Denn Mahindra & Mahindra (M & M) buhlt kräftig um einen Anteil von 50 Prozent am Unternehmen. Laut einer den Verhandlungen nahestehenden Person hat der indische Autobauer ein Angebot der italienischen Beteiligungsgesellschaft Investindustrial von bis zu 250 Millionen Pfund (309 Millionen Euro) überboten.

Asiens Autohersteller

Wachstumsstark und clever

Viele kleinere Autohersteller aus Fernost haben Ambitionen, sich in den nächsten Jahren zu Weltmarken zu entwickeln:

SAIC (China)

Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) ist in Deutschland als VW-Partner bekannt, zeigt aber immer mehr Eigenständigkeit. 2011 wurden mehr als vier Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

SAIC (China)

Damit hat sich der Absatz seit 2005 vervierfacht. SAIC könnte als einer der ersten chinesischen Anbieter auf dem Weltmarkt bestehen. In Großbritannien verkauft SAIC unter der zugekauften Marke MG Rover bereits Autos.

BAIC (China)

Die Beijing Automotive Industry Corporation Group (BAIC Group) ist das Pekinger Gegenstück zu SAIC. BAIC kooperiert mit Daimler und Hyundai. In Europa ist sie zuletzt als möglicher Käufer für die schwedische Marke Saab ins Gespräch gekommen.

BAIC (China)

Der fünftgrößte chinesische Autobauer ist eine Kooperation mit der russischen AMS Group eingegangen, um den Markt des Nachbarlands für die eigenen Produkte zu erschließen.

Chery (China)

Chery ist wie BAIC und SAIC ein Staatsbetrieb, kommt aber etwas flippiger daher und ist der Exportchampion unter den Chinesen. Das Unternehmen setzt konsequent auf Absatz in anderen Schwellenländern und betreibt eigene Fabriken beispielsweise in Indonesien, der Ukraine oder der Türkei.

Chery (China)

Mit rund 800 000 abgesetzten Autos liegt Chery im chinesischen Ranking auf Platz sieben. Durch konsequente Ausgaben für eigene Entwicklung sichert sich der Anbieter eine solide Position im unteren Marktsegment.

Geely (China)

Der Ehrgeizling unter Chinas Autofirmen befindet sich nicht in Staatshand, sondern ist ein Privatunternehmen. Im Laufe des Jahres will das Unternehmen sein Topmodell Emgrand in Großbritannien und Italien auf den Markt bringen.

Geely (China)

Das ist konsequente Fortsetzung einer Strategie, die sich bereits 2010 im Kauf der schwedischen Traditionsmarke Volvo gezeigt hat: nicht kleckern, sondern klotzen – und konsequent auf Qualität setzen.

Tata (Indien)

Indiens wichtigstes Industrieunternehmen Tata strebt längst nach mehr als nur dem Rang eines regionalen Marktführers. Mit der Übernahme der britischen Luxusmarken Jaguar und Land Rover schrieb das Unternehmen 2008 Industriegeschichte.

Tata (Indien)

Der Konzern stellt im Jahr nur gut eine Million Fahrzeuge her. Doch mit Jaguar und Land Rover setzen die Inder auf internationales Wachstum und wollen zum ernst zu nehmenden Rivalen von BMW werden.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Für VW-Boss Martin Winterkorn ist er einer der gefährlichsten Konkurrenten: Hyundai-Kia ist auf dem Vormarsch. Der fünftgrößte Autokonzern will 2012 erstmals die Sieben-Millionen-Schwelle überschreiten. Die Koreaner zählen zu den am schnellsten wachsenden Autokonzernen der Welt.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Im vorigen Jahr steigerte der Konzern seinen Absatz weltweit um 15 Prozent. Hyundai-Kia verzeichnete damit drei Jahre hintereinander je zweistellige Zuwachsraten.

Den Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hat M & M die schlechteren Karten im Bieterkampf. Die Italiener sollen sich bei ihrem Vorhaben die technische Unterstützung von Mercedes gesichert haben. Von 2006 bis zum April dieses Jahres war Investindustrial zudem Inhaber von Ducati, bevor die Gesellschaft um die italienische Familie Bonomi den Motorradhersteller an Audi weiterverkaufte.

Doch auch M & M hat Erfahrung mit Übernahmen. 2012 erwarben die Inder für rund 340 Millionen Euro 70 Prozent des südkoreanischen Autobauers Ssangyong. Mit M & M erhielte Aston Martin zudem eine Mutter, die über eine ähnlich lange Tradition verfügt. Das Unternehmen wurde 1945 von den Mahindra-Brüdern gegründet und ist noch heute in Familienhand.

Aston Martin Vanquish: Ein Hauch von Bond

Aston Martin Vanquish

Ein Hauch von Bond

Aston Martin kennen viele nur aus dem Kino. Sean Connery jagte als 007 schon 1964 in "Goldfinger" in dem britischen Boliden über die Leinwand. Und nun gibts mit dem Vanquish ein neues Flaggschiff. Erste Fahreindrücke.

Besonders bekannt ist der indische Autobauer für seine Geländewagen. Seit den 1970er-Jahren arbeitet M & M mit der Marke Jeep zusammen. Heute baut das Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern Geländewagen wie den Thar oder SUVs wie den XUV 500. Insgesamt hat M & M rund 15 Modelle für den Personentransport und ein gutes halbes Dutzend Nutzfahrzeuge im Programm.

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