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13.01.2005

07:51 Uhr

MAN-Chef muss Mischkonzern auf Profit trimmen

Freie Bahn für den kühlen Schweden

VonMartin-W. Buchenau

Hakan Samuelsson mag kein Blitzlichtgewitter und auch keine langen Reden. Doch wenn der stets verbindliche und freundliche Schwede etwas sagt, dann muss man schon genau hinhören. Bereits vor seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn ließ der ehemalige Scania-Manager durchblicken, dass unter ihm der Wind kühler wird. „Es wird keinen Holding-Rabatt mehr geben“, betonte Samuelsson. Alle Töchter müssten künftig auf eigenen Beinen stehen.

MÜNCHEN. Sein väterlicher Vorgänger Rudolf Rupprecht, der seine gesamte Karriere bei MAN verbrachte, hatte immer mal wieder Gnade vor Recht ergehen lassen. Nicht profitable Bereiche wurden bisweilen quersubventioniert. Rupprecht bezeichnete die Konzernfinanzierung immer als eine der Stärken des Unternehmens, besonders für die kleineren Sparten. Investmentbankern und Finanzinvestoren war das immer ein Dorn im Auge.

Samuelsson ist es von Scania gewohnt, einen Konzern streng auf Rendite zu trimmen. Das wird künftig noch wichtiger sein, als ihm vielleicht lieb ist. „Wir begrüßen den Schritt von Allianz, Münchener Rück und Commerzbank, sich von ihrem Paket zu trennen“, sagte ein MAN-Konzernsprecher. Vorteile sind der breitere Streubesitz, mehr Gewicht im Dax und dadurch Potenzial für die Aktie, wie Analysten bestätigen. Aber es gibt auch keine schützende Hand mehr.

MAN galt immer wieder als Übernahme- und Zerschlagungsziel, weil die Einzelteile in der Summe als wertvoller angesehen werden als die Bewertung des Konzerns. Samuelsson bleibt jetzt nur noch die Flucht nach vorn. Die Logik ist simpel: je profitabler das Unternehmen, desto höher der Aktienkurs, desto unwahrscheinlicher eine Übernahme. Er wird seine Ziele noch forscher angehen müssen als ohnehin geplant.

Mit seinen bei Scania erprobten Rezepten hat er die Nutzfahrzeugsparte wieder auf Kurs gebracht. Das war sein Ticket für den Chefsessel. Weil der aussichtsreiche Druckmaschinen-Chef Gerd Finkbeiner zur falschen Zeit patzte, ging kein Weg mehr an dem Schweden vorbei. Zähneknirschend mussten auch die Arbeitnehmer zustimmen, drohte doch sonst ein Chef ganz von außen. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzenden Gerlinde Strauss-Wiezorek ist klar, dass man sich mit Samuelsson auf einen harten Partner einstellen muss.

Mit Samuelsson kommt Phantasie bei den Investoren auf, dass der Mischkonzern noch mehr auf Trab gebracht wird. Ohne Großaktionär wird der Schwede künftig aber auch freier in seinen Entscheidungen. Noch im ersten Halbjahr will er dank starker Nachfrage über ein neues LKW-Werk entscheiden. Samuelsson hat schon angekündigt, dass das wegen der hohen Kosten nicht in Deutschland gebaut wird. Das wird die erste Kröte sein, die die Arbeitnehmervertreter schlucken müssen. Denn der Konzern verdient gut in diesem Jahr und befindet sich bereits auf dem besten Weg zur angestrebten Profitabilität.

Für die angeschlagenen Sparten wie die Raumfahrttochter MAN- Technologie dürften harte Zeiten anbrechen. Und auch der Bereich Rollendruckmaschinen muss sich beeilen, wieder schwarze Zahlen vorzuweisen. Verlagerungen sind sonst für den Konzernchef kein Tabu. Das hat er bei der Busfertigung schon bewiesen. Samuelsson wird die Standhaftigkeit eines Elchs nachgesagt.

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