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17.09.2012

15:15 Uhr

MAN greift Daimler an

Das ungleiche Elefantenrennen

VonLukas Bay

MAN will Daimler bis 2020 als Nummer eins der Nutzfahrzeughersteller ablösen. Doch bisher fehlt der VW-Tochter dafür die internationale Präsenz. Daimler kann der Drohung daher gelassen gegenüber stehen.

Ein Lkw von MAN: Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr um 38 Prozent eingebrochen. dpa

Ein Lkw von MAN: Operatives Ergebnis im ersten Halbjahr um 38 Prozent eingebrochen.

Hannover „Wir wollen Daimler herausfordern“, sagt MAN-Lkw-Chef Anders Nielsen im Interview mit dem Handelsblatt. Die Kampfansage kurz vor Beginn der größten deutschen Nutzfahrzeugmesse IAA in Hannover kommt nicht von ungefähr: Mit der Rückendeckung des Mutterkonzerns aus Wolfsburg will MAN den Druck auf die Konkurrenz erhöhen. MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen hatte bereits zu Beginn des Jahres die Maßgabe ausgegeben, bis 2020 zur Nummer eins im Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge aufsteigen zu wollen.

Im Interview mit Handelsblatt Online gibt sich Daimlers Lkw-Europa-Chef Hubertus Troska angesichts der neuen Konkurrenz aus Wolfsburg gelassen. „Als Marktführer bin ich eigentlich ständig in der Situation, dass irgendeiner angreift“, sagt er. Er sehe nicht, dass sich die Spielregeln dadurch kurzfristig ändern würden. Selbst in der Daimler-Transporter-Sparte, die unter anderem den Crafter im Auftrag von VW fertigt, herrscht angesichts des neuen Selbstbewusstseins in Wolfsburg keine Panikstimmung. Notfalls käme man auch ohne Volkswagen zurecht, sagt Daimler-Transporter-Chef Volker Mornhinweg.

Daimler Lkw-Chef: „Als Marktführer wird man immer angegriffen“

Daimler Lkw-Chef

„Als Marktführer wird man immer angegriffen“

MAN und Scania wollen Daimler von der Truck-Spitze verdrängen. Im Interview spricht Daimler Lkw-Chef Troska über die neue Konkurrenz, die Herausforderungen der Branche und die Zukunftsantriebe für Lkws.

Die öffentliche Gelassenheit können sich die Daimler-Chefs derzeit noch leisten. Während das operative Ergebnis von MAN im ersten Halbjahr um 38 Prozent eingebrochen ist, konnte Daimler seinen Umsatz und Gewinn steigern. In den ersten sechs Monaten setzt Daimler weltweit rund 270.000 Lkws ab – etwa 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine Aufholjagd sieht anders aus. Zwar ist auch Daimler nicht immun gegen die Krise und erwartet für das laufende Jahr sinkende Absätze in Europa. Doch weil die Stuttgarter global deutlich stärker aufgestellt sind, können sie die Nachfrageschwäche auf dem Heimatmarkt besser abfedern.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.


Um tatsächlich gegen Daimler bestehen zu können, wollen die Wolfsburger darum ihre Präsenz auf den Weltmärkten ausbauen, ihre Produktpalette erweitern und eine schlagkräftige Allianz aus MAN, dem schwedischen Lkw-Bauer Scania und seiner Nutzfahrzeugsparte schmieden. Doch in Asien kommt das Geschäft nicht in die Gänge und auch im lukrativen US-Markt sind die Marken bisher kaum präsent.

Die hohe Abhängigkeit von Europa hat bereits erste Auswirkungen auf die Produktion. In diesem Jahr soll die Zahl der verkauften Nutzfahrzeuge um drei Prozent auf 12,7 Millionen schrumpfen, prognostiziert das Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen. Das wirkt noch weit entfernt vom Einbruch des Krisenjahres 2009. Doch insbesondere in West-Europa soll der Rückgang besonders drastisch ausfallen. „Wir werden unsere Produktion der Nachfrage anpassen“, sagt MAN-Lkw-Chef Anders Nielsen dem Handelsblatt.

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