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22.08.2012

15:50 Uhr

MAN-Schmiergeldprozess

Vorwürfe gegen Ex-Chef Samuelsson

Im Prozess um Schmiergeldzahlungen durch MAN hat ein Zeuge den früheren Konzernchef Samuelsson schwer belastet. Er soll im Mai 2006 über die Bestechungspraxis informiert worden sein.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der MAN AG, Hakan Samuelsson. dapd

Der frühere Vorstandsvorsitzende der MAN AG, Hakan Samuelsson.

MünchenIm Prozess um den MAN-Schmiergeldkandal hat ein Zeuge die einstige Konzernspitze belastet. Der damalige Vorstandschef Hakan Samuelsson habe schon 2006 - Jahre vor dem Auffliegen des Skandals - von der Bestechungspraxis gewusst, sagte der frühere Leiter der MAN-Gesamtrevision am Mittwoch vor dem Landgericht München überraschend aus.

Er habe Samuelsson im Mai 2006 darüber informiert, dass seine Abteilung auf dubiose Provisionszahlungen in Slowenien gestoßen sei. "Das Wort 'Schmiergeldzahlungen' habe ich ihm gegenüber erwähnt." Gegen Samuelsson wird nicht ermittelt. Sein Anwalt wollte sich zu der Zeugenaussage nicht äußern. Von der Münchner Staatsanwaltschaft war keine Stellungnahme zu bekommen.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Absatz

Platz 10

Ashok Leyland - Indien
Mit 80.000 verkauften Lkws kommen die Inder international auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft im Wesentlichen auf den Heimatmarkt.

Platz 9

Bejing Automotive Industry - China
Der Staatskonzern landet mit 109.400 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 3,8 Prozent ebenfalls unter den größten Herstellern der Welt. Auch hier sind die internationalen Ambitionen begrenzt.

Platz 8

Torch - China
Ein weiterer im Westen eher unbekannter Hersteller, der mit einem Lkw-Absatz von 113.200 auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent kommt.

Platz 7

Volvo - Schweden
Beim Profit gehören die Schweden zu den absoluten Top-Marken weltweit. Bei den abgesetzten Fahrzeugen landen sie mit 125.800 verkauften Einheiten nur bei einem Marktanteil von 4,3 Prozent.

Platz 6

MAN/Scania - Deutschland/Schweden
Das neue Doppel des VW-Konzerns kommt gemeinsam auf 152.400 verkaufte Fahrzeuge und einen Marktanteil von 5,2 Prozent. Von der Spitze sind die Marken selbst gemeinsam noch weit entfernt.

Platz 5

Tata-Motors - Indien
In Europa machten die Inder vor allem mit der Übernahme von Jaguar und einem Billigauto Furore. Doch auch bei Trucks ist der Konzern vorne mit dabei. 194.900 abgesetzte Exemplare bescheren einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Platz 4

China Heavy National Duty Truck - China
Zu den chinesischen Spitzenreiter gehört auch dieser Staatskonzern, der 1935 gegründet wurde. Mit 199.900 verkauften Lkws erreicht der Konzern einen Marktanteil von 6,9 Prozent.

Platz 3

First Automotive Works - China
Bronze geht nach China. Der Volkswagen-Partner in der Volksrepublik setzte 2011 rund 274.300 Trucks ab und kommt damit auf einen Marktanteil von 9,5 Prozent.

Platz 2

Daimler Trucks - Deutschland
Was Umsatz und Profit angeht, kann kein anderer Lkw-Hersteller den Stuttgartern das Wasser reichen. Doch beim Absatz muss sich der Branchenprimus geschlagen geben: Mit 280.700 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 9,7 Prozent erreicht Daimler nur Silber.

Platz 1

Dongfeng - China
Kein Hersteller verkaufte im Jahr 2011 so viele Lkws wie die Chinesen. Ein Absatz von 300.100 Fahrzeugen ist ein Marktanteil von 10,3 Prozent und damit Gold.

Vor dem Münchner Landgericht muss sich derzeit der einstige Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann, verantworten. Er ist der ranghöchste MAN-Manager, dem der Prozess gemacht wird. Dem 56-Jährigen wird Bestechung im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen. 2009 war aufgeflogen, dass der Dax-Konzern jahrelang den Verkauf von Lastwagen, Bussen und Maschinen mit Bestechungsgeldern angekurbelt hatte. Laut Anklage wusste der einstige Nutzfahrzeugchef von dem Schmiergeldsystem und duldete es, statt es zu unterbinden.

Weinmann bestreitet die Vorwürfe. Einen Deal mit dem Gericht, wie dies mehrere ehemalige MAN-Manager vor ihm ausgehandelt hatten, lehnte er bislang ab, weil er für sich reklamiert, unschuldig zu sein. Jetzt signalisierte sein Verteidiger Gesprächsbereitschaft. Eine Besprechung aller Parteien soll vor dem nächsten Termin am 29. August stattfinden.

Bei zahlreichen Zeugenvernehmungen geht es im Kern um die Frage, ob Weinmann von einem internen Vermerk der Prüfer über Schmiergeldzahlungen in Slowenien gewusst hat oder nicht. Der ehemalige Leiter der Gesamtrevision sagte aus, er habe zwar regelmäßig mit Weinmann telefoniert, über die Vorfälle in Slowenien habe er jedoch Samuelsson als seinen obersten Vorgesetzten informiert.

In einer früheren Vernehmung hatte der Zeuge dies nicht angegeben; seine Aussage sorgte deshalb für Verwunderung bei Staatsanwaltschaft und Gericht. Die Justiz muss jetzt prüfen, ob mögliche Verstöße verjährt sind.

Der frühere Leiter der Konzernrevision sagte im Zeugenstand, er sei im Frühjahr 2006 in die Konzernzentrale gefahren, um dem Konzernchef und dem Finanzvorstand über die Schmiergeldzahlungen in Slowenien zu berichten. Im persönlichen Gespräch habe man sich bei MAN nicht an die Sprachregelungen gehalten, die sich der Konzern für Schriftstücke auferlegt habe. "Da haben wir Tacheles gesprochen." Samuelsson habe nach seinen Ausführungen "nicht so viel gesagt". Der Manager sei erschüttert gewesen. "Er hat gesagt, er würde das unterbinden."

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Was dieser dann genau unternommen habe, wusste der Zeuge nicht. Er sei "mit dem Gefühl rausgegangen, dass er sich darum kümmert". Ob Samuelsson Weinmann von dem Gespräch über die Schmiergeldzahlungen in Slowenien informiert habe, konnte der ehemalige Leiter der Gesamtrevision nicht sagen. Weinmanns Anwalt wollte die Zeugenaussage nicht bewerten. Er bat die Kammer um eine Zwischenbesprechung.

Der Vorsitzende Richter Joachim Eckert hatte die Möglichkeit einer Verständigung mehrfach angeboten. Nach entsprechenden Deals waren vom Münchner Landgericht in den vergangenen Jahren bereits mehrere Ex-MAN-Manager zu Bewährungsstrafen wegen Bestechung verurteilt worden, darunter die früheren Chefs der Turbomaschinensparte und der einstigen Konzerntochter Ferrostaal und der damalige Vertriebschef der Nutzfahrzeugsparte.

Von

rtr

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