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10.02.2014

12:52 Uhr

MAN und Scania

Elefanten an der Leine

VonLukas Bay

Volkswagen will aus MAN und Scania den größten Lkw-Bauer der Welt formen. Doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Nun könnten die Wolfsburger einen Schritt weiter gehen. Die Zeit wird knapp.

Lkws von Scania und MAN bei einem Überholmanöver: Trotz Allianz werden die beiden Lkw-Riesen des VW-Konzerns nicht warm miteinander. Imago

Lkws von Scania und MAN bei einem Überholmanöver: Trotz Allianz werden die beiden Lkw-Riesen des VW-Konzerns nicht warm miteinander.

DüsseldorfEtwas anderes als die Weltspitze kommt für Ferdinand Piëch nicht in Frage. Doch bisher hinkt Volkswagen dem Weltmarktführer Daimler bei den Nutzfahrzeugen noch hinterher. Bis 2020, so die Zielsetzung des VW-Patriarchen, soll sich das ändern. Bis dahin will Volkswagen auch bei den Lkws zur Nummer Eins werden. Die Aufholjagd ist erklärtes Unternehmensziel, doch sie stockt.

Denn die zwei Lkw-Riesen im VW-Konzern beharken sich weiter: MAN und Scania werden nicht warm miteinander. Die versprochenen Synergieeffekte und gemeinsamen Entwicklungen lassen weiter auf sich warten.

Bei MAN hatte VW darum schon im vergangenen Jahr die Zügel enger gezogen. Mit einem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag wurde die Unabhängigkeit der Münchener im Juni 2013 nach 255 Jahren beendet. Bei Scania ist die Lage komplizierter: Obwohl Volkswagen und MAN gemeinsam etwa bereits 62,6 Prozent des Kapitals und 89,2 Prozent der Stimmrechte von Scania halten, ist VW weiterhin gezwungen, die anderen Aktionäre bei Geschäften nicht zu benachteiligen. Hohe Ausgaben, um die Kooperation auf eine gemeinsame technische Basis zu stellen, sind kaum möglich.

Die größten Lkw-Bauer der Welt

Platz 10

Weichai Power - Shaanxi (China) - 104.100 neu zugelassene Fahrzeuge in 2013

Die Sinotruk-Tochter gehörte zu den ersten Firmen, die in China Dieselmotoren produzierte. In Deutschland wurde das Unternehmen durch seinen Einstieg beim Gabelstaplerhersteller Kion bekannt.

Quelle: IHS Automotive

Platz 9

Tata (Indien) - 133.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Mutterkonzern von Jaguar und Land Rover gehört auch im Nutzfahrzeugbereich zu den ganz Großen. Insbesondere im Heimatmarkt spielt das Unternehmen eine führende Rolle.

Platz 8

BAIC - Foton (China) - 136.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Daimlers Schlüssel zum chinesischen Markt ist auch die Kooperation mit den Chinesen. Mit dem Lkw-Bauer Foton, der zum Reich von BAIC gehört, betreiben die Stuttgarter seit 2012 das Joint-Venture BFDA.

Platz 7

Paccar (USA) - 139.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Hersteller aus Bellevue, Washington, baute im Zweiten Weltkrieg noch Panzer. Durch mehrere Übernahmen gehören die Amerikaner zu den Weltmarktgrößen im Lkw-Bereich.

Platz 6

CNHTC - Sinotruk (China) - 150.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Der hinesische Lkw-Produzent beherrscht rund 20 Prozent des heimischen Marktes. Seit 2009 hält der deutsche Lkw-Bauer MAN 25 Prozent an den Chinesen.

Platz 5

Volvo Trucks (Schweden) - 177.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Aus Göteborg in die Welt: Bei den ganz schweren Jungs gehören die Schweden zu den größten in Europa. Seit 2011 werden die Volvo Lastwagen auch in den USA gebaut.

Platz 4

Volkswagen (Deutschland) - 178.500 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit den Marken MAN und Scania unter ihrem Dach schaffen es die Wolfsburger im weltweiten Vergleich auf die oberen Ränge. Geht es nach den Plänen des Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll das Duo die Weltspitze erobern.

Platz 3

First Automotive Works (China) - 180.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit mehreren internationalen Herstellern unterhalten die Chinesen Joint Ventures, darunter Volkswagen und Toyota. Auch bei den Lastwagen gibt der Konzern, der einst mit sowjetischer Hilfe aus der Taufe gehoben wurde, den Ton an.

Platz 2

Dongfeng (China) - 264.400 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Ostwind, wie die Marke übersetzt heißt, bläst weiter kräftig. Im Segment der mittelgroßen Lkw beherrscht das Unternehmen den wachsenden Heimatmarkt. Nur ein Konzern verkauft noch mehr Lastwagen.

Platz 1

Daimler (Deutschland) - 355.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Neue Modelle geben dem Marktführer neuen Rückenwind - auch weil die Stuttgarter mit ihren internationalen Marken Freightliner, Fuso und Barat Benz auch international gut aufgestellt sind.

In einer Pressemitteilung hatten sich die Minderheitsaktionäre, vor allem Pensionskassen und Fonds, darüber beklagt, dass VW den Wert von Scania mindern könnte. Die Doppelrolle als Hauptaktionär berge Interessenskonflikte, heißt es weiter. Aus Reihen der Aktionäre hat Volkswagen mit weiterem Widerstand zu rechnen, sollte man die Kooperation erzwingen.

Zuletzt hatten schwedische Wirtschaftsmedien berichtet, dass VW daher eine Komplettübernahme von Scania anstreben könnte. Es wäre ein teures Unterfangen: Um die Anteile auf 90 Prozent aufzustocken, bräuchte VW weitere 27,4 Prozent der Scania-Anteile, deren Wert auf etwa drei Milliarden Euro geschätzt werden. Danach wäre ein Pflichtangebot an die verbliebenen Anteilseigner möglich. Für die restlichen zehn Prozent wären noch einmal zwei Milliarden Euro fällig. Insgesamt würde die Zähmung der widerspenstigen Aktionäre damit fünf Milliarden Euro kosten. Bis heute soll Volkswagen bereits 15 Milliarden Euro in Anteile von MAN und Scania investiert haben.

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