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24.09.2014

09:36 Uhr

MAN und Scania

Gelähmte Giganten

VonLukas Bay

VW will auch bei den Lkw an die Weltspitze. Dafür haben die Wolfsburger den ehemaligen Daimler-Manager Renschler abgeworben. Doch eine globale Strategie für die Riesen des Konzerns ist noch nicht sichtbar.

dpa

HannoverDen Vorabend der Nutzfahrzeug-IAA nutzt Volkswagen normalerweise für die ganz große Show. Hier verkündet die Wolfsburger Führung ihre Strategien, hier lässt sich die Prominenz blicken, hier paradieren PS-starke Brummis. Dieses Jahr hält man sich spürbar zurück. Während Konkurrent Daimler wenige Kilometer weiter die Vision vom selbstfahrenden Truck präsentiert, rollt nur ein VW-Transporter über die Bühne der Tui-Arena. VW Nutzfahrzeuge, MAN und Scania haben wenig Neues mitgebracht nach Hannover.

Mit der Verkündung großer Pläne hält man sich dieses Jahr zurück, denn es fehlt der Mann, der sie in die Tat umsetzen soll: Andreas Renschler. Der Manager, der jahrelang die Nutzfahrzeug-Sparte von Weltmarktführer Daimler steuerte, soll im Februar 2016 seinen Dienst antreten. Der angekündigte Wechsel des einst aussichtsreichen Zetsche-Erben schlug Anfang 2014 hohe Wellen. Eine Sperrklausel, auf die Daimler pochte, verhinderte seinen schnellen Amtsantritt bei den Wolfsburgern. Seitdem wirken die schweren Jungs des VW-Konzerns wie gelähmt.

„Am Ende können Sie sagen, die Besten ködern die Besten“, hatte VW-Patriarch Ferdinand Piëch den Wechsel damals launig kommentiert und damit gleich die Marschroute für den Neuen ausgegeben. In Wolfsburg will man sich nicht mit weniger als der Weltspitze zufrieden geben – und Daimler vom Thron der Lkw-Bauer stoßen.

Die größten Lkw-Bauer der Welt

Platz 10

Weichai Power - Shaanxi (China) - 104.100 neu zugelassene Fahrzeuge in 2013

Die Sinotruk-Tochter gehörte zu den ersten Firmen, die in China Dieselmotoren produzierte. In Deutschland wurde das Unternehmen durch seinen Einstieg beim Gabelstaplerhersteller Kion bekannt.

Quelle: IHS Automotive

Platz 9

Tata (Indien) - 133.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Mutterkonzern von Jaguar und Land Rover gehört auch im Nutzfahrzeugbereich zu den ganz Großen. Insbesondere im Heimatmarkt spielt das Unternehmen eine führende Rolle.

Platz 8

BAIC - Foton (China) - 136.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Daimlers Schlüssel zum chinesischen Markt ist auch die Kooperation mit den Chinesen. Mit dem Lkw-Bauer Foton, der zum Reich von BAIC gehört, betreiben die Stuttgarter seit 2012 das Joint-Venture BFDA.

Platz 7

Paccar (USA) - 139.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Hersteller aus Bellevue, Washington, baute im Zweiten Weltkrieg noch Panzer. Durch mehrere Übernahmen gehören die Amerikaner zu den Weltmarktgrößen im Lkw-Bereich.

Platz 6

CNHTC - Sinotruk (China) - 150.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Der hinesische Lkw-Produzent beherrscht rund 20 Prozent des heimischen Marktes. Seit 2009 hält der deutsche Lkw-Bauer MAN 25 Prozent an den Chinesen.

Platz 5

Volvo Trucks (Schweden) - 177.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Aus Göteborg in die Welt: Bei den ganz schweren Jungs gehören die Schweden zu den größten in Europa. Seit 2011 werden die Volvo Lastwagen auch in den USA gebaut.

Platz 4

Volkswagen (Deutschland) - 178.500 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit den Marken MAN und Scania unter ihrem Dach schaffen es die Wolfsburger im weltweiten Vergleich auf die oberen Ränge. Geht es nach den Plänen des Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll das Duo die Weltspitze erobern.

Platz 3

First Automotive Works (China) - 180.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit mehreren internationalen Herstellern unterhalten die Chinesen Joint Ventures, darunter Volkswagen und Toyota. Auch bei den Lastwagen gibt der Konzern, der einst mit sowjetischer Hilfe aus der Taufe gehoben wurde, den Ton an.

Platz 2

Dongfeng (China) - 264.400 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Ostwind, wie die Marke übersetzt heißt, bläst weiter kräftig. Im Segment der mittelgroßen Lkw beherrscht das Unternehmen den wachsenden Heimatmarkt. Nur ein Konzern verkauft noch mehr Lastwagen.

Platz 1

Daimler (Deutschland) - 355.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Neue Modelle geben dem Marktführer neuen Rückenwind - auch weil die Stuttgarter mit ihren internationalen Marken Freightliner, Fuso und Barat Benz auch international gut aufgestellt sind.

Darum hat Volkswagen in den vergangenen Monaten viel Geld investiert, um Renschler alle Zügel in die Hand zu geben. Mit einem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag wurde die Unabhängigkeit von MAN im Juni 2013 nach 255 Jahren beendet. Um auch die widerspenstigen Schweden von Scania zu zähmen, hatte VW im Frühjahr auch die restlichen Anteile übernommen und dafür 6,7 Milliarden Euro investiert. Geld, das unter anderem durch eine Kapitalerhöhung besorgt wurde.

Seitdem ist indes wenig Konkretes auf den Weg gebracht worden. Fragt man Manager der Nutzfahrzeugriesen bei VW nach dem neuesten Stand, hört man wenig Konkretes: Natürlich gebe es Gespräche zwischen den Partnern, natürlich komme man voran. Besonders bei einigen Komponenten wolle man Synergien heben, bei Achsen, Getrieben und Motorteilen. 850 Millionen Euro wollen die Partner dadurch in den kommenden zehn Jahren einsparen. Doch mit Einsparungen allein wird man kein Weltmarktführer.

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