Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.09.2016

18:00 Uhr

MAN und Scania werden digital

Eine Apple-Welt für Brummis

VonStefan Menzel

Auf der IAA in Hannover präsentiert die VW-Nutzfahrzeugsparte ihr neues digitales System Rio. MAN und Scania wollen damit die Transportwelt revolutionieren. Die Grundidee hat sich der Konzern von Apple abgeschaut.

IAA Nutzfahrzeuge in Hannover

Stylish und effizient – so sieht der Bus der Zukunft aus

IAA Nutzfahrzeuge in Hannover: Stylish und effizient - So sieht der Bus der Zukunft aus

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

HannoverAlle sprechen vom großen Wandel in der Nutzfahrzeugbranche. Die Digitalisierung biete ungeheuer große Chancen für die Lkw-Hersteller, sie müssten sie nur nutzen. Was sich dabei abzeichnet: Wenn sich ein Unternehmen auf den großen Wandel vorbereiten will, dann reicht es nicht mehr, wie bisher einfach nur Lastwagen von den Bändern laufen zu lassen. Die Nutzfahrzeug-Hersteller müssen zusätzlich Dienstleistungen und digitale Produkte ins Angebot nehmen.

Genau das versucht die Nutzfahrzeug-Sparte des Volkswagen-Konzerns mit ihrer neuen digitalen Marke Rio, die sie in dieser Woche auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) für Nutzfahrzeuge in Hannover präsentiert. Volkswagen verspricht, dass Rio die Transportwelt grundlegend verändern werde. „Daten sind der Treibstoff des 21. Jahrhundert“, sagt MAN-Vorstandschef Joachim Drees. Die beiden Lastwagen-Hersteller MAN und Scania bilden das Rückgrat der Volkswagen-Nutzfahrzeuggruppe.

VW-Lkw-Chef Andreas Renschler: „Wir wollen globaler Champion werden“

VW-Lkw-Chef Andreas Renschler

Premium „Wir wollen globaler Champion werden“

Der Chef der Lkw-Sparte von Volkswagen soll die Tochter an Daimler vorbei an die Weltspitze bringen. Kurz vor dem Start der IAA Nutzfahrzeuge kommt er dem Ziel mit dem Einstieg bei Navistar näher. Was danach kommen soll.

Die Grundidee hat sich der VW-Konzern ein wenig von Apple abgeschaut. Das iPhone mit iTunes und App-Store sichert den Apple-Kunden den Kontakt in jede Richtung und beinahe in jeder Lebenssituation. Mit dem Smartphone lässt sich das Leben organisieren. Das Handy hat sich unter der Führung von Apple zur zentralen Steuerungseinheit für seine Kunden entwickelt.

Diese Grundidee aus dem Bereich von Privatkunden wollen VW, MAN und Scania auf die Unternehmenswelt und speziell auf die Logistikbranche übertragen. Rio hat nur noch indirekt etwas mit einem Lastwagen zu tun. In den Vordergrund tritt nun eine Dienstleistung, die die wirtschaftlichen und professionellen Abläufe rund um das Logistik- und Speditionsgeschäft vereinfachen und damit auch billiger machen soll.

Das Lastwagengeschäft von Volkswagen

Wechselvolle Geschichte

Schwere Lastwagen gehören erst vergleichsweise kurze Zeit zum Volkswagen-Reich. Trotzdem hat das Lkw-Geschäft schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Im Jahr 2000 hatte sich der Wolfsburger Autobauer beim schwedischen Lastwagenhersteller Scania eingekauft, sechs Jahre später erwarb der Konzern erste Anteile an MAN. Die Münchner versuchten damals selbst, Scania zu kaufen. Doch VW hatte andere Pläne. Der damalige Patriarch Ferdinand Piëch wollte nicht nur vom Motorrad über den Kleinwagen bis zum Lastwagen alles anbieten - er wollte langfristig eine Lastwagen-Holding schaffen.

Gemeinsame Holding

Mittlerweile gibt es diese Holding. Unter dem Dach der Volkswagen Truck & Bus sind die Töchter MAN und Scania angesiedelt. Sie sollen möglichst eng zusammenarbeiten – vor allem um Kosten zu sparen, etwa bei Forschung und Entwicklung, aber auch beim Einkauf. Während MAN und Scania in Europa stark sind und gegen die Rivalen Daimler, Volvo oder DAF antreten, kämpft MAN Latin America in Brasilien mit der schweren Wirtschaftskrise. Einst war das von Volkswagen übernommene Lkw-Geschäft dort ein wichtiger Ertragsbringer für die Münchner.

Schwäche in den USA

In den USA hatte VW auf dem Nutzfahrzeugmarkt bislang nichts zu melden und musste das Geschäft lokalen Herstellern sowie dem Rivalen und Weltmarktführer Daimler überlassen, dem unter anderem die Marken Freightliner und Western Star gehören. Nun wurden eine Beteiligung und Allianz mit dem US-Anbieter Navistar beschlossen.

Weit hinter Daimler zurück

Daimler Trucks verkaufte im ersten Halbjahr 2016 weltweit knapp 214.000 Lastwagen und fast 11.800 Busse. Die Volkswagen Truck & Bus GmbH kam mit ihren Marken im gleichen Zeitraum auf 90.000 verkaufte Lkw und Busse.

Quelle: dpa

Die Volkswagen-Nutzfahrzeuggruppe will mit Rio alle Beteiligten einer Lieferkette – Versender, Spedition, Verlader, Fahrer und Empfänger – miteinander verbinden. Genauso sollen die im Logistikbereich unverzichtbaren Daten miteinander verzahnt werden, also etwa Informationen des Lkw, des Anhängers, des Fahrers sowie Verkehrs-, Wetter- und Navigationsdaten.

Spediteuren soll Rio auch dadurch schmackhaft gemacht werden, dass sich mit Hilfe des Systems Leerfahrten und Standzeiten deutlich reduzieren lassen sollen – was für die Unternehmen am Ende bares Geld bedeutet. „In den kommenden fünf Jahren wollen wir die Zahl der Leerfahrten halbieren“, verspricht Markus Lipinsky, Chief Digital Officer von MAN und hauptverantwortlich für die Entwicklung des Systems. Die Rio-Box in der Fahrerkabine informiert in Sekundenschnelle darüber, wenn es in der Nähe einen neuen Transportauftrag gibt, der Lastwagen muss nicht mehr leer weiterfahren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×