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12.05.2016

10:07 Uhr

Manz

Batteriegeschäft lässt auf bessere Zeiten hoffen

Der Spezialmaschinenbauer Manz will die Turbulenzen des vergangenen Jahres hinter sich lassen. Der Konzern setzt nun auf das Batteriegeschäft, das schon zum Jahresbeginn für steigende Umsätze sorgte.

Der Spezialmaschinenbauer setzt auf das Batteriegeschäft. PR

Manz

Der Spezialmaschinenbauer setzt auf das Batteriegeschäft.

DüsseldorfDas Geschäftsklima in China hat sich für den unter Druck geratenen Spezialmaschinenbauer Manz aufgehellt. Zudem entwickelt sich das Batteriegeschäft zum Zugpferd. „Der Bereich ist der Geschäftszweig bei Manz mit den höchsten Zuwachsraten. Diese gute Entwicklung wird sich auch in den kommenden Jahren weiter fortsetzen“, sagte Vorstandschef Dieter Manz am Donnerstag im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. So sei Elektromobilität in den USA und in China ein großes Thema. Vielversprechend sei auch die Entwicklung von Energiespeicher für Solaranlagen.

Bereits zum Jahresauftakt habe der Batteriebereich bei Manz für steigende Umsätze gesorgt. Die Konzernerlöse legten im traditionell schwachen ersten Quartal um knapp 20 Prozent auf 64,5 Millionen Euro zu. Zudem erreichte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit 0,9 Millionen Euro wieder die Gewinnzone nach einem Minus von 6,4 Millionen im Vorjahr. Netto sank der Verlust auf 3,2 (Vorjahr: minus 10,2) Millionen.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Börsenturbulenzen in China und die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hatten 2015 allgemein die Investitionsbereitschaft gedrosselt. Manz verlor Aufträge über 140 Millionen Euro durch Stornierungen und schrieb rote Zahlen. Der Vorstand steuerte mit Personalabbau gegen und holte sich den chinesischen Maschinenbauer Shanghai Electric ins Boot.

Der will sich im Zuge einer Kapitalerhöhung mindestens 29,9 Prozent an dem kriselnden Unternehmen aus Reutlingen sichern. Shanghai Electric soll künftig als Ankeraktionär nicht nur für finanziellen Rückhalt sorgen, sondern Manz auch den Marktzugang zur Volksrepublik erleichtern.

2016 peilt Manz „signifikante“ Umsatz- und Ergebnissteigerungen an. Konkret wollte der Manager aber auch mit Blick auf die geplante Kapitalerhöhung nicht werden.

Von

rtr

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