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29.02.2016

10:12 Uhr

Manz

Deutscher Apple-Zulieferer lässt sich von Chinesen retten

Der schwäbische Maschinenbauer Manz ist zuletzt noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Die Produktion war auf viel höhere Erlöse ausgelegt. Jetzt will Manz das Ruder herumreißen – mit Hilfe aus Schanghai.

Bei dem deutschen Maschinenbauer soll der chinesische Mischkonzern Shanghai Electric einsteigen. PR

Fertigung bei Manz

Bei dem deutschen Maschinenbauer soll der chinesische Mischkonzern Shanghai Electric einsteigen.

ReutlingenDer chinesische Mischkonzern Shanghai Electric Group will beim kriselnden Maschinenbauer und Apple-Zulieferer Manz einsteigen. Beide Unternehmen wollten in den Bereichen Energiespeichersysteme, Solar und Automationstechnologie zusammenarbeiten, teilte die Manz AG am Sonntag im schwäbischen Reutlingen mit. Damit verbunden sei eine „maßgebliche Beteiligung“ von Shanghai Electric an Manz.

Wie viel die Chinesen investieren werden, blieb zunächst offen. Unter anderem sei unklar, wie viele Altaktionäre bei der geplanten Kapitalerhöhung auf ihr Vorkaufsrecht verzichteten und die Aktien so eine Tochter von Shanghai Electric kaufen könne, sagte ein Unternehmenssprecher. Ein Übernahme der Schwaben durch die Chinesen sei nicht geplant.

Manz stellt Maschinen für die Solar- und Batterieindustrie her, dazu Displays für Tablet-PCs, Smartphones und Notebooks. Manz beliefert auch den iPhone-Hersteller Apple, etwa mit Maschinen für die Bearbeitung von Handy-Displays oder für die Lasertechnologie. Vor allem die Zukunft der Solarsparte bei Manz war aber zuletzt angesichts der Branchen-Krise ungewiss.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Das Unternehmen war in den ersten neun Monaten 2015 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Das Unternehmen hatte zum Jahresende ein Sparprogramm angekündigt, 174 von zuletzt gut 2000 Stellen sollten gestrichen werden. Weiterer Arbeitsplatzabbau sei derzeit nicht vorgesehen. Künftig wolle sich Manz auf Energiespeicher-Technologien und Maschinen zur Herstellung von Displayglas etwa für Handys und Tablets konzentrieren, hieß es.

Einen Jahresschluss will Manz am 30. März veröffentlichen. Von Januar bis Ende September 2015 stand ein Verlust von 33,8 Millionen Euro nach 0,8 Millionen ein Jahr zuvor in den Büchern. Der Umsatz sackte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Drittel auf 169 Millionen Euro ab. Der Vorstand erwartet nach Angaben aus dem November für 2015 einen hohen Verlust. Der Umsatz soll nur noch bis zu 210 Millionen Euro betragen, ursprünglich waren bis zu 340 Millionen Euro das Ziel.

Manz plant nun zunächst eine Kapitalerhöhung, also die Ausgabe neuer Aktien. Das Grundkapital soll so um rund 43 Prozent erhöht werden. Die Großaktionäre, Vorstandschef Dieter Manz und seine Frau Ulrike. halten bisher 35,2 und 3,8 Prozent an dem Maschinenbauer. Sie wollen nach Aussagen des Sprechers keine neue Aktien erwerben - sondern die ihnen zustehenden Wertpapiere soll Shanghai Electric kaufen. Wie viele der anderen zusätzlich auf den Markt gebrachten Aktien ebenfalls an die Chinesen gehen, sei noch unklar. Maximal werde der chinesische Konzern nach der Kapitalerhöhung 29,9 Prozent an Manz halten.

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Die Krise beim Maschinenbauer Manz erreicht die Belegschaft. Die Display- und Batteriesparte kämpft mit Problemen. Nach Gewinnwarnungen baut der Apple-Zulieferer Jobs ab – und kündigt Mitarbeitern kurz vor Weihnachten.

Das Ehepaar Manz soll signifikant am Unternehmen beteiligt bleiben. Dieter Manz soll für weitere fünf Jahre Vorstandschef bleiben. Die restlichen Aktien befinden sich nach Darstellung des Sprechers in Streubesitz.

Shanghai Electric behält sich den Angaben zufolge vor, die Stimmrechte von Dieter Manz zu übernehmen, im Zuge einer sogenannten Stimmbindungsvereinbarung. Dann wäre Shanghai Electric verpflichtet, den Manz-Aktionären ein Angebot zum Erwerb ihrer Aktien zu unterbreiten.

Die Shanghai Electric Group ist spezialisiert auf den Energiebereich, etwa die Windkraft. Mehrheitlich gehört sie laut Manz der Stadt Shanghai und kooperiert in Deutschland etwa mit Siemens.

Von

dpa

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