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30.03.2016

11:53 Uhr

Manz

Schwäbischer Apple-Zulieferer am Tropf der Chinesen

VonAndreas Dörnfelder, Martin-W. Buchenau

Der Maschinenbauer Manz hat 2015 wie angekündigt einen satten Verlust erlitten. Der neue Geschäftsbericht verrät: Scheitert der geplante Einstieg eines chinesischen Investors, droht dem Unternehmen die Pleite.

Bei dem deutschen Maschinenbauer soll der chinesische Mischkonzern Shanghai Electric einsteigen. PR

Fertigung bei Manz

Bei dem deutschen Maschinenbauer soll der chinesische Mischkonzern Shanghai Electric einsteigen.

ReutlingenDie Mitteilung klang auf den ersten Blick harmlos. Die Manz AG und die Shanghai Electric Group beabsichtigen eine strategische Zusammenarbeit“, teilte der schwäbische Apple-Zulieferer Ende Februar mit. Nun wird klar: Der Einstieg des chinesischen Kraftwerksbauers ist eine Rettung in höchster Not. Das legt jedenfalls der neue Geschäftsbericht nahe, den die börsennotierte Manz AG am Mittwoch veröffentlichte.

Im mehr als zehn Seiten umfassenden Risikobericht ist von einer möglichen Insolvenz die Rede, falls die geplante Kapitalerhöhung scheitert. Der Maschinenbauer erhofft sich von den Chinesen rund 90 Millionen Euro frisches Eigenkapital. Voraussetzung sind allerdings verschiedene Genehmigungen in Asien. „Sollten diese Genehmigungen, entgegen der Erwartung des Managements der Manz AG, nicht erfolgen, wäre der Unternehmensfortbestand der Manz-Gruppe und/oder einzelner Tochtergesellschaften gefährdet“, heißt es im Risikobericht.

Manz steckt in Schwierigkeiten, weil Kunden im vergangenen Jahr überraschend Aufträge stornierten oder verschoben. Der Umsatz brach von mehr als 300 Millionen Euro (2014) auf nur noch 222 Millionen Euro ein. Vor Zinsen und Steuern weist der Apple-Zulieferer einen Verlust von mehr als 58 Millionen Euro aus. Unterm Strich steht ein Minus von mehr als 64 Millionen Euro. Im Tagesgeschäft gab das Unternehmen viel mehr Geld aus als es einnahm: Der so genannte operative Cashflow beträgt minus 57 Millionen Euro.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Im Herbst hatte Manz ein Sparprogramm eingeleitet. 174 Mitarbeiter erhielten eine Kündigung, davon 73 in Deutschland und 101 an den internationalen Standorten. Die „Optimierung der Kostenbasis“ und der geplante Einstieg der Chinesen sollen eine „solide Grundlage für eine zukünftig wieder positive Unternehmensentwicklung“ bilden, teilte der Maschinenbauer am Mittwoch mit.

Gründer und Vorstandschef Dieter Manz blickt optimistisch nach vorn. Er sei sicher, 2016 zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wieder schwarze Zahlen zu schreiben, sagte er der Agentur Reuters. „Die Situation in China hat sich deutlich beruhigt. Unsere Kunden sind wieder bereit, zu investieren.“

Im Bezug auf den neuen Ankeraktionär Shanghai Electric gibt sich Manz sorglos: „Aktuell stehen noch letzte behördliche Genehmigungen aus, dabei erwarten wir jedoch keine Überraschungen. Es geht also alles seinen geplanten Gang“, lässt er sich in einer Pressemitteilung zitieren.

Der Gründer hat seine Millionen längst gerettet

Was er macht, wenn es doch Überraschungen gibt, steht im Risikobericht: „Bei einem Scheitern des Einstiegs von Shanghai Electric würde Manz weitere, bereits initiierte alternative Eigenkapitalmaßnahmen verfolgen. Aufgrund der Ungewissheit dieser Alternativen sowie deren zeitlichen Realisierbarkeit, wäre auch hier der Fortbestand der Manz-Gruppe gefährdet.“

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Im April hat der schwäbische Maschinenbauer Manz per Kapitalerhöhung 43 Millionen Euro eingesammelt. Nun bringen zwei Gewinnwarnungen den Vorstand in Bedrängnis. Börsianer sind empört, der Aktienkurs bricht ein.

Dieter Manz selbst wäre davon weit weniger betroffen als noch vor einem Jahr. Ende April 2015 verkaufte der Gründer 100.000 Aktien für rund 8,5 Millionen Euro. Danach gab die Manz AG innerhalb von vier Monaten zwei Gewinnwarnungen. Der Vorgang veranlasste die Finanzaufsicht Bafin im vergangenen Oktober zu einer Routineprüfung auf möglichen Marktmissbrauch. Laut einer Sprecherin dauert die Untersuchung weiterhin an.

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