Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.02.2016

13:12 Uhr

Manz und China

Frühlingsrollen statt Maultaschen

VonMartin-W. Buchenau

Die Shoppingtour chinesischer Investoren in Deutschland geht weiter. Neuestes Schnäppchen ist der Maschinenbauer Manz. Die Finanziers aus Fernost haben es vor allem auf die Technik angeschlagener Firmen abgesehen.

Im Januar hat Chem_china das Unternehmen für 925 Millionen Euro übernommen. Reuters

Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei

Im Januar hat Chem_china das Unternehmen für 925 Millionen Euro übernommen.

StuttgartEs hat langsam schon Züge eines Ausverkaufs. Schwächelt ein Maschinenbauer oder Autozulieferer oder gibt es ernste Nachfolgeprobleme, dann lassen sich chinesische Unternehmen nicht zweimal bitten. Denn kaum jemand ist bereit, mehr Geld für deutsche Technologie zu bezahlen. Darüber hinaus wird die Shopping-Tour chinesischer Firmen auch von der eigenen Regierung mit günstigsten Finanzierungskonditionen unterstützt.

Nach dem Betonpumpenhersteller Putzmeister und dem Strickmaschinenbauer Stoll holt sich jetzt der schwäbische Apple-Zulieferer Manz Unterstützung aus China. Der Firmengründer und Vorstandschef des angeschlagenen Unternehmens aus Reutlingen, Dieter Manz, ermöglicht dem chinesischen Maschinenbauer Shanghai Electric über eine Kapitalerhöhung den Einstieg mit mindestens 29,9 Prozent der Anteile. Manz erhofft sich für das an der Börse mit 200 Millionen Euro bewertete Unternehmen eine Kapitalspritze von mehr als 90 Millionen Euro.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Der neue Investor aus China erhält damit Zugang zur Technologie der Energiespeicher-Systeme und der Solar-Sparte von Manz, hieß es in einer Mitteilung. Damit sei auch die Entscheidung gefallen, das defizitäre Geschäft mit Dünnschicht-Solarmodulen (CIGS) fortzuführen, das Manz im vergangenen Jahr infrage gestellt hatte.

Manz passt als Anlagenbauer und Solar-Unternehmen genau ins Anforderungsprofil chinesischer Unternehmen, die mit Übernahmen auf deutsche Technologie abzielen.

Unter anderem wegen Auftragsverschiebungen, vor allem in China schrieb Manz 2015 rote Zahlen. Ein Sanierungsprogramm läuft. Beinahe jede zehnte Stelle wird gestrichen. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten auf rund 37 Euro nahezu halbiert. Haupteinnahmequellen des Unternehmens sind Anlagen zur Produktion von Displays für Tablet-PCs, Smartphones und Notebooks. Große Hoffnungen setzt Manz auf das noch junge Batterie-Geschäft, in dem der Spezialmaschinenbauer von der steigenden Nachfrage nach Elektroautos profitieren will.

Shanghai Electric soll über eine Kapitalerhöhung um 43 Prozent einsteigen. Vorstandschef Manz und seine Frau Ulrike, die zusammen 39 Prozent halten, wollen nicht mitziehen. Ihr Anteil dürfte nach Verwässerung aber noch über der Sperrminorität liegen. Die Familie Manz und die Chinesen planen, ihre Anteile zu bündeln. In diesem Fall müsste den freien Aktionären ein Pflichtangebot gemacht werden. Manz will das Unternehmen weiterhin führen. Der Aufsichtsrat habe seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert, teilte er mit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×