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22.03.2017

18:48 Uhr

Marillyn Hewson

In der Trump-Gunst gestiegen

VonThomas Jahn

Die Lockheed-Chefin buhlte erfolgreich um die Gunst von Trump. Sie will die Kosten des Kampfflugzeugs F-35 um fünf Milliarden Dollar senken. Jetzt steht der Rüstungskonzern wieder oben in der Gunst des US-Präsidenten.

Die Lockheed-Chefin steht seit 2013 an der Spitze des Rüstungskonzerns. Reuters, Sascha Rheker

Marillyn Hewson

Die Lockheed-Chefin steht seit 2013 an der Spitze des Rüstungskonzerns.

New YorkMarillyn Hewson ist eine Seltenheit in der Rüstungsbranche. Als erste Frau führt sie seit 2013 Lockheed Martin, einen der führenden Anbieter von Kanonen, Raketen und Jets aller Art. In mehr als drei Jahrzehnten stieg sie im Unternehmen auf, setzte sich in einer Männerwelt durch.

Der letzte Mann, der sich ihr in den Weg stellte, war Donald Trump. Schon am vergangenen Dezember kritisierte er in einem Fernsehinterview das Kampfflugzeug F-35: „Wenn sie sich das F-35-Programm ansehen, mit seinen hunderten von Milliarden Dollar, es ist außer Kontrolle“. Um ganz sicher zu gehen, dass jeder die Kritik mitbekommt, schrieb der 70-Jährige am nächsten Morgen auf Twitter: „Milliarden können bei Militärausgaben eingespart werden“. Die Kritik schüttelte F-35-Hersteller Lockheed durch, das an der Börse damals mehr als drei Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung einbüßte.

Seitdem bemühte sich Hewson erfolgreich um Schadensbegrenzung. Mindestens viermal traf sie sich mit Trump. Jetzt will das Unternehmen zusammen mit Lieferanten die Kosten in Höhe von fünf Milliarden Dollar senken. Der Präsident habe „absolut“ dabei eine Rolle gespielt, sagte Hewson jetzt auf einer Pressekonferenz: „Er hat mehr auf den Preis geachtet und wie wir die Kosten senken können“.

Schon bei einem Treffen Ende vergangenen Februar im Weißen Haus lobte Trump Hewson. „Sie ist tough“, sagte er, was für Trump ein großes Kompliment ist. Damals verkündete Lockheed die ersten Kostenreduktionen, die allerdings schon länger geplant waren.

Der F-35 gilt als teuerstes Rüstungsprojekt aller Zeit. Das Bruttoinlandsprodukt von Kanada ist gerade noch etwas größer, aber das von Südkorea, Russland oder Spanien ist deutlich kleiner. Das Kampfflugzeug F-35 kostet eingerechnet Inflation insgesamt 1,5 Billionen Dollar.

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Kritik daran gibt es schon seit 2001, als es vom früheren Präsidenten George W. Bush in Angriff genommen wurde. Die Idee war für das Militär revolutionär: Einen Kampfjet für alle drei der fünf Teilstreitkräfte zu bauen. So gibt es den konventionellen F-35a, der auch an ausländisches Militär in mindestens zehn Ländern verkauft wird. Teurer und spezieller ist der F-35b für die Eliteeinheit Marine Corps, der senkrecht starten kann, oder der F-35c für die Marine, der von Flugzeugträgern starten und landen kann.

Hewson will sich schon länger unabhängiger von der US-Regierung machen, kaufte beispielsweise 2015 Hubschrauber-Hersteller Sikorsky, die international stark tätig sind. Derzeit erhält Lockheed 59 Prozent seines Umsatzes vom Pentagon und 79 Prozent von der US-Regierung. Trotz Budgetkürzungen konnte Lockheed in den vergangenen fünf Jahren die Umsätze konstant halten, vor allem aufgrund des Kampfflugzeugs F-35. Das steht stark in der Kritik, es sollte schon 2010 fertig sein und ist mit mehr als 400 Milliarden Dollar deutlich teurer als erwartet.

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