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21.12.2016

10:33 Uhr

Marken und der Terror

Unverschuldet im Rampenlicht

Ein Lkw als Waffe eingesetzt: Der Hersteller Scania findet sich unvermittelt im Zentrum des Schreckens wieder. Das Unternehmen teilt jetzt ein Schicksal mit anderen vom Terror missbrauchten Marken.

Der Lkw von Scania, der für das Attentat von Berlin missbraucht wurde, gehört einer polnischen Spedition. dpa

In Trümmern

Der Lkw von Scania, der für das Attentat von Berlin missbraucht wurde, gehört einer polnischen Spedition.

DüsseldorfEs dauert nur wenige Sekunden, bis der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Trümmern liegt – und sich ein ganzes Land im Schockzustand befindet. Nach dem Anschlag von Berlin gehen die Bilder von den zerstörten Buden um die Welt. Mittendrin ein Lkw, an dessen Front unter dessen gesplitterter Windschutzscheibe – unversehrt als wäre nichts geschehen – das Logo der schwedischen VW-Tochter Scania prangt.

Auch zwei Tage nach dem Anschlag sind viele Umstände und Motive der Tat noch unklar. Doch die Tatwaffe ist es nicht. Sie ist sichtbar und rückt einen Hersteller ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit, der dort am liebsten gar nicht stehen würde. Es ist nicht das erste Mal, dass Terroristen einen Truck als Waffe missbrauchen. Schon beim Attentat in Nizza war ein Islamist mit einem Lkw in die feiernde Menge zum französischen Nationalfeiertag gerast.

In Berlin ist es ein Lkw der Scania R-Serie, in dessen Führerhaus der Attentäter sein Verbrechen beging. Die Scania-Lkw gelten in der Branche als verlässliche Schwergewichte. Beim Berliner Attentat hatte der Hänger Stahlträger geladen, wog 32 Tonnen. Auch deswegen war der angerichtete Schaden am Ende so groß.

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Die Zündschnur brennt – und wir wissen nicht, ob sich eine politische Kraft findet, sie rechtzeitig auszutreten.

Tragen Marken durch diese unfreiwillige Aufmerksamkeit ebenfalls einen Schaden davon? Nein, meint Frank Roselieb, geschäftsführender Direktor des Instituts für Krisenforschung in Kiel. „Die Auswirkungen auf die Marke sind gering bis nicht vorhanden“, meint der Experte. Denn auch die Unternehmen seien bei einem Anschlag eher Opfer als Täter. Ein Beispiel: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatten die Aktien der beteiligten Fluggesellschaften zwar rapide an Wert verloren. Doch einen nachhaltigen Imageschaden trugen sie nicht davon.

Auch die Produkte selbst geraten durch einen Anschlag nicht in Verruf. Kommt es zu Anschlägen mit Schusswaffen, wird immer wieder über ein Waffenverbot diskutiert. Doch wenn alltägliche Transportmittel wie Lkw oder Flugzeuge für den Terror missbraucht werden, ist die Sache komplizierter.

Für die betroffenen Firmen sieht Roselieb daher keinen großen Handlungsbedarf. „Es ist empfehlenswert, das Thema bewusst kleinzuhalten. Die meisten Nutzer sehen gar nicht, welche Marke betroffen ist“, ist seine Beobachtung.

Kommentare (4)

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Tschortscho Eibl

21.12.2016, 11:07 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.
http://www.handelsblatt.com/netiquette


 

Herr Leo Löwenstein

21.12.2016, 12:25 Uhr

Vielleicht sollte man nach Nizza und Berlin über ein Assistenzsystem nachdenken, das einen LKW, dass das Fahrzeug auf Schrittgeschwindigkeit abbremst, wenn es die offizielle Strasse verläßt, also in reine Fußgägerbereiche eindringt.

Heute sind ja, ich denke mal alle, mit Navi ausgestattet. Das Fahrzeug weiß somit jederzeit, wo es sich befindet und wo es hinfährt (Messung der Lenkung), also könnten auch Bereiche definiert werden, in die es nur mit Schrittgeschwindigkeit einfahren darf, das könnte man sogar temporär umsetzen, bei entsprechenden Updatezyklen.
Von der IT her ist das kein so großes Problem. Ist ja im Prinzip heute alles schon verfügbar. Navi, automatisches Bremsystem, Sensoren gibt's auch jede Menge.
Das System hätte sogar einen weiteren Nutzen, z.B: wenn ein Fahrer einen Herzinfarkt erleidet, das Fahrzeug wäre nicht völlig ohne Kontrolle.

Selbstfahrende LKWs lösen das Problem nicht, denn die sind hackbar und so noch leichter zu steuern. Ein menschlicher Fahrer muss noch ein gewisses Können haben und im LKW sitzen. Kann ich den LKW hacken, brauch ich nur einen, der das kann und der kann irgendwo auf der Welt sitzen, und das immer wieder.

Herr Wolfgang Wüst

21.12.2016, 12:44 Uhr

SCANIA teilt dieses "Schicksal" mit anderen Marken nur, weil die Medien das zusammenschreiben.

LKW's haben nun mal eine kinetische Energie, in der richtig Zerstörungskraft steckt. Aber LKW's sind unverzichtbar. Dort mit Prävention anzusetzen, reißt nur woanders neue Lücken auf und würde LKW-Betreiber unnötig einschränken.

So einen Unfug hat die Politik schon mit zivilen Waffen gemacht und nach Amokläufen Einzelner ganze Scharen von legalen Sportschützen malträtiert. Da ist auch keiner aufgestanden und hat geschrien, dass man nicht ganze Personengruppen stigmatisieren darf.

Oder denken wir mal an die Kampfhunde-Problematik. Da hat man auch am Hund angesetzt. Maulkörbe, Psychotests und Sondersteuern.

Es ist ein Fakt: MENSCHEN sind Terroristen, nicht LKW's, nicht Waffen und auch sonst nichts. Bei bestimmten MENSCHEN muß gezielt angesetzt werden. Alles andere ist reiner Quatsch und gehört in die Mülltonne!

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