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14.01.2004

07:44 Uhr

Markenzigaretten verlieren Marktanteile

Deutsche Raucher entdecken Billigkraut

Die deutsche Zigarettenindustrie ist angesichts von insgesamt fünf Tabaksteuererhöhungen im Zeitraum von 2002 bis September 2005 nicht gerade euphorisch gestimmt. Fürchtet sie doch, dass die Raucher auf billigere Alternativen umsteigen werden.

beu HAMBURG. Die Richtungsentscheidung des Bundesgesundheitsministeriums, allein 2004 rund 1 Mrd. Euro aus der Tabaksteuer an die Krankenkassen zu verteilen, um so die Ausgaben für Mutterschaftsgeld und andere Leistungen für Familien auszugleichen, ist von der Hamburger Securvita Krankenkasse ausdrücklich begrüßt worden.

Weniger euphorisch ist die Zigarettenindustrie angesichts von insgesamt fünf Tabaksteuererhöhungen im Zeitraum von 2002 bis September 2005. Diese würden nicht die von der Bundesregierung erwarteten Steuereinnahmen bringen, heißt es aus Industriekreisen. Vielmehr erwartet die British American Tobacco (Germany) GmbH, dass der Verbraucher verstärkt versteuerte Markenzigaretten durch billigere Alternativprodukte bis hin zu unversteuerten Schmuggelzigaretten ersetzt.

Bereits im letzten Jahr haben die deutschen Raucher die Konsequenz aus den beiden letzten Steuererhöhungen um jeweils 1 Cent pro Zigarette gezogen: Die hoch besteuerten Industrie-Markenzigaretten büßten mit einem Absatz von 112,8 Mrd. Stück 7 % oder 8,5 Mrd. Zigaretten ein. Der Absatz der etwas billigeren Handelszigaretten gab dagegen nur um 2,3 % auf 21,6 Mrd. Stück nach. Dadurch haben die Handelszigaretten unter dem Strich sogar Marktanteile gewonnen: Ihr Anteil stieg um 0,7 Prozentpunkte auf 16,1 %. Insgesamt verloren Fabrikzigaretten, d.h. Industrie- und Handelszigaretten mit 134,4 Mrd. Stück 6,3 % Absatz.

Absolute Gewinner waren die billigen Zigarettenprodukte, wie Feinschnitt, Zigarillo Sticks oder die privaten Einfuhren. Der Absatz dieses Segments kletterte um 8,5 % auf 54,3 Mrd. Stück. Allein die Privateinfuhren dürften dabei im letzten Jahr um knapp 15 % auf 11,6 Mrd. Zigaretten angestiegen sein. Damit wird bereits ein Drittel des Gesamtmarktes von Billigheimern besetzt.

Bei den Markenzigaretten entwickelte sich die Marlboro von Philip Morris parallel zum Markt. Mit einem unveränderten Anteil von 30,1 % hält Marlboro den Spitzenplatz in Deutschland, gefolgt mit einem deutlichen Abstand von der West aus dem Hause Imperial/ Reemtsma mit einem Anteil von 9,3 %. Mit einem Abstand von gut vier Prozentpunkten rangieren dahinter die Gauloises und Lucky Strike von BAT, gefolgt von der F6 von Philip Morris.

Die einstmals führende deutsche Zigarette HB setzt ihren Tiefenrausch fort. Mit einem Anteil von nur noch 4,4 % nach 4,7 % im Vorjahr ist sie auf den sechsten Platz abgerutscht. Das Problem der Marke ist geriatrisch bedingt: Ihre Raucher sterben aus.

Insgesamt ist BAT bei den zehn führenden deutschen Zigarettenmarken mit fünf Produkten vertreten. Abgesetzt wurden in Deutschland 30,6 Mrd. Zigaretten, 2,2 Mrd. Stück oder 6,7 % weniger als im Vorjahr. Gleichwohl hat die Marktentwicklung ausgereicht, um mit 22,8 % den zweiten Rang hinter dem Platzhirschen Philip Morris (34,8 %) zu verteidigen.

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