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23.08.2011

15:02 Uhr

Maroder Autobauer

Saab zahlt keine Löhne mehr

Wieder eine Hiobsbotschaft aus Trollhättan: Der angeschlagene Autobauer Saab hat zum dritten Mal in Folge kein Geld mehr für Löhne und Gehälter - neue Nahrung für die Angst vor einer Pleite.

Schon die Juli-Gehälter standen auf der Kippe. Reuters

Schon die Juli-Gehälter standen auf der Kippe.

StockholmDen Mitarbeitern des maroden schwedischen Autobauers Saab droht neues Ungemach: Das Unternehmen hat die Belegschaft offenbar darauf vorbereitet, dass sie ihren Lohn nicht rechtzeitig auf dem Konto haben könnten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Wie eine Saab-Sprecherin am Stammsitz in Trollhättan bestätigte, würden die August-Löhne für die rund 3600 Mitarbeiter vermutlich nicht pünktlich ausgezahlt werden. Noch sei die Finanzierung nicht endgültig gesichert, hieß es. Damit zahlt Saab bereits zum dritten Mal in Folge die Gehälter nicht pünktlich aus. Man würde weiterhin auf Gelder von Investoren warten, die bereits vor Wochen in das Unternehmen eingestiegen seien, sagte die Sprecherin.

Im Juli hatte Saab fünf Millionen neue Aktien ausgegeben, die etwa sieben Millionen Euro in die leeren Kassen spülen sollten. Käufer der neuen Aktien der Saab-Muttergesellschaft Swedish Automobile ist der amerikanische Investmentfonds Global Yield Fund Limited, GEM. Vor einem Jahr war GEM mit 1,8 Millionen Euro bei Saab eingestiegen. Im Mai dieses Jahres erwarb GEM eine weitere Million Aktien von Swedish Automobile. Nach einem vor einem Jahr unterzeichneten Abkommen kann Swedish Automobile Aktien für insgesamt 150 Millionen Euro an GEM verkaufen.

Weiterhin unklar ist zudem, wann die seit April stillstehende Produktion wieder aufgenommen werden kann. Ursprünglich war der Produktionsstart für den 9. August vorgesehen, wurde dann aber auf die letzte Augustwoche verschoben. Ob in der kommenden Woche die Bänder in Trollhättan wieder laufen werden, wollte Saab nicht sagen. Die Produktion der einstigen schwedischen Kultmarke steht seit Anfang April still. Viele Zulieferer hatten wichtige Bauteile wegen unbezahlter Rechnungen nicht mehr an Saab ausgeliefert. Derzeit laufen die Verhandlungen mit den Zulieferern über einen Abzahlungsplan für die angehäuften Schulden, die sich nach Medienangaben auf fast eine Milliarde Kronen (110,7 Millionen Euro) belaufen.

Saab-Händler wenden sich ab

Unterdessen wenden sich immer mehr Saab-Händler in Schweden von dem Unternehmen ab. In Schweden haben gleich zwei große Saab-Händler ihre Verträge mit dem Traditionsunternehmen aufgelöst. Auch in Deutschland ist die Zahl der Saab-Händler von 90 im vergangenen Jahr auf 50 in diesem Jahr geschrumpft. Experten zweifeln deshalb daran, dass Saab trotz des Einstiegs von zwei chinesischen Investoren noch einmal durchstarten kann. „Es werden keine Autos produziert, und selbst wenn, gibt es keine Vertriebskanäle mehr“, sagte ein Auto-Analyst in Stockholm.

Die im vergangenen Jahr von GM Motors an den mittlerweile in Swedish Automobile umbenannten niederländischen Sportwagenhersteller Spyker verkaufte Marke litt von Anfang an unter großen Problemen. Statt der für 2010 prognostizierten 60.000 Wagen verkaufte Saab nur knapp über 30.000 Autos. Die für dieses Jahr zunächst angepeilten 100.000 Autos können wegen anhaltendes Produktionsstopps ebenfalls nicht mehr erreicht werden. Die enormen Liquiditätsprobleme zwangen Saab im April zu einem bis heute anhaltenden Produktionsstopp, da Zulieferer wichtige Bauteile als Pfand für unbezahlte Rechnungen zurückbehalten hatten.

Im vergangenen Jahr fuhr Saab einen Verlust von 3,1 Milliarden Kronen (340,6 Millionen Euro) ein. Das Unternehmen verkaufte nur noch knapp 28.300 Wagen.

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Von

hst

Kommentare (1)

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Rudolf

23.08.2011, 16:15 Uhr

Liebes Handelsblatt,

noch gibt es ausreichend Vertriebskanäle für SAAB-Fahrzeuge - wie kann man nur den Quatsch dieses tollen Analysten wiedergeben ("es gibt keine Vertriebskanäle mehr")?

Außerdem kann die Überschrift "SAAB zahlt keine Löhne mehr" als Lüge bezeichnet werden, da für alle verständlich von einer Verzögerung der Zahlungen die Rede ist.

Sehr merkwürdiger Journalismus.....

Freundliche Grüße aus Hamburg
D. R.

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