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12.08.2014

11:52 Uhr

Martin van Vugt

Deutschland-Chef verlässt Kia

VonLukas Bay

Überraschender Abgang beim koreanischen Autobauer Kia: Deutschland-Chef Martin van Vugt verlässt die Hyundai-Tochter. Damit geht innerhalb weniger Wochen bereits der zweite Top-Manager aus der Führungsriege.

Kia-Deutschland-Chef Martin van Vugt tritt überraschend ab. PR

Kia-Deutschland-Chef Martin van Vugt tritt überraschend ab.

FrankfurtNach Jahren rasanten Wachstums schwächelte der koreanische Autobauer Kia zuletzt auf dem deutschen Automarkt. Nun geht auch noch ein wichtiger Manager von Bord: Deutschland-Geschäftsführer Martin van Vugt hat das Unternehmen verlassen – auf eigenen Wunsch, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Neben dem koreanischen Geschäftsführer Jin Ha Kim hatte der Niederländer als COO seit Februar 2011 das Deutschland-Geschäft von Kia geleitet. Vorerst soll nun Tom Ring, Direktor für Vertrieb und Händlernetz seine Aufgaben übernehmen.

Über die Gründe seines Abgangs schweigt das Unternehmen. Doch die Personalquerelen der deutschen Tochter scheinen unübersehbar: Denn mit van Vugt geht innerhalb weniger Wochen bereits der zweite Top-Manager aus der Führungsriege von Kia Deutschland. Ende Juli war Hyeong Yeob Bae als deutscher Geschäftsführer für die Finanzen (CFO) durch Ho Kyung Seo ersetzt worden.

Zuletzt hatten die Koreaner, die über Jahre zweistellig im deutschen Markt zulegen konnten, merklich geschwächelt. Noch bei seinem Amtsantritt im Jahr 2011 hatte van Vugt optimistische Ziele formuliert: Bis 2016 wollte er mehr als 100.000 Fahrzeuge verkaufen. Doch schon das Etappenziel von 70.000 Fahrzeugen im Jahr 2013 wurde zuletzt verpasst.

Mit 55.654 verkauften Autos im Jahr lag Kia zwar 1,6 Prozent über dem Vorjahr. Das ist zwar stärker als der Markt, doch schwach im Vergleich zum teilweise zweistelligen Wachstum der Vorjahre. In Deutschland kommt Kia derzeit auf einen Marktanteil von 1,9 Prozent. Konzernschwester Hyundai erreicht dagegen etwa 3,4 Prozent.

Die größten Gewinner im deutschen Automarkt

Platz 10

Dacia - Plus 7,5 Prozent - 48.907 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die rumänische Billigtochter bleibt eine Erfolgsgeschichte für Renault und wächst in Europa weiterhin deutlich stärker als der Markt.

Quelle: Kraftfahrzeugbundesamt

Platz 9

Skoda - Plus 8,5 Prozent - 173.538 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Mittlerweile sind die Tschechen die erfolgreichste Importmarke in Deutschland. Neue Modelle wie der Fabia dürften den Absatz auch im kommenden Jahr ankurbeln.

Platz 8

Seat - Plus 11,7 Prozent - 91.192 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Das spanische Sorgenkind des VW-Konzerns fährt aus der Krise. Der neue Leon macht's möglich - und beschert ein sattes Absatzplus auf dem deutschen Markt.

Platz 7

Nissan - Plus 13,7 Prozent - 62.536 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Den Japanern ist zum Jahresende etwas die Puste ausgegangen. Insgesamt kann sich das Absatzplus im abgelaufenen Jahr aber sehen lassen. Neue Modelle wie der Pulsar sollen die Erfolgsgeschichte im kommenden Jahr wiederholen.

Platz 6

Mitsubishi - Plus 14,1 Prozent - 24.131 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die Japaner haben mit dem Outlander PHEV einen der ersten SUVs mit Plug-in-Hybrid im Angebot. Insgesamt überzeugt die Modellpalette die Deutschen offenbar.

Platz 5

Volvo - Plus 16 Prozent - 31.919 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die Schweden sind zurück. Mit Modellen wie dem SUV XC90 blasen die Skandinavier wieder zum Angriff. Besonders zum Jahresende legte der Absatz deutlich zu.

Platz 4

Mazda - Plus 16,7 Prozent - 52.491 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Kennen Sie noch die uncoolen Mazdas aus den 90ern? Die Autokäufer in Deutschland kennen sie nicht. Eine runderneuerte Modellpalette bringt Mazda unter den Gewinnern der Zulassungsstatistik weit nach vorne.

Platz 3

Porsche - Plus 17,1 Prozent - 24.365 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen setzt seine Erfolgsgeschichte ungebrochen fort. Besonders zum Jahresende legt Porsche deutlich zu. Dabei dürften Verkaufsschlager wie der Macan auch weiterhin für Absatz sorgen.

Platz 2

Land Rover - Plus 18,1 Prozent - 14.679 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die noblen Briten können mit dem Evoque auch modern und klein. Das zahlt sich bei den Verkäufen aus. In Deutschland verkauft Land Rover fast doppelt so viele Autos wie Konkurrent Jeep.

Platz 1

Jeep - Plus 48,8 Prozent - 10.268 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die SUV-Marke aus dem Hause Fiat/Chrysler wächst in Deutschland stärker als alle Konkurrenten. Das dürfte Fiat-Chef Marchionne freuen, für dessen Premiumstrategie die Marke eine Schlüsselrolle spielt. Besteller ist der Grand Cherokee.

Die Koreaner haben derzeit gleich mit mehreren Problemen auf dem deutschen Markt zu kämpfen. Das einzige europäische Werk im slowakischen Zilina eilt zwar von Produktionsrekord zu Produktionsrekord, doch den Großteil der Fahrzeuge, insgesamt 1,6 Millionen, produziert Kia immer noch in Korea. 70 Prozent gehen in den Export. Dabei sind die Voraussetzungen nicht gerade exportfreundlich: Die starke Aufwertung der heimischen Währung hemmt den Außenhandel. Der koreanische Won hatte damit zuletzt den Gewinn belastet.

Auch das Händlernetz sorgt für Probleme: Van Vugt hatte Anfang 2012 das Händlernetz massiv umgebaut. Händler ohne Anschlussvertrag hätten daraufhin deutlich weniger Autos verkauft, hatte van Vugt in einem Interview mit der „Automobilwoche“ im April eingestehen müssen.

120 Standorte seien durch die Restrukturierung verloren gegangen, nur 60 seien neu besetzt worden. „Die Ziele in der aktuellen Situation zu erreichen, ist schwierig, aber das ist doch herrlich, denn in jeder sogenannten Krise steckt auch eine Chance“, sagte van Vugt damals. Eine Chance, die jetzt wohl sein Nachfolger ergreifen muss.

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