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13.09.2015

10:56 Uhr

Martin Winterkorn im Interview

Softwareexperte könnte VW führen

Die Motorkutsche löste einst die Pferdefuhrwerke ab. Nun müssen sich Autobauer im rasanten digitalen Wandel an vielen Stellen neu erfinden, sagt VW-Chef Martin Winterkorn. Er plant bereits die 13. Marke des Konzerns.

Vor dem Start der Automesse IAA mahnt derWolfsburger Konzernlenkere angesichts schleppend anlaufender Elektromobilität mehr Hilfe von der Politik an. ap

VW-Chef Martin Winterkorn

Vor dem Start der Automesse IAA mahnt derWolfsburger Konzernlenkere angesichts schleppend anlaufender Elektromobilität mehr Hilfe von der Politik an.

Wolfsburg/FrankfurtVolkswagen-Chef Martin Winterkorn sieht seine Branche mitten in einem historischen Umbruch. „Man kann hier durchaus von einer digitalen Revolution beim Automobil sprechen: Alternative Antriebe, automatisiertes Fahren, die vollständige Vernetzung des Automobils, „Big Data“, neue Werkstoffe und immer effizientere Produktionsverfahren“, sagte Winterkorn in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur vor dem Start der Branchenmesse IAA. Für den Konzern bedeute der rasante digitale Wandel, alles zu hinterfragen. „Wir sind dabei, Volkswagen ein Stück weit neu zu erfinden.“

Mit Blick auf die neuen Wettbewerber wie Google und Apple sagte der 68-Jährige: „Ich freue mich auf den sportlichen Wettkampf um die beste Lösung. Aber ich bin überzeugt: Volkswagen behält seine Führungsrolle. Unser Konzern ist mit seinen 11.000 Informatikern und Daten-Analysten längst selbst zu einem der größten IT-Unternehmen des Landes geworden.“

Als Ingenieur sehe er den technologischen Umbruch der Branche nicht als Bedrohung, „sondern vor allem als große Chance für den Automobilstandort Deutschland“. Volkswagen wolle den Wandel mit antreiben. „Mobilität in all ihren Facetten wird auch im digitalen Zeitalter unsere ureigene Domäne und Leidenschaft bleiben.“

Die rasante Wende hin zur vernetzten Mobilität stelle alles auf den Prüfstand. So schloss Winterkorn einen VW-Vorstandsposten für die IT nicht aus und sagte, ein solcher Manager könnte in fernerer Zukunft den technologielastigen VW-Konzern sogar führen. „Warum denn nicht? Die beschriebene digitale Revolution beim Automobil erfordert Veränderungen im Denken und Handeln auf allen Ebenen. An die Spitze eines Unternehmens gehören immer die besten Köpfe“, sagte Winterkorn.

Zudem kündigte er an, dass der seit Sommer laufende Umbau des VW-Konzerns schon bald erste Ergebnisse bringen werde. „Wir brauchen eine zentrale, starke Konzernsteuerung aus Wolfsburg heraus genauso wie die Nähe zum Kunden überall auf der Welt“, sagte Winterkorn.

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Bei der schleppend anlaufenden Elektromobilität mahnte der Chef des hierzulande größten Konzerns mehr Hilfe von der Politik an. „In China, USA oder etwa Norwegen gibt es politische Unterstützung für die Elektromobilität. Jetzt braucht es auch hier die richtigen Rahmenbedingungen, damit sich die Elektromobilität beim Kunden durchsetzen kann.

Statt Stückwerk bedarf es einer schlüssigen Gesamtstrategie der Politik für die künftige Entwicklung der europäischen Autoindustrie.“ Für die Zukunft der Branche mit ihren vielen Hunderttausend Jobs allein in Deutschland spiele die Elektromobilität eine sehr zentrale Rolle, betonte Winterkorn.

Der Autobauer steuert außerdem auf seine 13. Marke zu. Das mit viel Vorlauf entwickelte erste Billigauto des Konzerns werde nicht unter bekanntem Logo erscheinen, sondern ein eigenes, neues Herstelleremblem erhalten, kündigte Winterkorn an. „Wir bringen ab 2018 eine Budget-Car-Familie in China auf den Markt, mit SUV, Stufen- und Schrägheck - unter einem neuen Markennamen“, sagte er.

Der VW-Konzern hat bisher zwölf Marken: VW-Pkw, VW-Nutzfahrzeuge, Audi, Skoda, Seat, Porsche, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Ducati (Motorräder) sowie MAN und Scania (schwere Nutzfahrzeuge).

Die aktuelle Flaute auf dem weltgrößten Automarkt hält Winterkorn nur für eine vorübergehende Durststrecke. „Es gibt aus unserer Sicht keinen Grund für Schwarzmalerei. In China warten unverändert Millionen Menschen darauf, ihr erstes eigenes Auto zu kaufen. Die Mittelschicht wächst. Insbesondere im Westen des Landes gibt es riesige Potenziale“, sagte der Vorstandsvorsitzende. China normalisiere sich zwar, bleibe für die Wolfsburger aber weiter der wichtigste Wachstumsmarkt. Wegen Absatzrückgängen in China hatte der VW-Konzern Ende Juli sein Absatzziel für 2015 kassieren müssen.

Von

dpa

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