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15.09.2015

06:20 Uhr

Mary Barra

Wie die GM-Chefin den Automarkt aufmischt

VonChristian Schnell, Lukas Bay, Thomas Jahn

Mary Barra hatte als Chefin von General Motors einen schweren Start. Ein Millionen-Rückruf und der Rückzug aus Russland verhagelten die Bilanz. Mit einer Modelloffensive bei Opel will sie nun auch in Europa angreifen.

Die Chefin von General Motors will die altbackene Marke entstauben. BOSTELMANN / BILDFOLIO für Handelsblatt

Mary Barra

Die Chefin von General Motors will die altbackene Marke entstauben.

FrankfurtIhren ersten Auftritt als GM-Chefin auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) geht Mary Barra ganz gelassen an. Im Konferenzraum „Globe 1“ des Hilton am Frankfurter Flughafen empfängt die GM-Chefin das Handelsblatt zum Interview. Im Hintergrund der Astra, im Vordergrund eine entspannte Barra. Das war nicht immer so. Seit ihrem Amtsantritt war Barra bei GM permanent damit beschäftigt, Feuer auszutreten und die Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten. Im Dreikampf mit VW und Toyota um die Weltmarktführerschaft drohten die Amerikaner komplett ins Hintertreffen zu geraten.

Zunächst erschütterte ein Rückrufskandal den größten Autobauer der USA. Der Fehler kostete 124 Menschen das Leben und führte zu zahlreichen Verletzten. Grund für die tödlichen Unfälle war ein defektes Zündschloss. Das US-Justizministerium prüft jetzt eine Anklage wegen kriminellen Betrugs und eine Strafe, die den bisherigen Rekordbetrag von 1,2 Milliarden Dollar an Toyota übertreffen könnte. Mit den Folgen hat GM immer noch zu kämpfen: Der Widerruf von Millionen Fahrzeuge kostet allein drei Milliarden Dollar, dazu kommen Entschädigungen für die Opfer von 625 Millionen Dollar.

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Anfang des Jahres brach in der Folge der Ukraine-Krise der Absatz in Russland ein – ein Markt, in den GM große Hoffnungen gesetzt hatte. Am Ende entschied man sich für den kompletten Rückzug aller Konzernmarken. Alles sah danach aus, dass auch 2015 zu einem durchwachsenen Jahr werden könnte.

Mittlerweile können sich die Zahlen wieder sehen lassen – sowohl beim Absatz als auch beim Profit. Die Strategie von Barra, den Konzern technisch neu aufzustellen und die Kosten systematisch zu reduzieren, scheint langsam aufzugehen. Die angestrebte Rendite von zehn Prozent bis 2020 hat man im Heimatmarkt USA im vergangenen Quartal schon erreicht.

Und auch auf der wichtigsten Baustelle im Konzern – dem Europageschäft – sind langsam Fortschritte zu sehen. Nach einem schwachen Jahresstart stehen die Zeichen bei Opel mittlerweile auf Erholung. Während in den vergangenen Quartalen noch die Werksschließung in Bochum und der Rückzug aus Russland auf die Bilanz drückten, konnte der Verlust im abgelaufenen Quartal massiv auf 41 Millionen Euro reduziert werden. Dem Ziel, im Jahr 2016 Gewinne zu schreiben, kommen die Rüsselsheimer langsam näher.

Dabei ist die Neuaufstellung der Marken in Europa längst nicht so erfolgreich verlaufen, wie man sich in Detroit erhofft hatte. Vom Rückzug der Schwester Chevrolet konnten die Rüsselsheimer nur bedingt profitieren. So ist der Marktanteil von GM im europäischen Markt von sieben Prozent auf 6,2 Prozent geschrumpft, weil der Absatzzuwachs von Opel den Chevrolet-Einbruch nicht kompensieren kann.

Trotzdem genießt Opel unter dem neuen Chef Karl-Thomas Neumann weiterhin das Vertrauen der Chefin. „Ich glaube nach wie vor fest an den Erfolg von Opel“, sagt Barra dem Handelsblatt. Vorbei die Zeiten, in denen viele in Rüsselsheim den Mutterkonzern für die eigenen Probleme verantwortlich machten. Vorbei auch die Zeiten, in denen GM mit Stephen Girsky einen eigenen Aufpasser nach Deutschland entsandten, um die unrentable Tochter auf Kurs zu bringen und an die kurze Leine zu nehmen.

Stattdessen soll in Europa eine neue Modelloffensive gestartet werden. Zwischen 2016 und 2020 soll Opel ganze 29 Modelle auf den Markt bringen. Große Hoffnung nährt auch der Astra, für den Opel nach eigenen Angaben bereits 30.000 Vorbestellungen hat.

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