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18.02.2014

13:27 Uhr

Maschinenbau-Branche

„Die Chinesen sind realistischer geworden“

Chinesische Maschinenbauer verlieren das Interesse an Europa. Die Expansion nach Südostasien und Indien ist vorerst wichtiger. China ist schon drittgrößter Maschinenexporteur der Welt – und will weiter mehr Marktanteile.

Chinesische Arbeiter bei der Fertigung einer Windkraftanlage im chinesischen Boading. dpa

Chinesische Arbeiter bei der Fertigung einer Windkraftanlage im chinesischen Boading.

FrankfurtChinesische Maschinenbauer haben einer Studie zufolge bei ihrer Expansion nicht mehr vorrangig Europa und die USA im Visier. Vielmehr strebten die Unternehmen nun zunächst nach Südostasien und Indien, ergab eine Studie im Auftrag des Verbands Deutscher Maschinenbauer (VDMA) über die Strategien der chinesischen Konkurrenz.

„Die Chinesen sind realistischer geworden“, erläuterte die Autorin der Studie, Daniela Bartscher-Herold, am Dienstag in Frankfurt. Sie hätten gemerkt, dass ihnen oft noch das Know-how bei Technologie und Service fehlten, um in den USA und Europa konkurrenzfähig zu sein. Ganz aus den Augen verloren hätten chinesische Maschinenbauer diese Absatzmärkte aber nicht: Mittelfristig - ab 2015 - wollten sie mit ihren Exporten auch in den USA, Europa sowie Brasilien und dem Nahen Osten landen.

Die chinesische Konkurrenz wächst also rasant. Und sie ist billiger. Darauf muss die deutsche Schlüsselindustrie reagieren - indem sie über ihren Schatten springt und die Qualität herunterschraubt. Um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, bleibe den größtenteils mittelständischen Betrieben aus Deutschland nur dieses Mittel, die Preise zu senken, sagte der Präsident des VDMA, Reinhold Festge: „Wenn wir uns nur auf High-Tech-Produkte konzentrieren, laufen wir an die Wand.“ An der Spitze der Technologiepyramide sei der Markt zu klein.

Zuletzt hatten der Einstieg chinesischer Firmen bei deutschen Maschinenbauern wie dem Gabelstapler-Konzern Kion oder dem Betonpumpenhersteller Putzmeister die Erwartung einer Welle von Übernahmen deutscher Unternehmen durch Chinesen geschürt. Bei ihrer Expansion setzten chinesische Firmen aber mittlerweile weniger auf Übernahmen als auf Exporte von Maschinen im mittleren Qualitäts- und Preissegment.

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Nach der Studie der EAC-Euro Asia Consulting, die der VDMA in Auftrag gegeben hatte, sehen sich die chinesische Betriebe vor allem im Service sowie im bedeutenden mittleren Preissegment im Vorteil gegenüber deutschen Unternehmen. „Und das mittelfristig nicht nur in China. Darin liegt der Kern ihrer Internationalisierungsstrategie, auf die die deutsche Industrie Antworten finden muss“, sagte EAC-Expertin Daniela Bartscher-Herold. Die deutschen Maschinenbauer hätten trotz ihres Technologie- und Qualitätsvorsprungs akuten Handlungsbedarf, ihre China-Strategie zu überprüfen.
Für die Studie befragte EAC 122 chinesische Unternehmen aus acht der 39 Maschinenbausparten. Demnach liegt das größte Potenzial für den deutschen Maschinenbau in China im mittleren Technologiesegment. „Auf dieses Segment müssen die deutschen Unternehmen ihr Angebot verstärkt ausrichten“, forderte Festge. Das könne auch einmal den Mut zum „Good-enough“ (gut genug) erfordern.

China ist für deutsche Maschinenbauer extrem wichtig: Mit einem Volumen von rund 17 Milliarden Euro ist das Land der größte Exportmarkt für die deutschen Unternehmen. Gleichzeitig fertigt das Land auch selbst immer mehr Maschinen und ist inzwischen mit 678 Milliarden Euro (2012) Umsatz der mit Abstand größte Maschinenproduzent der Welt. Zum Vergleich: Das Umsatzvolumen der Industrie in Deutschland lag 2012 bei 248 Milliarden Euro. Von 2008 bis 2012 hat der chinesische Maschinenbau seine Produktion mehr als verdoppelt, im Ranking der Maschinenexporteure liegt China inzwischen hinter Deutschland und den USA auf Platz 3.

Die größten Maschinenbauer Deutschlands

Platz 10 – Rolls-Royce Power Systems

Umsatz 2012: 3,02 Milliarden Euro

Die deutsche Firma mit Hauptsitz in Friedrichshafen hieß bis Januar 2014 noch Tognum. Sie bietet Dieselmotoren und Antriebssysteme an und ist seit 2007 an der Börse notiert.

Platz 9 – SMS Group

Umsatz 2012: 3,24 Milliarden Euro

Die SMS Group ist der Dachgesellschaft SMS Holding GmbH untergeordnet und verarbeitet Stahl und Nichteisenmetalle. Alleinaktionär ist die Familie um den deutschen Unternehmer Heinrich Weiss.

Platz 8 – MAN

Umsatz 2012: 4,26 Milliarden Euro (MAN Power Engineering)

Die „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“ wurde bereits 1758 gegründet und war zunächst für Eisenverarbeitung zuständig. Seit 2011 hält Volkswagen die Mehrheit am Konzern.

Platz 7 – Knorr-Bremse

Umsatz 2012: 4,3 Milliarden Euro

Das größte Unternehmen für Bremssysteme von Schienen- und Nutzfahrzeugen wurde 1905 gegründet und ist nicht an der Börse notiert. Der Hauptsitz liegt in München.

Platz 6 – Kion

Umsatz 2012: 4,73 Milliarden Euro

Die Wiesbadener Kion Group wurde 2006 gegründet, baut Gabelstapler und Lagertechnikgeräte. Sie ging aus der Linde AG hervor und ist seit 2013 an der Börse.

Platz 5 – Thyssen-Krupp

Umsatz 2012: 5,64 Milliarden Euro (Thyssen-Krupp Industrial Solutions)

Deutschlands größter Stahlkonzern sitzt in Essen und entstand 1999 in Folge der Fusion von Hoesch-Krupp und Thyssen. Die historischen Wurzeln reichen in die Phase der industriellen Revolution in Deutschland zurück.

Platz 4 – Gea

Umsatz 2012: 5,72 Milliarden Euro

Das börsennotierte Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf und ist auf die Herstellung von Prozesstechnik und Komponenten im Maschinenbau spezialisiert. Es wurde 1881 gegründet.

Platz 3 – Voith

Umsatz Geschäftsjahr 2012/13: 5,73 Milliarden Euro

Die Wurzeln des Heidenheimer Maschinenbau-Unternehmens gehen bis in das Jahr 1867 zurück. Voith befindet sich im Besitz der Gründerfamilie. Das Unternehmen beliefert unter anderem Wasserwerke, Automobilhersteller und die Papierindustrie.

Platz 2 – Linde

Umsatz 2012: 15,28 Milliarden Euro

Die Linde Group sitzt in München und betreibt weltweit ihr Kerngeschäft mit Gasen und Prozess-Anlagen. Das 1879 gegründete Unternehmen ist börsennotiert und im Dax gelistet.

Platz 1 – Siemens

Umsatz Geschäftsjahr 2012/13: 18,59 Milliarden Euro (Siemens Industry)

Das Dax-Unternehmen mit Sitz in Berlin und München ist Deutschlands größter Technologiekonzern. Die Firma wurde 1847 von Werner Siemens gegründet und setzt den Fokus auf Elektrotechnik.


Kommentare (3)

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HofmannM

18.02.2014, 12:39 Uhr

In Europa gibt es durch diese ökosozialistische Ideologiepolitik einer sozialistischen Hollande-Merkel-Machtpolitik (ESM,EEG,Energiewende,Energieeinsparung,CO2 Ausstossvermeidung, menschengemachter CO2-Klimaerwärmungsmärchen usw.) auch bald keine Investitionen mehr und damit immer weniger Absatzmärkte für Wirtschaftsgüter. Die deutschen EU-Bürokraten einer grünsozialistischen Denkweise führen Europa-Deutschland zurück in die Anfangszeiten des Mittelalter. Europa entwickelt sich von einen Industriekontinent der freien Völker (Nationalstaaten/freier Marktwettbewerb) zu einen zentralistischen Arbeiter und Bauernstaat (EU/Plan-Staatsdiktatur) zurück. Sozialismus unter dem Diktat eines Feudalismus zum Schaden der freien europäischen Völker-Selbstbestimmung nennt man so etwas.

Account gelöscht!

18.02.2014, 14:37 Uhr

Das mit der Marktsegmentierung im Maschinenbau ist so ein Sau, die aktuell gerne durchs Dorf getrieben wird. Real daran ist nur, daß a) deutsche (Arbeits-) Kosten zu hoch liegen und b) der deutsche Maschbau nicht konsequent nach Asien geht, weil meist mittelständisch geprägt.
Solange von uns die Innovationen kommen, sind das aber keine Killfaktoren. Das war so und wird sich nicht grundsätzlich ändern.

wirtschaft

18.02.2014, 16:56 Uhr

Naja, der Schadstoffausstoß wird in den chinesischen Innenstädten zu einem immer größeren Problem. Dementsprechend werden auch die Erkrankungen weiter steigen, was sich natürlich auch auf die Produktivität auswirken wird. Zudem hat China auch gewaltige Umweltprobleme. Durch Maßnahmen wie Fahrverbote und Fabrikstilllegungen wird die Produktivität zudem weiter eingeschränkt.

Die Energiewende ist natürlich derzeit teuer. Allerdings sammelt man im Zuge der Energiewende auch einiges an Know-How durch praktische Erfahrung, welches man später gut ins Ausland verkaufen kann. Da bin ich mir ganz sicher. Denn langfristig bilden die fossilen Energieträger nicht die Lösung. Die Umweltauswirkungen des Uranabbau und von explodierten Reaktoren ist ebenso gewaltig. Von daher werden sich die erneuerbaren Energien meiner Meinung nach durchsetzen. Es ist halt das Investitionsparadoxon: Am Anfang kostet eine Investition mehr Geld als Sie bringt. Die Gewinne kommen erst später.

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