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13.01.2011

06:00 Uhr

Maschinenbau

China im Visier

VonWolfgang Gillmann

Im deutschen Maschinenbau geht es aufwärts. Eine Studie von Roland Berger empfiehlt jedoch, die Fertigung stärker nach Asien zu verlagern. Nur so könne eine gewinnbringende Zukunft auf dem asiatischen Markt gesichert werden. Denn China baut immer mehr Maschinen selbst.

Der Blick der Maschinenbauer richtet sich nach China. Quelle: dpa

Der Blick der Maschinenbauer richtet sich nach China.

DÜSSELDORF . Der deutsche Maschinenbau setzt seine Aufholjagd fort und verbucht weiter einen hohen Zuwachs bei den Bestellungen. Im November erhielten die Unternehmen nach Angaben des Branchenverbandes VDMA insgesamt 43 Prozent mehr Aufträge als noch vor einem Jahr. Vor allem im Ausland sind deutsche Maschinen gefragt. Ausländische Kunden bestellten 53 Prozent mehr als im November des Vorjahres, aus dem Inland kamen 23 Prozent mehr Bestellungen. „Es ist ein richtiger Schub gekommen“, sagte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. So meldete etwa Siemens gestern einen Auftrag für ein komplettes Gas- und Dampfkraftwerk für einen Stromerzeuger in Südkorea.

Allerdings hat die Branche noch nicht das Niveau des Boomjahres 2007 erreicht. Die Branche liegt noch rund 20 Prozent unter den früheren Rekordwerten. Für 2010 rechnet die nach der Autoindustrie zweitgrößte deutsche Industriebranche mit einem Wachstum von sechs Prozent, für 2011 erwartet sie ein Plus von acht Prozent.

Eine andere Strategie ist nötig

Trotz der wieder guten Wachstumsaussichten können Deutschlands Maschinenbauer damit nicht zufrieden sein. Nach einer Studie von Roland Berger Strategy Consultants, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, wird sich das Wachstum mehr und mehr nach China verlagern, was von den deutschen Herstellern eine veränderte Strategie erfordere. Sie müssen vor allem Standardmaschinen mehr und mehr in China produzieren, heißt es in der Studie. "Wer langfristig auf dem Markt mitspielen will, braucht eine eigene Fertigung in China. Das geht nicht mehr nur mit Exporten von Deutschland aus", sagt Roland-Berger-Partner Martin Eisenhut.

Noch ist China für die deutschen Maschinenbauer mit einem Anteil von zwölf Prozent der größte Kunde vor den USA mit acht Prozent. Doch das wird sich ändern. China ist bereits im vergangenen Jahr zum weltweit größten Produzenten von Maschinen geworden und hat damit die USA und Deutschland überholt. Während es in Deutschland und den USA schwere Konjunktureinbrüche gab, ist China weiter gewachsen, wenn auch langsamer als vorher.

Und das Land holt technologisch auf. "Die Leistungs- und Qualitätsansprüche der chinesischen Hersteller nähern sich dem europäischen Niveau", sagt Ralph Lässig von Roland Berger, einer der Autoren der Studie. Er erwartet, dass bis zum Jahr 2015 Deutschland nur noch bei Verpackungsmaschinen weltweit der größte Produzent sein wird.

Kommentare (1)

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Worldwatch

14.01.2011, 10:34 Uhr

Was in der Studie von Roland berger empfohlen wird, ist sicher richtig.
Die Unternehmen sind aber gut beraten, darauf zu achten, dass Kernkompetenzen, bzw. die jew. aktuellste, "premium-high-tech" so sicher vor Kopisten verborgen bleibt, wie dies nur irgend machbar ist.
Sonst stehen auch die identischen "Standartmaschinen" des lokal fertigenden, deut. Herstellers schon bei der naechsten Messe am Stand des lokalen "Mitberwerbes".

So kann aber auch eine premium-, oder high-end-tech Maschine eines deut. Herstellers in China "hergestellt" werden, wenn u. falls diese mit lokal hergestellten low- oder middle-tech Maschinen-(baugruppen-)teilen, und sodann aus D. importierten, wichtigen premium-high-end Modulen fertiggestellt bzw. (end-)montiert werden.

Der bau/Export von akt. premium-high-tech (etwa in Modulform) verbleibt so in D., aber durch d. Montage o. Zusammenfuegung v. Maschinenteilen (zur fertiggestellten Maschine), kann d. know-how geschuetzt werden, resp. koennen dazu auch div. Kostenvorteile realisiert werden, un ddaruber hinaus dem lok. Kundenwunsch zu groesserer Marktnaehe/Praesens und vor allem mgl. Flexibilitaet entgegengekommen werden.

Dem Kunden auch den Stress des Auslands-, also Deutschlandsimports zu nehmen, sowie auch d. Moeglichkeit in -deutlich leichter realisierbarer- lok. Waehrung zu bezahlen, sowie evtl. auch d.Kd. einen messbaren Erwerbspreisvorteil zu bieten, wird durch Fertigung u. Absatz bei lokaler (End-)Fertigung v.deut. Maschinen erheblich stimuliert.

Schuetzen sollten sich indes Maschinenhersteller, nach allen Regeln juristisch-administrativ machbarer Kunst, vor einer mgl., leichtfertigen Marktverschleuderung v. (jeweils) aktuellster(!!) premium-high-tech, und auch davor, mit lokalen ing.-Kraeften zusammenzuarbeiten, die morgen schon bei der lokalen Konkurrenz anheuern, und d. gelernte high-tech u. FertigungswWissen einem lokalen Arbeitgeber u. Maschinenbauer -gegen gutgefuellte boni-Umschlaege- zu praesetieren.
Deutsche Expats moegen dazu zwar f.entsendende Maschinenbauer -scheinbar- sehr kostenintensiv sein. Aber, beim Thema "Technologieschutzsachwalter" und erforderl. gewerbl. Rechtsschutzbegehren, sehr schnell die weit kostenguenstigere, weil know-how-Verlust verhindernde, mind. aber zeit-gewinnende Option sein.

Eine lokale Fertigung nicht anzugehen, koennen sich, da hat d. Studie sehr recht, sehr bald nur noch Maschinenbauer in D. leisten, die ueber global einmalige, besser alternativlose Premium-Maschinen verfuegen.
Nur ist dabei eben die Frage, ob d. stets zunehmende, lokale Maschinenbauindustrie nicht preiswertere "Umgehungsvarianten" anbieten kann, die eine, zwar wuenschenswerte aber zu teure, deutsche "dream-machine", umgehen kann.

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