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01.12.2016

19:46 Uhr

Maschinenbau

Deutsche Bergbaufirmen hoffen auf Trump

VonThomas Schmelzer

Nachdem die deutschen Bergbaumaschinenhersteller der Finanzkrise getrotzt haben, hat sich der Umsatz binnen drei Jahren halbiert. Die Unternehmen setzen auf ungewöhnliche Absatzmärkte – und hoffen auf Donald Trump.

Die Bergbaumaschinenhersteller spüren, dass in Deutschland immer weniger Kohle abgebaut wird. Weltweit macht ihnen die verhaltene Investitionsbereitschaft der Minenbetreiber zu schaffen. dpa

Strukturwandel

Die Bergbaumaschinenhersteller spüren, dass in Deutschland immer weniger Kohle abgebaut wird. Weltweit macht ihnen die verhaltene Investitionsbereitschaft der Minenbetreiber zu schaffen.

DüsseldorfEs ist eine beunruhigende Analyse: Donald Trumps Wirtschaftspolitik könne ein konjunkturelles Strohfeuer entfachen, langfristig aber den USA und vor allem Handelspartnern wie Deutschland schaden. So analysiert das Bundeswirtschaftsministerium Trumps bisherige Pläne in einem internen Papier.

Die anstehende Präsidentschaft Trumps bereitet vielen Wirtschaftsexperten Sorge. Michael Schulte Strathaus vom Fachverband Mining dagegen setzt Hoffnung in den neuen Präsidenten. Denn Donald Trump hatte im Wahlkampf immer wieder versprochen, die Industrie zu stärken und den amerikanischen Kohleabbau zu retten. „Wenn er das durchzieht, kommt es auch uns zugute“, sagte Schulte Strathaus dem Handelsblatt während der Jahrestagung seines Verbandes. Zwar werde Trump wohl viele Aufträge an US-Firmen wie Caterpillar oder Joy Global vergeben. „Oft kommt er aber um die Technik aus Deutschland nicht herum.“

Die Hoffnung auf Trump ist bezeichnend für die Lage der deutschen Bergbaumaschinenhersteller. Denn Firmen wie Eickhoff aus Bochum, Thyssen Krupp oder SMT Scharf aus Hamm haben schwer Zeiten hinter sich. Vorbei sind die Jahre, in denen die Branche der weltweiten Finanzkrise trotzte und jährlich im zweistelligen Prozentbereich wuchs. Vorbei auch der weltweite Rohstoffhunger, der das Geschäft der exportabhängigen Maschinenbauer trieb. Stattdessen: Kohleausstieg im Heimatmarkt, Investitionsstopp bei den globalen Minenbetreibern. Seit 2013 hat sich der Umsatz der Branche halbiert.

In diesem Jahr sollte Schluss sein mit den Umsatzeinbrüchen. Die Branche hoffte auf die Fachmesse Bauma in München, anziehende Rohstoffpreise und neue Aufträge. Doch die Bilanz, die der Vorsitzende Michael Schulte Strathaus seinem Verband am Donnerstag in Essen vorlegte, enthielt andere Zahlen. Der Umsatz im Inland: um 36 Prozent eingebrochen. Die Exporte: Minus 21 Prozent. Insgesamt sackte der Umsatz erneut um 22 Prozent ein. Damit kam die Branche auf einen Jahresumsatz von 2,78 Milliarden Euro. Vor drei Jahren waren es noch 6,3 Milliarden gewesen.

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Der Vorstandsvorsitzende Schulte Strathaus versuchte es dennoch mit Optimismus. Die gröbsten Umsatzrückgänge seien vorbei, sagte er. Weil sich die Rohstoffpreise langsam erholten, steige auch die Investitionsbereitschaft der Minenbetreiber an. Die deutschen Bergbaufirmen hätten das bereits im dritten Quartal 2016 gemerkt: Zwölf Prozent mehr Aufträge gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein.

Tatsächlich steigen die Preise für viele Industriemetalle seit einigen Wochen – auch wegen Trump. Zu seinen Wahlkampfversprechen gehört ein gigantisches Infrastrukturprogramm. Das würde die Nachfrage nach vielen Metallen erhöhen – und die Preise nach oben treiben. Auch China hatte im Mai ein riesiges Förderprogramm für die heimische Infrastruktur angekündigt, was die Nachfrage ebenfalls steigern würde.

Unabhängig von solchen politischen Versprechen setzt Schulte Strathaus auf neue Geschäftsfelder wie den Hartgesteinsabbau. „Die Energiewende ist für ihre High-Tech Produkte auf Metalle wie Erz angewiesen“, sagte Schulte Strathaus. „Und um solche Metalle aus der Erde zu holen, braucht es genau die Maschinen, die wir herstellen können.“

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Bei der SMT Scharf AG aus Hamm, die Bahnsysteme für den Bergbau entwickelt, deuten einige Indizien bereits auf eine Erholung des Geschäfts hin. So zog der Gewinn vor Steuern und Zinsen im dritten Quartal auf 1,6 Millionen Euro an. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen auch die Aufträge um 21 Prozent. „Es spricht viel dafür, dass die zyklische Talsohle durchschritten ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende Hans Joachim Theiß im November zur Konzernentwicklung.

Auf eine ähnliche Entwicklung hofft auch Michael Schulte Strathaus für die gesamte Branche. Es werde eine gewisse Zeit dauern, bis sich die gestiegenen Aufträge im Umsatz und Gewinn widerspiegeln würden, sagte er. Er rechnet Ende 2017, spätestens Anfang 2018 mit wieder steigenden Umsätzen in seiner Branche. Ähnliche Entwicklungen hatte der Verband allerdings auch schon 2014 und 2015 prognostiziert. „Wir sind damals davon ausgegangen, dass wird die schlimmsten Auftragsrückgänge schon hinter uns haben – und lagen falsch“, sagte Schulte Strathaus. „Aber jetzt steigen die Aufträge tatsächlich wieder – und der Bergmann hofft immer.“

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