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02.09.2012

15:09 Uhr

Maschinenbau

Ein Sanierer für Heideldruck

VonMartin Murphy

Der Ex-Chef von Symrise, Gerold Linzbach, soll den Maschinenbauer Heidelberger Druck schnell in die Gewinnzone führen. Um einen Stellenabbau wird er dabei wohl nicht herumkommen.

Der neue Vorstandsvorsitzende der Heidelberg Druckmaschinen AG, Gerold Linzbach. dapd

Der neue Vorstandsvorsitzende der Heidelberg Druckmaschinen AG, Gerold Linzbach.

HeidelbergMit ruhiger Hand wird Gerold Linzbach seinen Posten als Chef von Heidelberger Druck nicht angehen. „Die wichtigsten Dinge will ich schnell zur Entscheidung bringen“, sagte er vor Journalisten. An diesem Montag wird Linzbach erstmals offiziell auf dem Vorstandsvorsitz in der Heidelberger Zentrale Platz nehmen, in den vergangenen drei Wochen konnte er sich einen Überblick verschaffen.

Auch wenn er sich mit Details seiner Strategie zurückhielt, komplett auf den Kopf stellen will er den weltweit größten Hersteller von Druckmaschinen jedenfalls nicht, lautet seine erste Analyse. „In der Vergangenheit ist nicht alles falsch gemacht worden.“ Aber es wurden einige Arbeiten nicht richtig umgesetzt worden.

Um dies nachzuholen, dafür hat Aufsichtsratschef Robert Koehler den früheren McKinsey-Berater zu Heideldruck geholt. Die beiden Manager kennen sich aus gemeinsamen Zeiten beim Chemiekonzern Hoechst. Die Jobbeschreibung für Linzbach ist damit klar: Er soll die Prozesse der defizitären Heideldruck optimieren und die Kapazitäten vor allem im Stammwerk Wiesloch anpassen. Um einen Stellenabbau wird er dabei nicht herumkommen, wie es in der Firma heißt.

Anders wird der Konzern kaum zügig in die schwarzen Zahlen zurückkehren können. Viele Investoren haben sich bereits abgewendet, die Aktie notiert mit 1,02 Euro knapp vor dem Ramschniveau.

Das Vertrauen der Anleger verlor Heideldruck nicht nur wegen der Branchenkrise. Auch Wettbewerber wie Koenig & Bauer leiden unter dem Abwandern von Printinhalten ins Internet. Der Konzern sitzt jedoch auf zu hohen Kosten, die Linzbachs Vorgänger Bernhard Schreier trotz etlicher Sparprogramme nicht in den Griff bekam.

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Linzbach, der sich selbst als „57 Jahre alt, übergewichtig, geschieden, zwei Kinder, eines in Arbeit“ beschreibt, ist nun der richtige Mann für den Job, wie ein Aufsichtsrat sagt. Mit seiner hemdsärmeligen Art optimierte er bereits den Aromahersteller Symrise und brachte diesen an die Börse. Dabei habe er auch gelernt, die Sprache der Analysten zu sprechen, sagte der Hesse.

Dass die Probleme bei Heidelberger Druck größer als bei Symrise sind, weiß er. Linzbach betont daher, dass er einen fünf Jahresvertrags hat und diesen auch erfüllen wolle. Das Engagement bei dem einst stolzen Maschinenbauer soll nicht eine Stufe auf dem Weg nach oben sein, sondern die Krönung seiner Karriere.

 

Kommentare (1)

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Nachwuchs

02.09.2012, 18:45 Uhr

Wieso müssen eigentlich immer Mitarbeiter gehen und nie die Manager, Führungskräfte usw., die den Untergang vorsätzlich herbeiführten? Wieso müssen diese nie die Kosten tragen?

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