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22.02.2016

12:38 Uhr

Maschinenbau

USA sind das neue Exportland Nummer eins

Die deutschen Maschinenbauer stellen einen neuen Exportrekord auf. Motor des Wachstums sind dabei die USA: Das Land überflügelt China als wichtigsten Geschäftspartner. Russland fällt weiter zurück.

Maschinen „Made in Germany“ bleiben im Ausland gefragt. dpa

Lackierroboter der Firma Dürr

Maschinen „Made in Germany“ bleiben im Ausland gefragt.

DüsseldorfFür die deutschen Maschinenbauer werden die USA als Absatzmarkt immer wichtiger. In kein anderes Land habe die Branche 2015 so viele Anlagen exportiert, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag mit. Die Lieferungen seien um 11,2 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro gestiegen.

Damit habe der US-Markt dem bisherigen Spitzenreiter China den Rang abgelaufen. Die Ausfuhren in die Volksrepublik seien um 5,9 Prozent auf 16 Milliarden Euro geklettert. Die Ausfuhren in die Europäische Union wuchsen um 6,7 Prozent auf knapp 70 Milliarden Euro. Damit gingen 44,8 Prozent aller Maschinen „Made in Germany“ in EU-Länder.

Die größten Maschinenbauer Deutschlands

Platz 11 – Stihl

Umsatz in 2013: 2,81 Milliarden Euro

Stihl ist ein schwäbisches Familienunternehmen mit Hauptsitz in Waiblingen-Neustadt, tätig in über 160 Ländern. Stihl entwickelt, fertigt und vertreibt motorbetriebene Geräte für die Forstwirtschaft, Landschaftspflege und die Bauwirtschaft.

Platz 10 – Rolls-Royce Power Systems

Umsatz 2013: 3,35 Milliarden Euro

Die deutsche Firma mit Hauptsitz in Friedrichshafen hieß bis Januar 2014 noch Tognum. Sie bietet Dieselmotoren und Antriebssysteme an und ist seit 2007 an der Börse notiert.

Platz 9 – SMS Group

Umsatz 2013: 3,5 Milliarden Euro

Die SMS Group ist der Dachgesellschaft SMS Holding GmbH untergeordnet und verarbeitet Stahl und Nichteisenmetalle. Alleinaktionär ist die Familie um den deutschen Unternehmer Heinrich Weiss.

Platz 8 – MAN

Umsatz 2014: 3,75 Milliarden Euro (MAN Power Engineering)

Die „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“ wurde bereits 1758 gegründet und war zunächst für Eisenverarbeitung zuständig. Seit 2011 hält Volkswagen die Mehrheit am Konzern.

Platz 7 – Gea

Umsatz 2014: 4,52 Milliarden Euro

Das börsennotierte Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf und ist auf die Herstellung von Prozesstechnik und Komponenten im Maschinenbau spezialisiert. Es wurde 1881 gegründet.

Platz 6 – Kion

Umsatz 2014: 4,68 Milliarden Euro

Die Wiesbadener Kion-Gruppe wurde 2006 gegründet, baut Gabelstapler und Lagertechnikgeräte. Sie ging aus der Linde AG hervor und ist seit 2013 an der Börse.

Platz 5 - Knorr Bremse

Umsatz 2014: 5,2 Milliarden Euro

Das Unternehmen aus München ist der weltweit führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. gegründet wurde es 1905 in Berlin.

Platz 4 – Voith

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14: 5,35 Milliarden Euro

Die Wurzeln des Heidenheimer Maschinenbau-Unternehmens gehen bis in das Jahr 1867 zurück. Voith befindet sich im Besitz der Gründerfamilie. Das Unternehmen beliefert unter anderem Wasserwerke, Automobilhersteller und die Papierindustrie.

Platz 3 – Thyssen-Krupp

Umsatz 2014: 6,27 Milliarden Euro (nur Thyssen-Krupp Industrial Solutions)

Deutschlands größter Stahlkonzern sitzt in Essen und entstand 1999 in Folge der Fusion von Hoesch-Krupp und Thyssen. Die historischen Wurzeln reichen in die Phase der industriellen Revolution in Deutschland zurück.

Platz 2 – Linde

Umsatz 2014: 17,05 Milliarden Euro

Die Linde-Gruppe sitzt in München und betreibt weltweit ihr Kerngeschäft mit Gasen und Prozess-Anlagen. Das 1879 gegründete Unternehmen ist börsennotiert und im Dax gelistet.

Platz 1 – Siemens

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14: 17,06 Milliarden Euro (nur Siemens Industry)

Das Dax-Unternehmen mit Sitz in Berlin und München ist Deutschlands größter Technologiekonzern. Die Firma wurde 1847 von Werner Siemens gegründet und setzt den Fokus auf Elektrotechnik.

Insgesamt konnten die Maschinenbauer, zu denen neben börsennotierten Konzernen wie Thyssen-Krupp und Gea auch zahlreiche Mittelständler gehören, ihre Ausfuhren um 2,6 Prozent auf 155 Milliarden Euro steigern. Nach Abzug der Preissteigerungen (real) blieb ein Plus von 0,9 Prozent.

Die Wirtschaft in den USA hat in den vergangenen Jahren insbesondere von den niedrigen Energiekosten profitiert, die auch die Nachfrage nach Maschinen ankurbelt. Weiteren Schwung erhoffen sich die deutschen Hersteller von dem geplanten Freihandelsabkommen (TTIP) mit den Vereinigten Staaten. Dies könnte technische Hürden beseitigen.

Viele Maschinen müssten ein zweites Mal getestet und zugelassen werden, klagt die Branche. Durch abweichende technische Regulierungen in den einzelnen Bundesstaaten der USA entstünden beim Export Zusatzkosten von fünf bis 20 Prozent. Die Maschinenbauer gelten mit rund einer Million Beschäftigten als Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Die USA sind Partnerland bei der Hannover Messe Ende April, zu der auch US-Präsident Barack Obama erwartet wird. Vor drei Jahren war noch Russland das Partnerland der Industrieschau - und der viertwichtigste Exportmarkt für die deutschen Maschinenbauer. In Folge der Ukraine-Krise und des Verfalls der russischen Währung sind die Exporte der deutschen Maschinenbauer nach Russland eingebrochen. Im vergangenen Jahr schrumpften die Ausfuhren laut VDMA um knapp 27 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Damit liege Russland in der Bedeutung als Exportmarkt inzwischen nur noch auf Platz zehn.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Einfuhren und Ausfuhren der Elektroindustrie stiegen ebenfalls auf Bestwerte, wie der Branchenverband ZVEI berichtete. Die Exporte erreichten einen Wert von 174,1 Milliarden Euro und lagen damit 6,7 Prozent über dem Vorjahr. Noch schneller wuchsen die Importe, und zwar um 11,9 Prozent auf 161,5 Milliarden Euro.

Mit einem starken Plus von 16,4 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro überholten die USA wie bei den Maschinenbauern wieder China (plus 0,8 auf 15,0 Milliarden) als wichtigsten Exportmarkt für die deutsche Elektro-Industrie. Deutliche Einbußen gab es bei den Ausfuhren nach Russland.

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