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11.11.2016

13:20 Uhr

Maschinenbau zum Trump-Sieg

„Es kann sein, dass die fünf guten Jahre in den USA vorbei sind“

VonMartin Wocher

Protektionismus und neuen Handelsschranken in den USA: Die möglichen Folgen des Wahlsiegs von Donald Trump versetzen den deutschen Maschinenbau in Angst. Deutschlands größte Industriebranche hat viel zu verlieren.

Rund 78 Prozent aller in Deutschland hergestellten Maschinen wandert in den Export. dpa

Maschinenbau

Rund 78 Prozent aller in Deutschland hergestellten Maschinen wandert in den Export.

BerlinDrei Tage nach dem triumphalen Erfolg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen lösen sich die deutschen Maschinenbauer langsam aus ihrer Schockstarre. „Wir können und müssen dem neuen US-Präsidenten selbstbewusst entgegentreten“, sagte der scheidende Präsident des Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge auf der Mitgliederversammlung am Freitag in Berlin. „Es wäre fatal, wenn wir von vornherein einknicken würden.“

Da schwang viel Hoffnung mit, dass vielleicht nicht alles so schlimm kommen wird, wie zunächst befürchtet. Denn die Maschinenbauer haben viel zu verlieren: Keine Industriesparte ist so von offenen internationalen Märkten abhängig wie die stark mittelständisch geprägte Branche mit über einer Million Beschäftigten. Rund 78 Prozent aller in Deutschland hergestellten Maschinen wandert in den Export.

Sollte der designierte US-Präsident Trump seine Drohungen im Wahlkampf wahrmachen und den US-Markt vor unliebsamer Konkurrenz abzuschotten, hätte dies unmittelbare Auswirkungen auf die deutsche Vorzeigebranche. „Nationalismus und Protektionismus sind der falsche Weg, das hat uns die Geschichte immer wieder gelehrt"“ mahnte denn auch Festge. „Offene und freie Märkte sichern dagegen unseren Wohlstand und unsere Arbeitsplätze.“

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Der mittelständische Maschinenbau-Unternehmer aus der Domstadt wird neuer Präsident des Branchenverbandes VDMA. Der „kölsche Jung“ Carl Martin Welcker übernimmt das Amt in einer turbulenten Zeit.

Seit wenigen Monaten ist für die Maschinenbauer die Welt nicht mehr so, wie sie es lange gewohnt waren: Erst der Brexit in Großbritannien (immerhin der viertwichtigste Absatzmarkt für den Industriezweig) und jetzt die Unsicherheit über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs Amerikas. Die Supermacht hat China im vergangenen Jahr als wichtigsten Exportmarkt für die deutschen Maschinenbauer abgelöst – und die Branche in wirtschaftlich stürmischen Zeiten auf vielen Absatzmärkten wie Brasilien oder Russland gestützt.

Denn die starke Nachfrage aus den USA im Zuge der Re-Industrialisierung des Landes nach deutschen Maschinen um durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr konnte vor allem die konjunkturelle Schwäche Chinas mit rückläufigen Bestellungen ausgleichen. Produktion und Neubestellungen der Branche gehen zwar seit einiger Zeit nicht mehr nach oben, halten sich aber stabil auf hohem Niveau.

Für das kommende Jahr war sogar ein leichtes Wachstum angepeilt – ob es dazu kommt, hängt viel von den ersten politischen Entscheidungen des neuen Präsidenten ab. Maschinen und Anlagen im Wert von 17 Milliarden Euro haben die deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr in die Vereinigten Staaten ausgeführt, das sind rund elf Prozent aller Maschinenbauexporte: „Es kann gut sein, dass die fünf guten Jahre in den USA erst einmal vorbei sind“, sagte Rainer Hundsdörfer, designierter Vorstandschef des Druckmaschinen-Herstellers Heidelberger Druck.

Sorge bereitet den Maschinenbau-Managern vor allem die wachsende Tendenz in vielen Ländern, die eigenen Märkte gegen die Konkurrenz abzuschotten. „35 Prozent unserer Exporte wickeln wir mit Ländern ab, die mittlere oder hohe Importhürden aufgebaut haben“, sagte Hundsdörfer. „Und diese Zahl nimmt weiter zu.“ Sollte die neue US-Regierung wie angekündigt neue Schutzzölle erheben oder gar die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Mexiko und Kanada in der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta überdenken, hätte das erhebliche Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen. „Import ist gleich Export“, sagte Hundsdörfer. Kunden, Zulieferer und Hersteller seien so stark vernetzt, dass Zölle oder schärfere Grenzkontrollen erheblichen Schaden für alle Seiten auslösen könnten.

Dennoch will Festge, dessen Amtszeit am Freitag auslief und dem der Kölner Familienunternehmer Carl Martin Welcker folgt, nicht vorzeitig klein beigeben: „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch künftig gute Geschäfte mit den Amerikanern machen werden", sagte er – und gab dem neuen US-Präsidenten eine eigene Erfahrung aus den vergangenen drei Jahren als Verbandsvertreter mit auf den Weg: „Politik funktioniert nicht wie ein Unternehmen. Das wird Herr Trump auch noch lernen müssen.“

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