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09.06.2015

13:34 Uhr

Maschinenbauer schlagen Alarm

Geschäftsrisiko Produktfälscher

Produkte deutscher Maschinen und Anlagenbauern genießen weltweit einen guten Ruf. Doch das ruft immer mehr Fälscher auf den Plan. Der Branchenverband VDMA warnt: Produktpiraterie kostet die Branche Milliarden.

Knapp acht Milliarden Euro verlieren deutsche Maschinen- und Anlagenbauer laut Branchenverband VDMA im Schnitt pro Jahr durch Produktpiraterie. dpa

Maschinenbauer

Knapp acht Milliarden Euro verlieren deutsche Maschinen- und Anlagenbauer laut Branchenverband VDMA im Schnitt pro Jahr durch Produktpiraterie.

FrankfurtSie fälschen Ersatzteile, Komponenten und sogar ganze Maschinen: Produktpiraten machen Deutschlands Maschinenbauern immer mehr zu schaffen. „Bei uns spielt sich der Schaden in der Bandbreite von fünf bis zehn Prozent vom Umsatz ab“, sagt Bruno Lindl, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung bei der ebm-papst Gruppe, zum Anwendertag Produktpiraterie des Branchenverbands VDMA am Dienstag in Frankfurt: „In Euro ausgedrückt geht uns Geschäft im Volumen von 100 bis 150 Millionen Euro pro Jahr verloren. Das ist ein erheblicher Faktor.“

Der Mulfinger Hersteller von Elektromotoren und Ventilatoren ist mit dem Problem nicht allein. „71 Prozent der Unternehmen sind von Produkt- oder Markenpiraterie betroffen. Der geschätzte Schaden für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau beträgt 7,9 Milliarden Euro jährlich“, rechnet der Branchenverband VDMA vor - und schließt sowohl Fälschungen als auch Plagiate mit ein. Der Unterschied: Plagiate haben dasselbe Design wie das Original, werden aber unter einer anderen Marke verkauft.

Die Schattenwirtschaft im Maschinenbau ist zuletzt auf ein unrühmliches Rekordniveau gestiegen. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht, mahnt Steffen Zimmermann, VDMA-Experte für Produkt- und Know-how-Schutz: „Das Thema Digitalisierung wird das Thema Produktpiraterie noch verschlimmern: Dadurch können die Daten und das Know-how einfacher abfließen.“

Die größten Maschinenbauer Deutschlands

Platz 11 – Stihl

Umsatz in 2013: 2,81 Milliarden Euro

Stihl ist ein schwäbisches Familienunternehmen mit Hauptsitz in Waiblingen-Neustadt, tätig in über 160 Ländern. Stihl entwickelt, fertigt und vertreibt motorbetriebene Geräte für die Forstwirtschaft, Landschaftspflege und die Bauwirtschaft.

Platz 10 – Rolls-Royce Power Systems

Umsatz 2013: 3,35 Milliarden Euro

Die deutsche Firma mit Hauptsitz in Friedrichshafen hieß bis Januar 2014 noch Tognum. Sie bietet Dieselmotoren und Antriebssysteme an und ist seit 2007 an der Börse notiert.

Platz 9 – SMS Group

Umsatz 2013: 3,5 Milliarden Euro

Die SMS Group ist der Dachgesellschaft SMS Holding GmbH untergeordnet und verarbeitet Stahl und Nichteisenmetalle. Alleinaktionär ist die Familie um den deutschen Unternehmer Heinrich Weiss.

Platz 8 – MAN

Umsatz 2014: 3,75 Milliarden Euro (MAN Power Engineering)

Die „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“ wurde bereits 1758 gegründet und war zunächst für Eisenverarbeitung zuständig. Seit 2011 hält Volkswagen die Mehrheit am Konzern.

Platz 7 – Gea

Umsatz 2014: 4,52 Milliarden Euro

Das börsennotierte Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf und ist auf die Herstellung von Prozesstechnik und Komponenten im Maschinenbau spezialisiert. Es wurde 1881 gegründet.

Platz 6 – Kion

Umsatz 2014: 4,68 Milliarden Euro

Die Wiesbadener Kion-Gruppe wurde 2006 gegründet, baut Gabelstapler und Lagertechnikgeräte. Sie ging aus der Linde AG hervor und ist seit 2013 an der Börse.

Platz 5 - Knorr Bremse

Umsatz 2014: 5,2 Milliarden Euro

Das Unternehmen aus München ist der weltweit führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. gegründet wurde es 1905 in Berlin.

Platz 4 – Voith

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14: 5,35 Milliarden Euro

Die Wurzeln des Heidenheimer Maschinenbau-Unternehmens gehen bis in das Jahr 1867 zurück. Voith befindet sich im Besitz der Gründerfamilie. Das Unternehmen beliefert unter anderem Wasserwerke, Automobilhersteller und die Papierindustrie.

Platz 3 – Thyssen-Krupp

Umsatz 2014: 6,27 Milliarden Euro (nur Thyssen-Krupp Industrial Solutions)

Deutschlands größter Stahlkonzern sitzt in Essen und entstand 1999 in Folge der Fusion von Hoesch-Krupp und Thyssen. Die historischen Wurzeln reichen in die Phase der industriellen Revolution in Deutschland zurück.

Platz 2 – Linde

Umsatz 2014: 17,05 Milliarden Euro

Die Linde-Gruppe sitzt in München und betreibt weltweit ihr Kerngeschäft mit Gasen und Prozess-Anlagen. Das 1879 gegründete Unternehmen ist börsennotiert und im Dax gelistet.

Platz 1 – Siemens

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14: 17,06 Milliarden Euro (nur Siemens Industry)

Das Dax-Unternehmen mit Sitz in Berlin und München ist Deutschlands größter Technologiekonzern. Die Firma wurde 1847 von Werner Siemens gegründet und setzt den Fokus auf Elektrotechnik.

Dabei würde schon der Umsatz in der Schadenshöhe von 7,9 Milliarden Euro der deutschen Schlüsselindustrie knapp 38.000 Arbeitsplätze sichern. Auch Horst Lang, Leitung Global Engineering Quality bei Festo in Esslingen, betont: „Es ist nicht so, dass der Schaden für unsere Existenz bedrohlich wäre. Aber man merkt das durchaus und geht dagegen vor. Wir haben in China einen Anwalt beschäftigt.“ Denn nach wie vor kommt das Gros der nachgebauten Maschinen aus China.

Dabei sind die Täter meistens nicht Hinterhofwerkstätten mit widrigsten Bedingungen für die Menschen, die dort arbeiten, und die minderwertige Produkte bauen, wie Zimmermann berichtet: „In über 70 Prozent der Fälle ist ein Wettbewerber der Plagiator, zum Teil als Auftraggeber für Firmen in China oder Indien.“ Nur gut jedes vierte Plagiat (27 Prozent) kommt nach einer VDMA-Umfrage aus „Underground Factories“. Dahinter folgen Kunden und Zulieferer.

Die Antwort der mittelständisch geprägten Branche ist Innovation. „Unsere Produkte - Heizungsklima, Lüftung, Kältetechnik - haben einen Lebenszyklus zwischen acht und zwölf Jahren. Es dauert etwa rund drei Jahre, bis wir die ersten Nachahmungsprodukte auf dem Markt sehen“, sagt Lindl. Deshalb mache ebm-Papst immer rund 40 Prozent des Umsatzes mit Produkten, die nicht älter sind als vier Jahre.

Kommentare (2)

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Herr Vitto Queiry

09.06.2015, 14:00 Uhr

>> Die Schattenwirtschaft im Maschinenbau ist zuletzt auf ein unrühmliches Rekordniveau gestiegen >>

Wenn man den Chinesen das Know-how selbst hinbringt und zum Null-Tarif installiert sollte man sich über Piraterie später nicht wundern.

WV zum Beispiel baut in China ganze Werke auf der Grünen Wiese.......und drückt beide Augen zu, wenn zig Km weiter die gleichen Werke nochmals aufgebaut werden. Mit Piraterie-Erzeugnissen.

Account gelöscht!

09.06.2015, 15:32 Uhr

@Vitto Queiry
Volle Zustimmung! Und die deutsche Wirtschaft braucht sich auch nicht beschweren, wenn diese in Zukunft in Deutschland nicht mehr Fertigen und Entwickeln darf und der Wirtschafts- und Sozialstaat Deutschland geschlossen wird. Schließlich hat die ach so geliebte Mutti-Merkel soeben mal beschlossen, dass die Wirtschaft in Deutschland kein CO2 mehr ausstossen darf. Somit lebt der Deutsche in Zukunft von Luft und Liebe in einer Grün-Sozialistischen und Marktfeindlichen = Gesellschaftsfeindlichen Staatsdiktatur.
Der Wirtschaftsstandort Deutschland wird so zu sagen von unserer eigenen Grün-Sozialistischen Kanzlerin Merkel eingestampft und entsteht in Asien neu. Und damit verschiebt sich der Wohlstand immer mehr nach Osten. Die USA hat zum Glück Obama nicht mehr lange und dann kehrt, hoffentlich hier endlich mal wieder wirtschaftliche Vernunft und poliitscher Verstand in die Energie- und Wirtschaftspolitik der USA zurück.

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