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19.10.2016

14:52 Uhr

Maschinenbauer Trumpf

Gewinnformel 3D-Druck

Nach einem durchwachsenen Geschäftsjahr geht Trumpf jetzt wieder in die Offensive. Die Zahl der Mitarbeiter für die Entwicklung von 3D-Druck-Maschinen soll sich in den nächsten Jahren verdreifachen.

Die Auftragseingänge des Maschinenbauers sanken im Geschäftsjahr 2015/16 leicht. dpa

Trumpf-Werk in Ditzingen

Die Auftragseingänge des Maschinenbauers sanken im Geschäftsjahr 2015/16 leicht.

DitzingenDer Werkzeugmaschinenbauer Trumpf baut sein Geschäft mit Maschinen für 3D-Druck aus. Im laufenden Geschäftsjahr (bis Juni 2017) würden 100 neue Stellen am Firmensitz in Ditzingen für den Bereich „additive manufacturing“ geschaffen, sagte Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller am Mittwoch. Für das darauffolgende Jahr seien noch einmal so viele geplant. Derzeit arbeiteten etwa 75 Menschen in dem Bereich, sagte ihr Bruder und stellvertretender Firmenchef Peter Leibinger. In acht Jahren sei eine halbe Milliarde Euro Umsatz mit dem neuen Geschäft möglich.

Trumpf will zunächst vier Maschinen für das neue Verfahren anbieten, die erste sei bereits am Markt. 3D-Druck oder „additive manufacturing“, wie die Industrie das Verfahren nennt, kann Guss- oder Fräsverfahren ersetzen.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Mit der Ausweitung baut Trumpf auch seine Mannschaft hierzulande weiter aus. Zuletzt arbeiteten 5555 der weltweit 11.181 Beschäftigten in Deutschland. Damit beschäftigt Trumpf wieder mehr Mitarbeiter in Deutschland als im Ausland. Insbesondere bei der Entwicklung finde inzwischen eine Konzentration in Deutschland statt. Etwa 1200 der 1750 Entwickler der Gruppe arbeiteten in Deutschland. „Bei der langfristig ausgelegten Technologieentwicklung sehen wir den Kern in Deutschland“, sagte Peter Leibinger.

Im seit Juli laufenden Geschäftsjahr 2016/17 plant Trumpf trotz der andauernden Unsicherheit in der Weltwirtschaft mit einem Umsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich. „Dies gelingt uns in den ersten Monaten des neuen Geschäftsjahres sehr gut“, sagte Firmenchefin Leibinger-Kammüller.

Im Geschäftsjahr 2015/16 war der Maschinenbauer mit einem Umsatzplus von 3,4 Prozent auf 2,81 Milliarden Euro hinter seinen eigenen Erwartungen zurückgeblieben. Der Auftragseingang war leicht auf 2,79 Milliarden Euro gesunken. Neben der Konjunkturschwäche in China und Brasilien hätten sich die Sanktionen gegen Russland sowie die Unsicherheit in Europa vor dem Brexit-Votum ausgewirkt. Auch in den USA konnte Trumpf kaum wachsen.

Das Ergebnis vor Steuern ging um 15,2 Prozent auf 303 Millionen Euro zurück. Allerdings hatte im Vorjahr der Verkauf der Medizintechnik mit 72 Millionen Euro positiv zu Buche geschlagen. Trotzdem lag die Umsatzrendite bei mehr als 10 Prozent - einen ähnlichen Wert will Trumpf auch im laufenden Geschäftsjahr erreichen.

Von

dpa

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