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25.07.2014

12:15 Uhr

McKinsey bei Volkswagen

VW-Betriebsrat beschwert sich über externe Berater

Im VW-Betriebsrat herrscht dicke Luft. Der Einsatz externer Berater von McKinsey sei ohne Wissen der Arbeitnehmerseite vonstatten gegangen. Betriebsratsboss Osterloh fordert den Abzug.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Bernd Osterloh, wirft den McKinsey Beratern „Steinzeitdenken“ vor. dpa

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Bernd Osterloh, wirft den McKinsey Beratern „Steinzeitdenken“ vor.

Wolfsburg Der Einsatz externer Unternehmensberater bei Volkswagen hat den Groll von VW-Betriebsratsboss Bernd Osterloh heraufbeschworen. Die unter anderem auf Spar- und Effizienzprogramme spezialisierte Strategieberatungsfirma McKinsey sei ohne Wissen der Arbeitnehmerseite in den Konzern geholt worden, sagte Osterloh der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ (Freitag). Er forderte den raschen Abzug der Beratungsfirma, der er ein „Steinzeitdenken“ vorwirft.

Ein Konzernsprecher sagte: „Es handelt sich hier um eine reine Prozessbegleitung und nicht um eine inhaltliche. Wir werden selbstverständlich mit dem Betriebsrat klären, ob und welche Berater beteiligt werden sollen in dem Prozess.“ Mit welchem Auftrag und in welcher Stärke die McKinsey-Berater - genannt: „Maccies“ - bei VW arbeiten, war am Freitag zunächst nicht zu erfahren. Der Betriebsrat nannte die Standorte Wolfsburg und Kassel.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Osterloh fürchtet, es gehe mit McKinsey um ein „sinnfreies Köpfezählen in der Produktion“. Stattdessen gehörten die Komplexität der enormen VW-Produktpalette mit ihren 310 Modellen auf die Agenda oder auch Verbesserungen beim Entwicklungsaufwand. „Der Vorstand schmeißt mit dieser Fremdvergabe schon wieder unnötig Geld zum Fenster raus“, kritisierte der Betriebsratschef. Er verwies auf die eigene Beratungskompetenz im Konzern. So erwuchs zum Beispiel aus der heutigen VW-Tochter Porsche 1994 die Porsche Consulting. Ihr Schwerpunkt: Effizienzprogramme und Strukturverbesserungen.

VW-Chef Martin Winterkorn hat der renditeschwachen Kernmarke VW-Pkw ein milliardenschweres Spar- und Effizienzprogramm verordnet. Dazu hatte Osterloh der dpa am Mittwochabend in Hannover gesagt: „Kein Mensch muss Angst haben, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Es geht hier um die Weiterentwicklung des Konzerns und darum, zu schauen, wo der Konzern noch Gold vergraben hat.“

Osterloh sagte der „Wolfsburger Allgemeinen“ in diesem Kontext: „Wir brauchen keine „Maccies“.“ Der Vorstand müsse nur auf die eigenen Leute hören. „Das kostet keinen Cent. Wer glaubhaft Effizienzen heben will, der legt einen schlechten Start hin, wenn er zuallererst ohne Not Geld versenkt.“

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück sagte der dpa am Freitag, er stehe voll hinter Osterlohs Kurs. „Eigentlich wollte ich dazu nichts sagen, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, wenn man sich die McKinseys ins Haus holt, ist der Misserfolg schon vorprogrammiert.“ Die Berater seien das falsche Signal. „Ich bin bekanntermaßen ein großer Fan von Produktivität, denn wir brauchen Gewinne, um das Soziale zu verteidigen. Deshalb kann ich meinen Freund Bernd nur unterstützen, wenn er hier einen Strategiewechsel fordert“, unterstrich Hück.

Von

dpa

Kommentare (1)

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25.07.2014, 12:07 Uhr

alle Macht dem Betriebsrat...

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